Rettendes Ufer in Corona-Zeit

„Münchner Insel“: Leiter geht in Ruhestand – So hoch ist der Beratungsbedarf in Corona-Zeiten

Tilmann Haberer geht nach 15 Jahren als Leiter der Münchner Insel in den Ruhestand.
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Tilmann Haberer geht nach 15 Jahren als Leiter der Münchner Insel in den Ruhestand.
  • Marie-Julie Hlawica
    VonMarie-Julie Hlawica
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Leiter Tilmann Haberer der Beratungsstelle „Münchner Insel“ geht nach 15 Jahre in den Ruhestand. Wie die Pandemie das Seelenleben der Münchner beeinflusst hat. Wer der Nachfolger wird.

Altstadt - Die Münchner Insel ist eine feste Institution: Die Einrichtung unter dem Rathausplatz bietet Menschen in Krisensituationen Beratung und Unterstützung.

Nun geht einer der beiden ökumenischen Leiter, Tilmann Haberer (65), nach 15 Jahren in den Ruhestand, verlässt zum Juli die „Insel“. Rund 12 000 Menschen hat der Pfarrer in dieser Zeit gesehen, „mehr Münchner als Touristen“, bot bei Paar- und familiären Beziehungskonflikten ein persönliches Gespräch und half aus der gröbsten Misere.

„Wir haben das Prinzip der offenen Türe: Wir begrüßen alle, halten niemanden fest.“ Nicht selten sehen und hören Pfarrer Haberer und seine neun Kollegen Klienten zwei-, drei- oder viermal. „Aber“, betont er, „wir sind keine Dauereinrichtung, keine Therapeuten, keine Klinik und verschenken und verleihen kein Geld.“

In der Münchner Insel hört man zu, vermittelt Kontakte und Adressen zur Krisenintervention, mit städtischen oder staatlichen Stellen. „Im ersten Corona-Jahr hatte jedes dritte Erstgespräch die Pandemie zum Thema. Aktuell zeigt sich, dass sie oft ein Auslöser für Paarprobleme ist.“

Corona-bedingt gab es 2020 rund 1000 Erstgespräche weniger: „Derzeit bieten wir nur Telefon- oder fest vereinbarte Termine an.“ Zwei Schicksale sind ihm besonders in Erinnerung geblieben: „Eine alte Dame hatte eine Angststörung, monatelang den Briefkasten nicht geleert und eine Räumungsklage übersehen.

Ab Oktober kommt der Nachfolger von Tilmann

Wir konnten mit der Schuldnerberatung erreichen, dass sie ihre Wohnung behielt.“ Auch ein anderer Fall beschäftigte Haberer sehr: „Ein Soldat verliebte sich unglücklich. Unserer Abmachung, sich zu melden, kam er nicht nach. Ich hatte Angst, dass er zur Waffe greift. Tage später rief er an, hatte sich in eine Klinik eingewiesen.“

Am 1. Oktober tritt der Münchner Norbert Ellinger (57) die „Insel“-Nachfolge an: „Ich war Auslandspfarrer in Rio de Janeiro, Studenten- und Gemeindepfarrer sowie zuletzt Leiter der Telefonseelsorge.

Jetzt freue ich mich, all meine Erfahrungen hier sinnvoll einzubringen.“ Das Besondere an der neuen Aufgabe für den fünffachen Vater: „Ganz nah am Menschen beratend und seelsorgend tätig zu sein.“

Norbert Ellinger wird ab 1. Oktober der neue Leiter der „Münchner Insel“.

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