Braucht eine Ziege Gesellschaft?

Streit um Zwergziege Hui Buh – Das Gericht hat entschieden

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Zwergziege in den Armen seiner Besitzerin.

Ziegen sind Herdentiere, ja. Aber was, wenn sie „neurologische Ausfälle“ haben? Ist dann eine Einzelbetreuung nötig? Mit dieser Frage befasste sich nun das Verwaltungsgericht in München.

Update 18. September

München – Der bizarre Streit um eine Zwergziege ist entschieden - zumindest vorerst: Der kleine Bock Hui Buh bleibt auf einem Gnadenhof und darf nicht zu seinen ursprünglichen Besitzern zurückkehren. 

Das entschied das Verwaltungsgericht München am Mittwoch. Der Vorsitzende Richter stützte seine Entscheidung vor allem auf ein Haltungs- und Betreuungsverbot für Tiere, das gegen die klagende Frau und deren Mutter verhängt worden war: „Sie durften damals gar keine Tiere mehr halten“, sagte er.

 Auf den Vorschlag der Frauen, der Familienvater könne die Haltung des Tieres übernehmen, ging das Gericht nicht ein.

Hui Buhs aktueller Pfleger auf dem Gnadenhof, Gerd Walther, begrüßte das Urteil: „Ich denke, dass es ihm bei uns besser geht.“ Zuvor hatten Vertreter des Landratsamtes ausgeführt, dass die Einzelhaltung dem kleinen Tier geschadet habe. 

Er zeige ein „auffälliges, auf den Menschen geprägtes Sexualverhalten“ und versuche auf dem Gnadenhof, die Tierpfleger zu bespringen. Das mache er nur, wenn er Stress habe und es ihm nicht gut gehe, betonte dagegen die Klägerseite.

Die frühere Besitzerin Magdalena Anders kämpfte nach dem Urteil mit den Tränen. „Mit dem Urteil geht es mir nicht gut, weil ich weiß, wie er aussieht und wie es ihm geht“, sagte sie und kündigte an, gegen die Entscheidung vorzugehen: „Aufgeben werden wir definitiv nicht.“ 

Allerdings räumte selbst ihre Anwältin ein, dass die Chancen dafür eher schlecht stehen. Den Beschluss des Amtes, das Tier wegzunehmen, nannte sie dennoch völlig unverhältnismäßig. 

„Wenn jedes Landratsamt so handeln würde, hätte kein Bauer mehr eine Kuh im Stall.“

Eine andere Ziege als Hui Buh kommt für Magdalena Anders indes auf keinen Fall infrage: „Es geht nur um ihn.“

Quelle: dpa/Iby/jh

Dienstag, 17. September

München – Wenn Elisabeth Anders an ihren Hui Buh denkt, muss sie weinen. „Er war ein richtiges Familienmitglied“, sagt sie und schluchzt. „Er war unser Lebensinhalt.“

Hui Buh ist ein kleiner Zwergziegenbock, benannt nach dem gleichnamigen Schlossgespenst, inzwischen rund anderthalb Jahre alt - und nicht mehr da. 

Landratsamt München hat der Familie die kleine Ziege weggenommen

Der Grund: nicht-artgerechte Haltung.  Eine Ziege, so die Auffassung, braucht die Gesellschaft anderer Ziegen.

Wahrscheinlich hätten die Behörden gar nichts von der Existenz des kleinen Tieres erfahren - wäre Hui Buh nicht regelmäßig Auto gefahren. Das Amt wurde auf den Ziegenbock aufmerksam, als er mit Mutter und Tochter Anders durch die Gegend fuhr, sitzend auf dem Schoß der Beifahrerin. 

Das Armaturenbrett war mit Heu ausgelegt 

So heißt es in der Terminankündigung des Verwaltungsgerichtes München.

Das beschäftigt sich nämlich an diesem Mittwoch mit Hui Buh und der Frage, ob eine Ziege zwangsläufig tierische Gesellschaft braucht oder auch mal Einzelbetreuung angesagt ist. 

Denn die 55-jährige Elisabeth Anders und ihre 29 Jahre alte Tochter Magdalena fordern das Tier zurück, das sich derzeit auf dem Gnadenhof Gut Streiflach in Germering bei München befindet.

„Wir hoffen, dass es ihm gut geht“

Er sieht zumindest gut und fidel aus. Auf dem Gnadenhof hat Hui Buh - dort Bubo genannt - ein großes Gelände, auf dem er sich frei bewegen kann. Es gibt Steine und Hügel zum Klettern. 

Zu seinem Pfleger Gerd Walther hat er ein inniges Verhältnis, mit seinen Artgenossen versteht er sich allerdings weniger gut. Der kleine Bock hat es schwer bei den anderen Ziegen. Sie akzeptieren ihn nach Angaben des Gnadenhofes nicht - weil er vorher falsch gehalten wurde.

Laut Deutschem Tierschutzbund sind Ziegen „sehr neugierige Herdentiere, die gerne ihre Umgebung erkunden und unbedingt Auslauf und Möglichkeiten zum Klettern, Springen und zur Beschäftigung benötigen“.

Hui Buh war wohl eher Hund als Ziege

Er lebte mit im Haus. Wenn es draußen ungemütlich wurde, trug er eine kleine Jacke. Elisabeth Anders ist sicher, dass es anders nicht ging: „Er musste ja versorgt werden“, sagt sie.

„Wir haben den Kerli mit der Hand aufgezogen, weil er so früh auf die Welt kam. Wir haben ihn am Anfang nur rumgetragen. Meine Tochter hat mit ihm Laufen geübt.“

Hui Buhs Mutter habe ihn verstoßen, er habe „neurologische Ausfälle“ gehabt und nicht selbstständig gefressen. „Er hat nur Milch und Wasser aus der Flasche getrunken, bis er ein Jahr alt war.“ Ohne sie und ihre Tochter, da ist die 55-Jährige sicher, wäre er gestorben.

„Wir haben ihn durchgebracht.“ 

Ob das so ist und ob die kleine Ziege vielleicht wieder zurückkehren kann in die Familie, muss das Verwaltungsgericht nun entscheiden. Die Klägerinnen haben allerdings bei den Behörden nicht den allerbesten Ruf. Auch die anderen Ziegen, die sie einst hatten, sind inzwischennicht mehr da. 

Das Landratsamt Dachau hat den Klägerinnen nach Gerichtsangaben das Halten und Betreuen von Paarhufern untersagt.

Quelle:dpa/jh

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