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Die Pflege nimmt ordentlich Fahrt auf

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Mit Rikscha durch’s Viertel: Auf diese Angebot ist die dritte Bürgermeisterin Christine Strobl (re.) stolz.
Mit Rikscha durch’s Viertel: Auf diese Angebot ist die dritte Bürgermeisterin Christine Strobl (re.) stolz. © kn

Gegen den Pflegenotstand in der Stadt: Mit Quartiershäusern, internationalem Essen und Sprachkursen will sich Münchenstift für die Zukunft rüsten

In München herrscht Pflege­notstand – und es scheint immer dramatischer zu werden. Wie man die Situation entschärfen könnte, das hat jetzt Münchenstift bei einem Pressetermin vorgestellt. Die Vision: Elektroautos beim Ambulanten Dienst und Leben in Quartiershäusern mit Friseur, Tante Emma Laden und Kulturangeboten. Weiterer Baustein: ein attraktiverer Pflegeberuf. Mehr Zeit bei der Pflege und engere Zusammenarbeit aller Dienste.

Einen ersten konkreten Lichtblick gibt es auch schon: „Wir hatten heuer dank des neuen Tarifs 422 statt sonst 300 Bewerbungen“, erklärt Siegfried Benker, Münchenstift-Chef. 2017 wurde der neue Tarif eingeführt, der den Pflegefachkräften im Schnitt 400 Euro brutto mehr im Monat verschafft. Um das finanzieren zu können, wurde der Anteil der Zeitarbeitskräfte deutlich reduziert. „Diese kosten uns im Jahr 14 000 Euro mehr als Festangestellte.“

Seit Anfang Juli ist der Ambulante Dienst für eine bessere Verzahnung der einzelnen Bereiche an zunächst fünf Münchenstift-Häuser angegliedert. Somit werden die Häuser für den jeweiligen Dienst verantwortlich und zu echten Quartiershäusern. „Diese Häuser sollen Kompetenzzentren werden, mit der gesamten Versorgungskette im Angebot.“ Schon jetzt sind beispielsweise beim Haus St. Josef Veranstaltungen und Caféteria für alle zugänglich. Bis 2025/26 sollen alle Häuser dem Viertel geöffnet werden.

Auch die Tages- und Kurzzeitpflege wurde ausgebaut, um Angehörige zu entlasten und gezielt die Selbständigkeit der Gäste zu fördern. Zwar beträgt der Anteil der Gäste mit Migrationshintergrund nur vier Prozent, das Angebot wird trotzdem schon jetzt erweitert. „Der Anteil an diesen Bewohnern wird zunehmen.“ Spezielle Essen, TV-Kanäle und Zeitschriften werden für Bewohner mit Migrationshintergrund angeboten.

Ein erster Grundstein für die neue Pflege wurde 2016 gelegt: 18 Geflüchtete begannen die Ausbildung zum Pflegefachhelfer. 83 Prozent schlossen die einjährige Ausbildung erfolgreich ab, knapp 40 Prozent begannen eine weiterführende Ausbildung. Seitdem wurde dieses Projekt erweitert: Ein Jahr lang werden die Teilnehmer mit Sprach- und Computerkursen auf ihre Arbeit vorbereitet, bevor die Pflegeausbildung beginnt. Für 2018 sind alle 20 Ausbildungsplätze voll. „Ohne Migranten ginge gar nichts in der Pflege.“ Circa 60 Prozent der Mitarbeiter und über 86 Prozent der Auszubildenden haben Migrationshintergrund.

sab

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