Münchner paddelt 500 Kilometer flussabwärts für guten Zweck

An Board gehen – 10 Tage lang

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Pascal Rösler paddelt auf der Isar.

München Rund dreieinhalb Meter lang, 80 Zentimeter breit: Das ist die Fläche, mit der sich Pascal Rösler zehn Tage lang begnügen muss. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang wird der Schwabinger auf dem schwankenden Brett stehen, nur in kurzen Pausen am Flussufer neue Energie tanken.

„Ich denke, ich werde relativ schnell Blasen an den Händen bekommen. Aber es muss ja auch ein bisschen weh tun.“ Schließlich müht sich der 43-Jährige für einen guten Zweck ab: 500 Kilometer paddelt er in seinem Urlaub mit seinem Board von München nach Wien – und will mit dieser Aktion denjenigen helfen, die ihn tragen: Donau und Isar.

Die Idee für seine Flussfahrt auf dem „Stand-Up-Paddle“ (SUP)-Board kam dem Unternehmer mitten auf dem Starnberger See. „Ich wollte mit dem Board auf große Fahrt gehen.“ Die Route stand für den Wahl-Münchner, der in Dillingen an der Donau aufgewachsen und heute beruflich oft in Wien ist, schnell fest. Seine Motivation: „Ich habe bisher als Sportler die Natur immer nur genutzt. Jetzt ist es Zeit für mich, ihr etwas zurückzugeben“, sagt der passionierte Windsurfer. Auf dem SUP-Board stand er das erste Mal 2010 in Südafrika, als die In-Sportart, bei der man auf einer Art Surfbrett mit einem Stechpaddel in der Hand auf dem Wasser gleitet, in Deutschland noch kaum bekannt war.

Mit den Spenden will Rösler drei Natur-Projekte des Bayerischen Naturschutzfonds unterstützen und damit junge Menschen für den Umgang mit der Umwelt sensibilisieren. Beispielsweise sollen Schüler aus dem Landkreis Landshut im Rahmen des Schulunterrichts den Isar-

auwald erkunden können. Über 1600 Euro sind schon zusammengekommen. „Das Ziel sind 10 000 Euro. “ Via Live-Tracking kann man Röslers Weg auf seiner Homepage sup-muenchen-wien.de in Echtzeit verfolgen.

Am Mittwoch, 20. Juli, sticht der Abenteurer um 8 Uhr an der Max-Joseph-Brücke in München in See. Die Ankunft ist für Samstag, 30. Juli, an der Kaisermühlenbrücke in Wien geplant. Mit auf dem Board: ein 40-Liter-Rucksack mit Kraftnahrung, Schlafsack, Biwaksack, Mückenschutz. „Ich werde wohl selten wild campen, sondern mir Unterkünfte auf Campingplätzen oder nahe gelegenen Orten suchen.“ Etwa 50 Kilometer will er am Tag zurücklegen. „Anstrengend werden die Staustufen. Da muss ich jedes Mal ans Ufer paddeln, das Board rausheben und nach der Staustufe wieder reinheben.“

Daniela Schmitt

Was verrückte Dinge Münchner noch so machen:

Auf dem Motorrad durch den Himalaya: Auf seiner Royal Enfield fährt Jürgen Altmann  (Foto, 51) seit 2009 die steinigen Straßen des Himalayas ab. „Rund 1500 Kilometer. Ausgangsort ist Ladakh“, sagt der Münchner und Gründer der Organisation „Shades of Love“. Ziel ist, Sonnenbrillen in entlegene Dörfer zu bringen. Die Menschen leiden dort durch die starke Sonneneinstrahlung an Augenkrankheiten. Los geht’s heuer Mitte August – mit über 10 000 Brillen im Gepäck.

Vom Schliersee nach Australien mit dem Radl: Gestartet ist Robert Eixenberger  mit seinem Radl am 17. Juli 2015. Vom Schliersee aus ist der 27-Jährige über Österreich, Slowenien, Ungarn, Kroatien, Bosnien, Serbien, Bulgarien, die Türkei, Georgien, Armenien, Iran, Pakistan, Indien, Bangladesch und Myanmar geradelt, um jetzt Australien zu erreichen. Diese lange Fahrt nutzte er, um Spenden für verschiedene Projekte der Plattform www.betterplace.org zu sammeln.

Im Pfefferstreuer um die Welt: Nicht nur einmal hat er auf dieser Tour um sein Leben gefürchtet: Der Pullacher Johannes Burges (Foto, re.) ist mit seinem Freund Wolf Schroen in einem Propellerflugzeug in 80 Tagen durch 20 Länder gereist. Mit „Maggie“, ihrer Propellermaschine vom Typ Mooney, flogen sie westwärts – gegen den Wind. Es war ein riskantes Abenteuer, bei dem sie Stürmen über dem Pazifik trotzten, auf dem gefährlichsten Flughafen der Welt in Bhutan landeten und mit Schmugglern in Papua-Neuguinea um Benzin feilschten. Aber auf einer Runde um die Freiheitsstatue in New York und beim Blick auf die Trauminseln Indonesiens waren diese Strapazen schnell vergessen. Es seien die Gegensätze gewesen, die ihn auf seiner 55 000 Kilometer langen Reise am meisten beeindruckt hätten, sagt Burges: „Mal landen wir in der Einsamkeit Alaskas – und nur eine Woche später in der Mega-Metropole Tokio mit 20 Millionen Einwohnern.“

Seiltanz zwischen den Gipfeln der Welt: Andreas Leib liebt den Nervenkitzel. Auf einem Seil, das zwischen zwei Bergen über eine Schlucht gespannt ist, kriegt er davon genug: Den Obersendlinger zieht es, seit er seine Ausbildung als Koch abgeschlossen hat, immer wieder in die weite Welt – von Neuseeland über Asien bis zuletzt nach Kanada. „Dort habe ich die Leute von SlacklineBC kennengelernt“, sagt er. „Durch sie bin ich das erste Mal über eine Highline gelaufen.“ Bis es soweit war, dass Leib über eine in der Höhe gespannte Slackline laufen konnte, brauchte es viel Training – und Mut: „Eine fünf Meter lange Line, die über dem Boden gespannt ist, läuft sich anders als in der Höhe“, sagt er. „Man geht jedes Mal wieder über seine Grenzen.“ SlacklineBC – eine Gruppe von Leuten, die den Sport in Kanada und den USA vorantreiben wollen – haben Andreas Leib dabei unterstützt und ihn auf eine Tour durch die Staaten mitgenommen. Es ging vom kanadischen British Columbia bis nach Las Vegas, Utah und in den Yosemite Nationalpark. „Ohne eine gute Community kann man den Sport nicht betreiben“, sagt der 23-Jährige. „Auch wenn man auf dem Seil alleine ist, man baut die Lines gemeinsam auf und lernt voneinander – wie beim Mannschaftssport.“ Andreas Leibs nächste Tour ist schon geplant: Im Frühjahr 2017 soll es nach Norwegen und Schweden gehen. Die Slackline natürlich im Gepäck.

Baffin Island-Expedition 2016

Expedition auf die Insel der Inuit: 33 Tage, 340 Kilometer zu Fuß und 15 Seillängen – das ist die Bilanz der Expedition, von der der Münchner Kletter-GuruStefan Glowacz  (li.) und seine Mitstreiter Robert Jasper (re.) und Klaus Fengler jüngst zurückgekommen sind. Die drei Extremsportler machten sich Ende Mai nach Baffin Island im Polarmeer auf. Die Insel liegt oberhalb des kanadischen Festlands gegenüber von Grönland. Über 1000 Meter brechen die bizarren Granitwände senkrecht ins Meer ab. Ohne Hilfe der einheimischen Inuit, dafür aber mit selbstgebauten Multifunktionsschlitten machte sich das Team auf den Weg zu den „Big Walls“ im Sam Ford Fjord (Foto: Klaus Fengler). Dramatisch wurde es, als sich Glowacz durch einen Steinschlag beide Hände verletzte – die Expedition stand kurz vor dem Abbruch. „Aber Robert übernahm die Führungsarbeit alleine und rettete somit unsere Begehung“, sagt Glowacz.

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