Wandel im Hackenviertel

Existenz vor dem Scherbenhaufen – Aus für das „Glashaus“ nach 32 Jahren

Im „Glashaus“ : Peter und Ljiljana Ozols müssen ihren Laden in der Josephspitalstraße aufgeben.
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Im „Glashaus“ : Peter und Ljiljana Ozols müssen ihren Laden in der Josephspitalstraße aufgeben.

Das Aus für das "Glashaus" ist ein Beispiel von vielen. Die Kunden werden weniger und die Mieten teurer. Für viele kleine Geschäfte ist die Zukunft ungewiss...

Altstadt – „Die Kündigung war für uns ein Schock und es gibt Stammkunden, die weinen“, sagt Peter Ozols (60), Inhaber des Ladens „Bottles & Glashaus“ in der Josephspitalstraße. Glasstrohhalme, Flaschen und Karaffen, Vasen, Gläser, Murmeln – wer danach suchte kam hierher. Jetzt, nach 32 Jahren, schließt das Geschäft für immer. Der Mietvertrag endet am 29. Februar. 

Das Haus aus den 60er-Jahren wurde verkauft, wird nun zwei Jahre lang modernisiert. Der private Eigentümer will das Dachgeschoss mit Dachterrasse veredeln. Die Veränderung der Grundrisse, eine Galerie und veränderte Gewerbeflächen wurden vom Planungsreferat genehmigt. „Die neue Miete könnten wir uns nicht mehr leisten“, bedauert Ozols. Derzeit zahle er eine mittlere vierstellige Summe an Miete. 

Die Zukunft ist für ihn, seine Familie und Angestellte ungewiss: „Wenn wir zumachen ist unser Lebenswerk praktisch weg. Wir haben alles Ersparte in den Laden gesteckt. Klar ist: In Rente gehen können wir nicht.“ 

Der Fall „Glashaus“ – beispielhaft für das Hackenviertel und die Altstadt

Carla Kirmis von der IHK bestätigt den Wandel: „Wir beobachten strukturelle Änderungen und eine flächendeckende Filialisierung. Diese Händler können sehr hohe Kosten tragen.“ Inhabergeführte Geschäfte wie das „Glashaus“ tun sich damit schwer: Über ein Jahr hat Ozols nach einem anderen, bezahlbaren Ladengeschäft in der Nähe gesucht. Unmöglich: „20 000 Euro für 80 Quadratmeter wie in einem Innenhof der Sendlinger Straße – das ist mit unserem Sortiment nicht zu finanzieren.“ Denn auch die Kunden im Hackenviertel werden weniger: „Viele meiden es wegen der ständig wechselnden Baustellen und fehlenden Parkmöglichkeiten, kaufen im Internet.“ 

Wolfgang Fischer von der Vereinigung CityPartner München bedauert das Aus für den Laden: „Es ist ein wirklich einzigartiges Geschäft und Herr Ozols hat sich als Inhaber immer auch für das Quartier engagiert.“ 

Wolfgang Fischer von CityPartner.

Der Wandel werde im Hackenviertel spürbar. „Dabei haben wir schon seit Jahren zahlreiche Vorschläge für eine bessere Ausschilderung, eine attraktivere Gestaltung der Straßen und des Platzes am Radspielerbrunnen, Fahrradabstellmöglichkeiten und eine bessere Beleuchtung des wunderbaren Altstadtviertels gemacht – aber selbst die scheußliche Straßenbeleuchtung mit Seilüberspannungen hängt immer noch“, so Fischer. 

Auch Qemail Osmani sorgt sich. Er betreibt den über achtzig Jahre alten Schuhmacherbetrieb gegenüber vom „Glashaus“. Auch sein Mietvertrag läuft in einem Jahr aus: „Wenn die Mieten hier im Viertel weiter steigen, kann sich das bald niemand mehr leisten.“ 

Marie-Julie Hlawica

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