Petra sagt ja wie vor 104 Jahren

Alter Brauch neu aufpoliert: Eine Perle als Vorstadt-Braut

München Wenn die Marzipan-Bildhauerin Petronella Sahnekuss den Etablissment-Besitzer Zappedeus Schicksenreißer heiratet, kann das nur eins sein: Münchner Tradition – mit einem gehörigen Schuss Spektakel. „Heuer wird die Vorstadt-Hochzeit besonders sensationell“, freut sich die Schauspielerin Conny Glogger, die zum Vorstand des Vereins „Vorstadt-Hochzeit anno 1905“ gehört. „Wir haben das schrägste Brautpaar überhaupt – und sogar noch eins, das sich künstlerisch einbringt.“ Kein Wunder, heiraten doch Turmstüberl-Wirtin Petra Perle und Jürgen Kirner von der Couplet-AG. Da verspricht die „Hallo München“-Kolumnistin vor allem eins: einen Ohrenschmaus. „Wir studieren schon ein Couplet ein, das wir selbst getextet haben“, verrät Petra Perle. Sie ist aufgeregter als vor ihrer eigenen Hochzeit – und macht sich mehr Gedanken um ihr Kleid: „Ich hab mich schon mit der Kostümbildnerin getroffen“, sagt sie. „Es wird marzipanfarben sein – mit Ausschnitt und Schleier.“ Das authentische Gwand – ein besonderes Element der Vorstadt-Hochzeit. Eingelassen werden nur Gäste in Kostümen aus der Zeit um 1900 oder in echter Tracht. Die Tradition geht auf 1908 zurück, seitdem feiern Münchner Künstler jedes Jahr die Parodie einer „ehrbaren Vorstadthochzeit“. Zu den einstigen berühmten Ballbesuchern zählen Ludwig Thoma, Olaf Gulbransson, Liesl Karlstadt, Ludwig Schmid-Wildy oder Maxl Graf. Jetzt gehören Andreas Borcherding, Andreas Schwaiger, Winfried Frey, Hansi Kraus und andere zu den Stammgästen. „Wir haben gerade eine gute Mischung: Besucher, die schon seit 50 Jahren kommen und die nächste Generation“, freut sich Conny Gloggger, die selbst seit 30 Jahren dabei ist. „Die Tradition ist älter als der Kocherlball, aber der Ball ist wieder jung.“ Die Hochzeit beinhaltet nicht nur den Einmarsch ins Hofbräuhaus, traditionelle Lieder, Brautwalzer und alte Tänze wie Francaise und Rheinländer, sondern auch einen Jungesellenabschied. Wo Petra Perle ihren feiert? Natürlich im Turmstüberl. Und zum feierlichen Anlass wird sie ein Kunstwerk aus kiloweise Marzipan schnitzen. „Ich bin zu allem bereit“, sagt sie lachend, „als Vorstadt-Braut erwählt zu werden, ist eine große Ehre.“ Maren Heußler Die Vorstadthochzeit findet am Samstag, 29. Mai, im Hofbräuhaus statt. Karten zu 30 Euro (inkl. Hochzeitssuppe und Boeuf la Motte mit Breznknödeln) gibt es unter 089/710 005 26 oder beim Hofbräuhaus unter 089/290 136 10.

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