200 Jahre Münchens Dom

Vor 750 Jahren: Marienkapelle wird zur zweiten Pfarrgemeinde Münchens – heute steht dort die Frauenkirche

Frauenkirche feiert Jubiläum: Bis heute ist Münchens größte Kirche noch immer – neben Wahrzeichen, Grablege und Dom – auch Pfarrkirche.
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Frauenkirche feiert Jubiläum: Bis heute ist Münchens größte Kirche noch immer – neben Wahrzeichen, Grablege und Dom – auch Pfarrkirche.
  • Kassandra Fischer
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Münchens größte Kirche feiert dieses Jahr gleich zwei Jubiläen. Wie die Marienkapelle zur Frauenkirche wurde und welche alten Schätze sich immer noch im Dom befinden.

Altstadt - Sie ist das Wahrzeichen Münchens, weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt – die Frauenkirche.

Heuer jähren sich gleich zwei einschneidende Ereignisse in der Historie des berühmten Gebäudes: Seit 200 Jahren ist die Kirche Münchens Dom, am Mittwoch, 24. November, ist es zudem 750 Jahre her, dass sie – damals noch die Marienkapelle – zu Münchens zweiter Pfarrkirche erhoben wurde.

„Bis dahin hatte München mit der Peterskirche nur eine Pfarrkirche“, erklärt Roland Götz, stellvertretender Direktor von Archiv und Bibliothek der Erzdiözese München und Freising.

„Die Gemeinde war damals so groß, dass sie nicht mehr von einem Pfarrer versorgt werden konnte.“ Deshalb zog man 1271 ganz pragmatisch entlang der Hauptstraße eine Linie vom Isar- bis zum Karlstor.

Alles nördlich davon gehörte fortan zur neuen Pfarrei, die ähnlich wie St. Peter auf einer kleinen Anhöhe ihren Platz hatte. Auch ein zweiter Pfarrfriedhof wurde dort geschaffen. Die Gliederung Münchens in diese beiden Pfarreien blieb dabei bis ins 19. Jahrhundert hinein gleich.

Roland Götz zeigt einen Grundriss der Frauenkirche. Mit Blau eingezeichnet: die Mauern der Vorgängerkirche.

Der Vorgängerbau der heutigen Frauenkirche stammte aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. „Nach etwa 200 Jahren war diese jedoch zu klein und wurde vielleicht als nicht mehr so repräsentativ empfunden“, erklärt Götz.

Im Februar 1468 begann man deshalb, eine neue und größere Kirche um die Marienkapelle herum zu bauen. „So konnte man in der alten Kirche noch möglichst lang Gottesdienste feiern.“

In den 1490er-Jahren war die neue Kirche fertig, die alte inzwischen abgerissen. Bilder oder Zeichnungen von ihr gibt es heute keine mehr. „Beim Wiederaufbau des zerstörten Doms nach Ende des Zweiten Weltkriegs hat man aber den Grundriss entdeckt“, erklärt Götz.

Die gravierendste Veränderung war die Größe: Fast doppelt so lang und eineinhalb Mal so breit ist die heutige Kirche. Wie die Aktuelle hatte auch die Marienkapelle zwei Türme. „Das braucht eigentlich keine Kirche“, gibt Götz zu. Vielmehr sei es um Repräsentation gegangen.

Im Vergleich zur Marienkapelle ist die heutige Frauenkirche fast doppelt so lang und eineinhalb Mal so breit.

Schließlich war der damalige Herzog eng mit der Kirche verbunden: Sie war auch die Grabstätte des Wittelbacher Geschlechts. Dass ihre Türme heute ein Symbol für München sind, glaubt Götz, „war genau das, was man mit dem Neubau erreichen wollte: eine Kirche, die Eindruck macht – und das schon von Weitem.“

Bis heute ist Münchens größte Kirche noch immer – neben Wahrzeichen, Grablege und Dom – auch Pfarrkirche. Von den Mitgliederzahlen her ist sie dabei mit ein paar hundert Personen die kleinste Gemeinde. Und dennoch: der Dom zu Unseren Lieben Frau – so der offizielle Name – ist nicht wegzudenken.

Alte Schätze im neuen Dom

Einige Elemente des heutigen Doms stammen noch aus der Marienkapelle. „Man hat versucht, alte und wertvolle Sachen zu übernehmen“, erklärt Roland Götz. So gibt es noch heute mittelalterliche Fenster, zumindest in Teilen.

Das Tafelbild des Kreuzaltars, manche der Glocken sowie die Christusfigur neben dem Lesepult sind ebenfalls noch aus der Vorgängerkirche. Letztere stammt aus dem 14. Jahrhundert und war bereits 100 Jahre alt, als er in die neue Kirche einzog.

Das wohl wichtigste Stück, das von der alten in die neue Kirche umgezogen ist, war allerdings der Hochaltar. „Der ist leider komplett verschwunden“, bedauert Götz.

Die Christusfigur stammt aus dem 14. Jahrhundert und war bereits in der Vorgängerkirche der Frauenkirche.

Wenn der Wind mal wieder um den Dom fegt...

Der Abdruck eines menschlichen Fußes, an der Ferse ein Sporn – der sogenannte Teufelstritt – ist am Boden der Eingangshalle des Münchner Doms zu sehen. Um ihn ranken sich zahlreiche Sagen. Denn der Neubau der heutigen Frauenkirche dauerte bloß 20 Jahre. „Das war für die damalige Zeit sehr schnell“, erklärt Roland Götz.

Eine Variante besagt, dass der Baumeister dafür einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hat. Die Bedingung: eine fensterlose Kirche. Vom „Teufelstritt“ aus ist lediglich das große Fenster hinter dem Altar sichtbar. „Und zu Barockzeiten stand dort ein Hochaltar, der das Fenster verbarg“, so Götz.

Der Abdruck eines menschlichen Fußes, an der Ferse ein Sporn – der sogenannte Teufelstritt – ist am Boden der Eingangshalle des Münchner Doms zu sehen.

Aus Freude hat der Teufel dort auf den Boden gestampft. Nach ein paar Schritten in die Kirche stellte sich jedoch heraus: Es gibt sehr viele und große Fenster an der Seite. „Der Teufel tobt noch heute um die Kirche, sagt man sich – wenn der Wind um das Gebäude fegt“, erklärt Götz schmunzelnd.

Tatsächlich ging der Bau allerdings so schnell, weil die Kirche sehr schlicht und kostensparend aus Ziegeln geschaffen wurde“, schiebt Götz hinterher. 

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