Erlösausfälle von über einer Million Euro

Pfennigparade München: Menschen mit Behinderung in der Corona-Krise - neue Chancen und Herausforderungen

Der Werkstatt-Mitarbeiter Georg Wagner arbeitet derzeit im Homeoffice.
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Der Werkstatt-Mitarbeiter Georg Wagner arbeitet derzeit im Homeoffice.
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Pfennigparade in Schwabing: Wie Einrichtung und Mitarbeiter mit Behinderung derzeit die Corona-Pandemie und ihre Folgen erleben

SCHWABING-WEST - Normalerweise holt ein Fahrdienst Georg Wagner jeden Morgen ab – der 59-Jährige arbeitet bei der Pfennigparade in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung. Seit einer Hirnblutung hat er eine Sprachschädigung und sitzt im Rollstuhl. Seit Corona muss er von zu Hause aus arbeiten. Das geht zum Glück, denn seine Tätigkeit liegt im Video-Bereich. „Ich bekomme meine Aufgaben einfach digital“, erklärt er. Dennoch birgt die neue Situation auch persönliche Herausforderungen. Wagner: „Im Homeoffice ist die Versuchung groß, etwas anderes zu machen, im Büro bin ich viel effektiver.“ Auch seine Kollegen fehlen ihm aktuell sehr.

Pfennigparade in Schwabing: Menschen mit Behinderung in der Corona-Krise

Da die Berufsfelder der Pfennigparade vielfältig sind, ist Home­office nicht überall möglich. „Eine Fräsmaschine aus der Tischlerei kann natürlich nicht nach Hause gebracht werden“, so Vorstand Dr. Jochen Walter.

Dr. Jochen Walter ist Vorstand bei der Pfennigparade.

Vor allem das Betretungsverbot im ersten Lockdown habe der Pfennigparade schwer zu schaffen gemacht. Denn: Sobald Mitarbeiter fehlen oder – wie aktuell – im Wechselmodell arbeiten, seien wichtige Aufträge gefährdet. Um alles einhalten zu können, mussten Gruppenleiter oder Studierende einspringen. „Das verdeutlicht aber auch, wie wichtig unsere Werkstättenbeschäftigten sind“, betont Walter. Kritisch sieht er, dass es überhaupt ein Betretungsverbot gab. „Sonst hat man ja auch niemandem verboten, zur Arbeit zu gehen.“

Folgen von Corona-Pandemie: Erlösausfälle von über einer Million Euro

Zudem hat die Pandemie auch finanzielle Spuren hinterlassen. Gerade bei den Schulen und Kitas der Pfennigparade ist das aktuell ein großes Problem. Immer wieder müssen diese in den Notbetrieb wechseln. Walter: „Dadurch fallen Therapien im Schul- und Kita-Alltag größtenteils weg.“ Vor allem für die Entwicklung der Kinder sei das schlimm. Aber auch für die Existenz der Beschäftigten: Ist Therapie nicht möglich, kommen die Therapeuten in Kurzarbeit und die Krankenkassen zahlen auch nicht. „Alleine an unseren Schulen und Kitas sind dadurch Erlösausfälle von über einer Million entstanden.“ Mit digitalen Angeboten könne das nur bedingt kompensiert werden.

Träger fordern Rettungsschirm: Übergabe von Unterschriftensammlung geplant

Seit einem Jahr bitten die Träger von Förderschulen mit Tagesstätten und Therapien erfolglos um Hilfe. Mit einem offenen Brief inklusive Unterschriftensammlung appellieren sie jetzt an Ministerpräsident Markus Söder für einen bayerischen Rettungsschirm. Am Montag, 17. Mai, wird dieser übergeben. Aktuell umfasst die Sammlung etwa 3400 Unterschriften.

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