Ersatzfamilie auf Eis

Auszeichnung bekommen, aber Corona-Pause für Juno

Bei Juno lernen geflüchtete Frauen boxen – und zahlreiche andere Sportarten.
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Bei Juno lernen geflüchtete Frauen boxen – und zahlreiche andere Sportarten.

Der Münchner Verein Juno wurde mit dem Integrationspreis ausgezeichnet. Bildungs- und Sportprogramme müssen während Corona pausiert werden - das schmerzt.

Eine fremde Sprache, ein fremdes Land. Völlig alleine und hunderte Kilometer weit weg von der Heimat – gerade für geflüchtete Frauen ist der Anschluss oft nicht einfach. Der Verein Juno (siehe Kasten) bietet deshalb Sportangebote an. Jetzt wurde er dafür mit dem Oberbayerischen Integrationspreis in der Kategorie Sport ausgezeichnet und erhält 1150 Euro.

Dass wegen Corona derzeit fast nichts von den Angeboten stattfinden kann, sei jedoch fatal: „Für die Frauen ist das eine Katastrophe“, berichtet Britta Coy (Foto), Leiterin des Vereins. „Beim Sport ist es leicht, ins Gespräch zu kommen. Man lacht und das erste Eis ist gebrochen.“ Die Angebote sind vielseitig und richten sich an Frauen aller Altersklassen: von Schwimmen über Klettern bis hin zu Boxen ist alles Mögliche dabei.

Münchner Verein Juno: Zwangspause schwächt Sport- und Bildungsangebot

„Wir schauen auch, was die Frauen gerne machen wollen“, so Coy. Auf Wunsch habe man beispielsweise Radeln angeboten. „Das durften viele zuhause nicht.“ Gerade das Radfahren bedeute für die Frauen aber einen wichtigen Schritt in die Selbstständigkeit. Das Boxprojekt war hingegen eine Idee der Ehrenamtlichen. „Da waren die Frauen zunächst skeptisch.“ Ohne Corona findet es inzwischen wöchentlich statt – gemeinsam mit dem Mariposa Boxing Club, der die Trainer stellt. Den Frauen mache das großen Spaß, außerdem stärke es ihr Selbstbewusstsein.

Sport ist jedoch nur ein Schwerpunkt von Juno. Immer dienstags findet normalerweise das Frauen-Café im Bellevue di Monaco statt. Geflüchtete Frauen und Münchnerinnen treffen sich dort in einer unverfänglichen Atmosphäre, kommen ins Gespräch, lernen sich kennen. „Das Schöne an Juno ist die herzliche Atmosphäre. Viele sagen, für sie ist das so etwas wie eine Ersatzfamilie.“ Außerdem gibt es Ausflüge, Beratungen, Nachhilfe, Weitervermittlungen oder auch Workshops.

Aktuell sind lediglich kleinere Treffen im Bildungsprogramm möglich, man erreiche dabei nur einen Bruchteil der Frauen. „Das ist schlimm, gerade für die, die sonst wenige Kontakte haben.“ Dennoch gibt es bereits Pläne für das kommende Jahr: Juno will Anti-Rassismus-Trainings in Schulen und Unternehmen anbieten. „Wir schicken dann Tandems bestehend aus Münchnerinnen und geflüchteten Frauen“, so Coy. Ein paar Probeläufe gab es schon. „Im Frühjahr soll es dann richtig losgehen.“

Über den Verein

Juno ist ein Teil des Vereins für Fraueninteressen, der bereits 1894 gegründet wurde. „Die Idee dafür entstand 2015 während der Flüchtlingskrise“, erinnert sich Leiterin Britta Coy. „Damals gab es keine Angebote nur für Frauen.“ Man wollte etwas anbieten, bei dem Münchnerinnen und Geflüchtete auf Augenhöhe zusammenkommen. Insgesamt 250 Frauen sind heute dabei – und ständig kommen neue dazu. Freiwillige hat Juno etwa 120. Der Verein erhält finanzielle Unterstützung durch die Stadt, das bayerische Innenministerium, verschiedene Stiftungen und Spendengelder. 

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