Münchens letzte Mühle

Ein Stück Stadtgeschichte und bayerische Kultur: Die Blums verarbeiten Getreide am Platzl

Altstadt Am 9. Oktober läuft der Film „Krabat“ in den Kinos an. In der berühmten Kindergeschichte von Otfried Preußler spielt eine abgelegene Mühle am Koselbach die Hauptrolle. Windräder und weitläufige Wiesen wird man in der Münchner Altstadt nicht finden. Trotzdem gibt es in der Neuturmstraße am Platzl die letzte Mühle Münchens: Die Hofbräuhaus Kunstmühle steht seit 1703. „Bis 1878 war es die Königliche Malzmühle, die das Malz für das alte Hofbräu-Bier gemahlen hat“, erklärt Stefan Blum (50), der die Mühle jetzt leitet – in der vierten Generation. Sein Urgroßvater Jakob hatte die Mühle – mittlerweile eine Mehlmühle – in der Neuturmstraße 1921 gekauft. Seitdem gab es Auf und Abs: „Wir haben den Krieg unbeschadet überstanden, aber 1967 haben wir mit dem U-Bahnbau die Bäche und somit unsere Wasserkraft verloren“, erzählt Blum. „In den Siebziger Jahren haben wir schon gedacht, wir können die Mühle nicht mehr halten – deswegen habe ich Jura studiert...“ Doch das neue Konzept der Mühle, Spezialitätenmehl zu produzieren und Nischen zu finden, hat sich ausgezahlt: „Wir beliefern alle bekannten Italiener in München mit unserem speziellen Pizzamehl und machen auch das Mehl für Brot und Brezn auf der Wiesn“, so Blum. Ansonsten deckt die Mühle ungefähr sieben Prozent des Mehlbedarfs von München ab, die vier Müller produzieren rund 6000 Tonnen im Jahr. „Ein Betrieb wie Rosenmühle in Landshut produziert 200 000 Tonnen im Jahr – damit können wir nicht konkurrieren“, sagt Blum. Deswegen konzentrieren er und seine Frau Martina sich auf Nischen – und ihr weiteres Standbein, den Mühlenladen, in dem auch Nudeln, Müsli und Mehlmischungen in kleineren Mengen angeboten werden. Ihr Getreide beziehen die Blums von den Landwirten der Umgebung: „Die kommen dann mit ihren Traktoren in die Neuturmstraße und laden ab“, erzählt der 50-Jährige. Dort wird das Getreide dann in den Walzen in vielen Arbeitsschritten zerkleinert und auf dem Plansichter sortiert, das Mehl ausgesiebt. „Kunstmühle heißen wir wegen der komplizierten Apparatur.“ Dabei sind einige Maschinen, die werktags 24 Stunden in Betrieb sind, noch von 1921: „Aber die wurden bis in die 80er-Jahre gebaut, sind also nicht veraltet.“ Das Geschäft lebt immer noch vom Herzblut der Familie: „Mein Vater ist 79, schaut aber fast jeden Tag noch vorbei“, so Blum. „Und die Älteren unserer sechs Kinder helfen auch schon fleißig mit." Maren Heußler

Auch interessant:

Meistgelesen

Baby sperrt sich selbst im Auto ein - über den Zufall schmunzelt selbst die Feuerwehr
Baby sperrt sich selbst im Auto ein - über den Zufall schmunzelt selbst die Feuerwehr

Kommentare