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Paradiesvogel und Münchner Architekt: Wer genau war François de Cuvilliés?

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Ist allgegenwärtig in der Architektur Münchens: Architekt François de Cuvilliés
Ist allgegenwärtig in der Architektur Münchens: Architekt François de Cuvilliés © dpa/Archiv

Cuvilliés’ Schaffen ist unverkennbar in München, aber sein Aussehen auch ist 250 Jahre nach dem Tod ein Rätsel - Hallo hat sich auf die Suche gemacht

Die Fassade der Theatiner-Kirche, die Amalienburg, das Cuvilliés-Theater und zahlreiche Prunkräume in der Residenz: 250 Jahre nach seinem Tod ist François de Cuvilliés aus München nicht wegzudenken. Dennoch ist der Rokoko-Architekt verhältnismäßig unbekannt. 

Hat François de Cuvilliés wirklich so ausgesehen?
Hat François de Cuvilliés wirklich so ausgesehen? © Archiv

„Es existiert nicht mal ein Bild“, erklärt Kunstpädagoge und Autor Albrecht Vorherr. Jenes, von dem man jahrzehntelang dachte, es würde den Architekten zeigen, sei eine Fehlzuschreibung. Einzig ein vermeintliches Portrait über der Toilette in der Amalienburg könnte Aufschluss über sein Aussehen (Foto) geben. Was man weiß: „Cuvilliés war ein Paradiesvogel“, sagt Vorherr. „Er trug edles Gewand, weiße Seidenstrümpfe und Rüschen an den Manschetten.“ Er habe lieber Wein als Bier getrunken und sich bei seinen Dienstreisen kutschieren lassen. „Er gab sich wie einer von den Adeligen.“ Damit stieß er auf Widerstand – nicht zuletzt bei Kollegen wie Joseph Effner oder Johann Baptist Gunetzrhainer. Sie kamen aus dem Handwerk, er sei intellektueller und künstlerischer gewesen: „Cuvilliés’ Auftrag war es, das Leben des Adels durchzustylen“. Diesen erfüllte er mit Erfolg: Nirgends sonst sei das überbordende Design auf so fruchtbaren Boden wie in Bayern gefallen. Bis ein Verbot dem Rokoko ein jähes Ende setzte: Die Gestaltung der Gotteshäuser dürfe nicht mehr ablenken. S.Obermeir

Albrecht Vorherrs neuer Sammelband „François de Cuvilliés“ wird am Mittwoch, 11. April, 19 Uhr, in der Juristischen Bibliothek im Neuen Rathaus, 3. OG, Raum 367, Marienplatz 8, präsentiert. Eintritt frei, Anmeldung unter 13 92 90 46

Die schönsten Bauten und Werke: François de Cuvilliés in München

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Sie gehört nicht nur zu seinen schönsten Werken, sondern ist auch eine der wenigen vollständig erhaltenen Bauten Cuvilliés’: Die Amalienburg im Schlosspark Nymphenburg wurde 1739 fertiggestellt. Kurfürst Karl Albrecht hat das Parkschloss für seine Gemahlin Maria Amalia erbauen lassen. Von seiner Dienstwohnung im Nymphenburger Schloss hatte Cuvilliés Ausblick auf den Bau, der zu den kostbarsten Schöpfungen des europäischen Rokoko zählt.

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„100 Jahre lang war dort bloß eine Ziegelmauer“, weiß der Experte Albrecht Vorherr. Bis sich Cuvilliés der Fassade der Theatinerkirche angenommen hat. Sie ist sein letztes Werk und fällt in eine Zeit, in der das Rokoko fast vorbei war. Die Gestaltung fällt daher kühler und weniger bombastisch aus, wie das Foto oben und der Stich von Michael Wening von 1701 rechts zeigen.

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Im Schloss Nymphenburg hat Cuvilliés den Gartensaal gestaltet. Im Idealfall sind die Türen offen, damit die Natur hereinströmen kann – der Saal sollte auf angenehme Weise in den Festsaal führen, wo die Adeligen tanzten. Deshalb ist die Dekoration nicht ganz so prunkvoll und von weiß geprägt.

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Es gibt nur ganz wenige Theater, die nach ihren Architekten benannt worden sind. Das Cuvilliés-Theater in der Residenz ist eines davon. Dem Architekten wurde diese Ehre erst 1958 zuteil: Das Gebäude ist im Krieg zerstört worden, die kostbare Inneneinrichtung wurde jedoch ausgelagert und damit gerettet. Heute steht das Theater etwa hundert Meter weiter als zu Lebzeiten Cuvilliés’. Der Zuschauerraum versetzt das Publikum in Staunen – genau wie bereits im Rokoko.

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