S’ Münchner Herz schlägt bald nicht mehr

„Jetzt tanzt schon jemand in der Früh für mich“, freut sich Max Spiegl über seinen Großen Morisken. Diese Auszeichnung hat ihm gerade die Würmesia verliehen. Foto: Kowitz

Max Spiegl

(„Uns Münchner wenns ned gaab“) auch einmal im Jahr lautstark Ausdruck. Bei der Benefizaktion „S’Münchner Herz, wias’s singt und klingt“ zeigen seit 1992 Münchner Künstler im Prinzregententheater ihr Können. Doch bald schlägt das Münchner Herz nicht mehr – der 20. Gala-Abend 2012 wird der letzte sein. „Dann höre ich auf“, erklärt das Altstadt-Original, das breite Unterstützung bei der aufwändigen Organisation der Veranstaltung vermisst. Doch viele Münchner danken ihm sein Engagement: Für seine sozialen und literarischen Verdienste wurde er jetzt von der Faschingsgesellschaft Würmesia mit dem Großen Morisken ausgezeichnet. Maren Kowitz Aloisius: Ich bin derzeit noch das Pendant vom Münchner im Himmel auf Erden. Eine Art Aloisius, der den Münchner Grant noch zu Papier bringen kann. Bratwurst Glöckl am Dom: Dort bin ich geboren, habe dort bis zur Zerstörung 1945 gewohnt. Das ist meine Heimat, da feiere ich immer noch meine Geburtstage. CSU: Mein Vater war bei einer Partei und die hat g’langt. Bin mein Leben lang nie zu einem Verein gegangen – und zu einer Partei schon gar nicht. Dom: War als Bub in der Frauenkirche Ministrant und Sängerknabe. Aber in beiden Berufungen war Wmeine Karriere nicht gesichert. Haben vom Turm zu dritt mal 150 Papierflieger losgeschickt – das war ein toller Anblick. Ehrungen sind wie Bomben. Kommen unverhofft und treffen meistens die Falschen. Fasching: Am 11.11. überfällt mich nicht gerade das Ballfieber, aber ich mag den Fasching. Ich bin allerdings ein leidenschaftlicher Parkettschoner. Gemütlichkeit ist die echte Lebensart der Münchner – sei’s beim Essen, Trinken, in der Gesellschaft. Das Gegenstück zur Gmiatlichkeit ist die Schickeria. Hürlimann: Der Karikaturist Ernst Hürlimann hat alle meine Bücher bebildert – wir haben uns gut verstanden, sogar sein Hund Tapsi mochte mich. Wenn ich in den Himmel kumm, such ich mir als erstes den Hürlimann, und dann gibt es himmlische Münchner G’schichten. Irrtümer: Der Münchner Humor ist nicht lauthals und schenkelklopfend, wie viele meinen, sondern er geht leise ins Herz – und von da kommt er auch wieder. Jugend: War früher bestimmt schöner. Ich erinnere mich besonders gerne an den Spritzwagen, der im Sommer durch die Straßen gefahren ist und gegen den Staub und die Hitze in alle Richtungen spritzen konnte. Wenn wir uns an den Straßenrand gestellt haben, haben sie uns die Füße g’waschen. Königstreu: Auf jeden Fall. Denk mir oft, wenn des unser Kini no wissat. Wir sollten uns den Zauber der Sage erhalten. Leuchten: Ich habe „München leuchtet“ 2001 bekommen. Freu mich, dass ich in der Gesellschaft von so würdigen Leuten bin – wie Werner Trollmann, dem ehemaligen Präsidenten der Narrhalla, der gerade mit 65 so plötzlich verstorben ist. Münchner Herz: Den Begriff und das goldene Herz mit den Frauentürmen habe ich geschaffen, damit mein Münchner Herz weiterlebt. Jetzt habe ich den Namen der Wirtsfamilie Steinberg für eine Stiftung für Kinder überlassen. Natur: Die ganze Welt ist schön, aber Bayern hat von der Natur her am meisten zu bieten. Seit meiner zweiten Hüfte sehe ich die Berge leider nur noch von unten. Originale: Der Wiesnwirt Hermann Haberl hat mal gesagt: „Münchner Originale gibt’s scho no, aber ihr habt’s einen großen Fehler – ihr seid’s zu wenig.“ Prinzregententheater: Traditionsreiches Theater, in dem heuer im 19. Jahr „S’Münchner Herz, wia’s singt und klingt“ stattfindet. Mit diesem Benefizabend sammle ich Geld für den Bayerischen Blindenbund. Aber 2012 wird die 20. Veranstaltung die letzte sein. Quasselstrippe: Die Ratschkathl ist das weibliche Pendant zum Münchner Grantler. Rathaus-Tugenden: Am Rathaus-Eingang beim Fischbrunnen stehen vier Figuren, die heute fast keiner mehr kennt, obwohl sie so wichtig wären. Sie repräsentieren Gewerbefleiß, Häuslichkeit, Bürgertum und Mildtätigkeit. Schreiben: Zum Schreiben kam ich, als mich ein Achillessehnen-Riss zum Pausieren zwang. Ich hab beim damals ruhmreichen FC Wacker Fußball gespielt. Während meiner Zwangspause habe ich für den St. Pauls-Anzeiger die Fußballberichte geschrieben. Tracht: Das alte Münchner Gwand wird irrtümlich als Tracht bezeichnet, aber der Münchner kennt keine Tracht. Uns Münchner wenns ned gaab..., dann wär’s ois gar nix. Das ist das Fazit meiner vierteiligen Buchreihe, die ich so genannt habe. Valentin: Ich habe von Gudrun Köhl, der ehemaligen Leiterin des Valentin-Musäums, den Karl Valentin-Taler für „Schönster Blödsinn des Jahres“ bekommen. Für echte Wollwürst’ aus Wolle. Wiesn: Das schönste aller Vergnügen. Als echter Münchner weiß man, wo man hingehen muss und wann. Am liebsten gleichzeitig ins Augustiner zum Trinken und in die Ochsenbraterei zum Essen. Xundheit ist das Wichtigste, das wir uns und allen Freunden wünschen. Solang der liebe Gott ein Auge drüber hält, fehlt sich nix. Yoga ist schön anzuschauen und beruhigend sowie nervenschonend, aber für mich kommt’s zu spät. Zither: Ein Zitherspieler aus dem Chiemgau hat mir und meiner Frau Rita einen eigenen Walzer komponiert. Er hat ihn „Die zwei Herzen“ getauft. Zwischen den Jahren war die Premiere.

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