Moderne Informationstechnik

Allergiker atmen auf

Jeroen Buters vor dem bereits installierten modernen Gerät an der Biedersteiner Straße.

Münchner Professor revolutioniert Bayerns Pollenmesstechnik – neues Netz ab 2017.

Den Allergiker kratzt es im Hals, an Durchatmen ist nicht zu denken. Und das, obwohl die Pollen-App eigentlich Entwarnung gibt. Bisher kein seltenes Szenario. Der Grund: veraltete Technik und zu wenige Messstationen. Gerade mal zwei von ehedem neun Stationen waren zuletzt noch in Betrieb. Aufgefallen ist das dem Münchner Professor Dr. Jeroen Buters. Der schlug nicht nur Alarm, sondern revolutioniert jetzt zusammen mit seinen Arbeitgebern – der TU und dem Helmholtz Zentrum München – die komplette Mess­technik: Bayern bekommt das weltweit modernste Polleninformationsnetzwerk.

Ihren Anfang nahm diese Innovation im Oktober 2014 mit Buters’ Anruf bei der bayerischen Staatsregierung: „Dort fiel man aus allen Wolken, weil man dachte, es gäbe ähnlich wie bei der Messung der Luftverschmutzung hunderte Stationen“, erinnert sich der 58-Jährige. Die Konsequenz der schlechten Abdeckung: „Alle Pollen- und Allergiker-Apps beziehen ihre Daten aus diesen Messungen. Deren Ergebnisse waren also zwar nicht erfunden, aber auch nicht viel besser.“

Das leuchtete auch dem Umwelt- und dem Gesundheitsministerium ein. Also bat man Buters, sich Gedanken zu machen. In der Folge bauten er und sein Team zusammen mit einem Experten aus Finnland 27 Pollenfallen in Bayern auf – das dichteste Messnetz der Welt. Weil man aber die veraltete Technik durch moderne, vollautomatisierte – und bis zu 100 000 Euro teure – Geräte ersetzen wollte, machte man sich Gedanken, wie man die Fallen-Anzahl wieder reduzieren könnte. „Wir haben herausgefunden, dass es in Bayern acht Pollenflugzonen gibt“, erklärt Buters. Heißt: „Egal wie viele Messstationen man innerhalb einer Zone aufstellt, die Ergebnisse decken sich jeweils zu über 90 Prozent.“ Ergo kommt das neue Messnetz mit acht Stationen aus.

Der Freistaat kann nun aufgrund der im Rahmen bleibenden Kosten aufatmen – die Allergiker aufgrund genauerer Werte. Diese kommen künftig fast in Echtzeit. „Lediglich fünf Stunden Verzögerung bedeuten deutlich zuverlässigere Prognosen“, verspricht Buters. Gebaut wird das weltweit erste automatische Pollennetz bereits ab kommendem Jahr. 2018 startet der Testlauf, 2019 der Regelbetrieb. Marco Litzlbauer

Zahl der Leidenden steigt
Aktuell leiden gut 33 Prozent der bayerischen Bevölkerung an Allergien – Tendenz steigend. Der Grund: Ältere Menschen haben deutlich seltener Allergien, die jüngere Generation hingegen sogar zu 45 Prozent. Daher gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Prozentsatz bis 2050 weiter ansteigt. Als beste Vorbeugung gelte nach wie vor, Zeit draußen zu verbringen. Vitamin D durch Sonnenlicht sowie Kontakt mit Erdbakterien stärken das Immunsystem. Hinzu komme, dass die Feinstaubbelastung in geschlossenen Räumen höher sei, so Jeroen Buters.

Auch interessant:

Meistgelesen

So habt ihr die Wiesn noch nie gesehen!
So habt ihr die Wiesn noch nie gesehen!
Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, im Gespräch mit Hallo München
Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, im Gespräch mit Hallo München
Anfragen der Bezirksausschüsse: Wirbel um längere Bearbeitungszeit
Anfragen der Bezirksausschüsse: Wirbel um längere Bearbeitungszeit

Kommentare