Von A bis Z mit Sebastian Goller

P1 expandiert auch in München – Die Zukunft der Kultdisco

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Sebastian Goller (35), Geschäftsführer des P1.

Der junge P1-Chef über die Pop-Up Filiale in Kitzbühel, böse Gerüchte und geheime Bar-Pläne in der City...

Das P1 ist die wohl berühmteste Disco in München. Auch über die Stadtgrenzen hinaus ist die wohl "härteste Tür Deutschlands" bekannt. Sebastian Goller leitet das P1 als Geschäftsführer.

Seine Eltern, Franz Rauch und Nora Goller, haben Münchens Promi-Disco mit Michi Käfer vor 35 Jahren groß gemacht. Zu ihrer Hochzeit nach 30 Jahren wilder Ehe übernahm ihr Sohn Sebastian Goller 2014 die Geschäftsführung des Clubs, in dem er aufgewachsen ist. 

Schon als Kind hat er auf der Tanzfläche im P1-Club gespielt, ist auf der Terrasse mit Freunden geskatet. Nach einer Hotelfachlehre, seinen Stationen in London und der Schweiz bekam Goller Heimweh nach dem „Oanser“. 

Warum das P1 im Nobel-Skiort startet, wie er mit schlechter Presse umgeht und welchen Gast er gerne begrüßen würde, verrät er Hallo im Interview.

Marie-Julie Hlawica

P1-Geschäftsführer Sebastian Goller (35) von A bis Z

ABBA mit ihrem Song „Gimme Gimme Gimme“ ist einer der ältesten Klassiker auf unserer Playlist, die zum Beispiel an Weihnachten nicht fehlen dürfen. Bei „I love Engtanz“ spielen wir ausschließlich Schmuselieder.

Bevorzugt wird im P1 niemand mit seiner Kleidung oder seinem Aussehen, nur an Motto-Tagen gilt ein empfohlener Dress-Code. Grundsätzlich ist jeder Gast willkommen, der feiern und tanzen möchte. Pöbeln oder Bestechung hilft aber nichts.

Chizzo in Kitzbühel bekommt einen P1-Ableger, als Pop-Up-Club bis Ostern. Die Betreiber haben uns gefragt, ob wir ihre Kellerbar im Winter übernehmen wollen. Am 7. Dezember geht’s los, nur 200 Leute passen rein, deshalb wird das eine recht exklusive Tür.

Dress well – be nice: Das ist unser Motto. Unsere Tür ist nicht hart, sondern streng.

Elektronische Musik und HipHop – das ist der Musik-Stil der bei uns meistens gespielt wird. Ich achte auf globale Trends, da entwickelt man sich immer weiter. Die DJs heute sind doch die Rockstars der Neuzeit.

Familie steht an erster Stelle. Wir arbeiten zusammen und machen einmal im Jahr einen Monat gemeinsam Urlaub – meine Mutter, mein Vater, wir drei Kinder. Dann geht es nach Brasilien, zum Surfen, Windsurfen und einfach zusammen sein.

Gerüchte: gab es in den 70 Jahren unseres Bestehens viele – aber fast alle Gerüchte über uns sind falsch. Es existiert zum Beispiel keine Liste auf der wir Personen notieren, die hier nicht rein dürfen.

Hausverbote: Verteilen wir etwa hundert im Jahr. Zur Wiesn gibt es überdurchschnittlich viele, alkoholbedingt. An Weihnachten weniger. Da mag es jeder besinnlich.

Idee auch einen Club in Berlin aufzumachen ist da, auch die Lust dazu. Für die Suche möchte ich mir Zeit nehmen, damit alles passt – vom Haus, bis zur Lage. Ich schaue mir das nächstes Jahr mal genauer an, wenn Kitzbühel funktioniert hat.

Jagger würde ich heute gerne als Gast begrüßen, den jungen Mick. David Guetta ist immer willkommen. Ich habe aber keinen Lieblings-Künstler. Ich mag Leute, die mit ihrer Persönlichkeit überzeugen.

Kinder habe ich selbst noch keine. Aber meine Eltern haben gezeigt, dass Eltern-sein und Clubchef-Leben funktioniert. Mein Vater hat mit Michael Käfer das P1 1984 übernommen – ich habe als Kind oft hier gespielt.

Leute sind im P1 meist zwischen 18 und 50, aber es gibt keine echte Altersgrenze. Auch wer mit 70 noch feiern will, ist willkommen. Die Jungen bewundern die Älteren auf der Tanzfläche doch!

Mieten kann man das P1 auch privat, wochentags kann man drüber reden, das bewegt sich im Bereich einer 5-stelligen Summe. Wir können auch tagsüber öffnen. Aber das hat noch nie jemand angefragt.

Neubau brauchen wir nicht. Als langjährige Mieter im Haus der Kunst gehört das P 1 seit 70 Jahren hierher, ist zeitweise vom linken auf den rechten Seitenflügel gewechselt. Zum Haus der Kunst haben wir ein gutes Verhältnis, ich war in jeder Ausstellung und freue mich auf den neuen Chef Lissoni.

Originale: Besondere Gäste, einzigartige Originale wie Designer Papis Loveday, der sich selbst inszeniert, werden in München weniger.

Peinlich wurde es für mich, als ich mit Freunden auf der Terrasse vom P1 mit unseren Boards geskatet bin – und mich der damalige Türsteher Klaus Gunschmann nicht erkannte, sondern laut vom Platz verwiesen hat.

Qualität ist wichtig, um Bestand in der Clubszene zu haben. 1000 Menschen passen ins P 1. Zehn Resident-DJs und rund 60 freie Mitarbeiter kümmern sich um sie. Personalprobleme kennen wir keine.

Ruhelos? Bin ich nicht, ich kann gut abschalten. Aber ich mag das Nachtleben, möchte selbst gerne bis ins hohe Alter ausgehen. Meine Eltern haben mir das vorgelebt.

Schlechte Presse freut einen nie. Aber wenn man weiß, dass man gut arbeitet, prallt es leichter ab.

Telefon ist aus, während ich schlafe. Wenn ich im Laden arbeite, gehe ich morgens um halb sieben ins Bett, sonst um Mitternacht. Wenn Prominente im P1 waren, schreiben es mir Mitarbeiter per What’s App.

Unbedingt besuchen sollte man unser Sommerfest auf unserer Terrasse. Jedes Jahr gibt es ein Make-Over, 2020 sind neue Möbel dran.

Vater-Sohn-Team funktioniert. 2013 habe ich nach meiner Hotelfachlehre in London und Berlin Heimweh bekommen und wollte mit ins P1 einsteigen. Seitdem bin ich Geschäftsführer und mehr für die Technik zuständig.

Was macht einen Stammgast aus? Er sollte für ein gutes Jahr wöchentlich mehrmals ins P 1 kommen, mitfeiern, positiv auffallen. Die persönliche Flasche gibt es auch noch immer, sie wird dann bis zum nächsten Besuch an der Bar aufbewahrt.

X-mas ist ein tolles Fest bei uns, , ich freue mich jedes Jahr darauf. Es kommen viele Heimkehrer, Stammgäste in der zweiten, dritten Generation: Väter, Mütter, Kinder, Enkelkinder.

Young Generation checkt erst, ob bei uns was los ist, wer schon da ist und geben es im Netz weiter. Wenn es zwischen Mitternacht und eins voll ist, kommen sie alle hierher.

Zukünftig wird es eine P1-Bar im Münchner Stadtzentrum geben, es gibt schon eine Location. Januar 2020 ist anvisiert, einen genauen Eröffnungstag weiß ich aber noch nicht.

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