„In Zeiten des Klimawandels ist es ein Wahnsinn“

Schwabinger Hinterhof-Oase in Gefahr: Anwohner wehren sich gegen die Bebauung ihres Innenhofes

Niklas Jansen, Hans Parfuß, Bettina Schopis, Bettina Falkenberg, Annemarie Ehling und Martin Schwarz (v. li.) kämpfen für den Erhalt einer kleinen Hinterhof-Oase in Schwabing.
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Niklas Jansen, Hans Parfuß, Bettina Schopis, Bettina Falkenberg, Annemarie Ehling und Martin Schwarz (v. li.) kämpfen für den Erhalt einer kleinen Hinterhof-Oase in Schwabing.

Der Hinterhof der Herzogstraße 84 soll bebaut werden. Was der Eigentümer dort plant, warum Anwohner das verhindern wollen, wie der Bezirksausschuss zur Nachverdichtung steht. 

  • In Schwabing ist derzeit eine grüne Hinterhof-Oase in Gefahr. 
  • Dort soll ein Studentenwohnheim entstehen. 
  • Anwohner wollen lieber die Bäume schützen. 
  • Auch der Bezirksausschuss lehnt Vorhaben jetzt ab

Schwabing-West - Jahre alte Bäume, eine Hauswand voller Efeu, ein Kinderspielplatz – die Bewohner der Apianstraße 8 fühlen sich wohl in ihrem begrünten Hinterhof. Dieser könnte jedoch bald Geschichte sein. Denn es liegt ein Bauantrag vor, der dort den „Neubau eines Studentenwohnheims mit neun Appartements“ sowie „Errichtung eines Durchgangs mit Verkleinerung einer Gewerbeeinheit“ in der Herzogstraße 84 vorsieht, sagt Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats. 

Studentenwohnheim statt Bäume: Hinterhof soll bebaut werden 

Bereits vergangenes Jahr haben die Anwohner in der Bürgerversammlung als Reaktion auf den damaligen Vorbescheid zwei Anträge zur Verhinderung eines solchen Vorhabens gestellt. Beide Anträge wurden angenommen, passiert ist jedoch nichts. „Wir haben nach Monaten einen gleichlautenden Zwischenbescheid bekommen – das war alles“, berichtet Antragstellerin Bettina Schopis. Auch eine Unterschriftenaktion wurde damals gestartet. 2000 Münchner haben unterschrieben. „Das Entsetzen über das unsinnige Bauvorhaben war riesengroß“, erinnert sich Schopis. „In Zeiten des Klimawandels ist es ein Wahnsinn, so viele Bäume zu töten.“ Seit den 1980ern besteht eine gemeinsame Hinterhofnutzung der Bewohner der Herzogstraße 84 und der Apianstraße 8. 

„Das ist ein Witz. Die Bäume werden nie wieder so groß.“

„Die Bäume wurden damals im Rahmen eines Projekts von ‚Urbanes Wohnen’ gepflanzt“, berichtet das Vereinsmitglied Bettina Falkenberg. Dass diese Bäume jetzt weichen sollen, ist auch für sie unbegreiflich. Zwar würde es Ersatzpflanzungen geben, doch die Anwohner sind sich einig: „Das ist ein Witz. Die Bäume werden nie wieder so groß.“ Durch das Bauvorhaben sei außerdem die mit Efeu bewachsene Wand sowie dort lebende Fledermäuse und Mauersegler in Gefahr. „Das Vorhaben wird aktuell seitens der Unteren Bauaufsichtsbehörde, Naturschutzbehörde und Denkmalschutzbehörde geprüft“, erklärt Trömer auf Hallo-Anfrage. In der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses erhielten die Anwohner die Unterstützung des Viertelgremiums. Die Linke/ÖDP hat dort einen Antrag gestellt, der darauf abzielt, „die unsinnige Nachverdichtung“ an dieser Stelle zu verhindern. Die Viertelvertreter haben diesen einstimmig angenommen. 

Kassandra Fischer

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