BA-Chefinnen kritisiert das Vorhaben

München: Ein einklappbares Homeoffice - 142 neue Eigentumswohnungen entstehen an der Infanteriestraße

An der Infanteriestraße sollen 142 Eigentumswohnungen entstehen.
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An der Infanteriestraße sollen 142 Eigentumswohnungen entstehen.
  • Kassandra Fischer
    vonKassandra Fischer
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An der Infanteriestraße in Schwabing-West entstehen 142 neue Wohnungen. Was diese kosten, welche Besonderheiten sie bergen und welche Kritikpunkte aus der Lokalpolitik kommen.

  • Bauwerk will ein Gebäude mit 142 Eigentumswohnungen an der Infanteriestraße realisieren.
  • Der Rohbau für das Projekt „Van B“ soll noch im Mai starten.
  • Von den Bezirksausschüssen hagelt es Kritik.

SCHWABING-WEST Ein Home-Office, das nachts wieder verschwindet – was für manch einen futuristisch klingt, verspricht der Projektentwickler Bauwerk jetzt an der Infanterie­straße 14, auf dem Grundstück der früheren Fakultät für Design der Hochschule für angewandte Wissenschaften, direkt gegenüber vom Kreativ­quartier zu errichten. In der Lokalpolitik stößt das Vorhaben jedoch auf harsche Kritik (siehe Kasten).

Schwabing-West: 142 neue Eigentumswohnungen an der Infanteriestraße

Den Grundgedanken des Projekts „Van B“ haben die Initiatoren jetzt bei einer digitalen Pressekonferenz vorgestellt: Flexibler Wohnraum, der individuell an die eigenen Bedürfnisse angepasst wird. Wie das geht? Feste Grundrisse definieren Zimmerwände, Bad und Küche, hinzu kommen sogenannte „Plug-ins“. Das sind schiebbare und teilweise ein- oder ausklappbare Module. Ganz nach dem Prinzip: Wo nachts das Schlafzimmer ist, kann tagsüber das Homeoffice sein. Insgesamt neun solcher Module stehen zur Auswahl, darunter ein Heimkino oder ein Fitnessbereich.

Das Besondere an den neuen Wohnungen: Ausklappbare und verschiebbare Module sollen den Wohnraum individualisieren.

142 kostspielige Eigentumswohnungen sollen auf sieben Geschossen entstehen. Die Zielgruppe der 90 Apartments mit einer Größe von 33 bis 44 Quadratmetern sowie 52 Wohnungen zwischen 44 und 172 Quadratmetern seien vor allem Singles oder Pärchen, die mitten im Berufsleben stehen und einen hohen Anspruch an Design haben. Dafür muss aber auch tief in den Geldbeutel gegriffen werden: Die kleinsten Wohnungen gibt es ab einem Kaufpreis von 539 000 Euro, die größte kostet über vier Millionen Euro. Ein begrünter Innenhof mit Fitness- und Ruhezonen, eine gemeinschaftlich nutzbare Dachterrasse, eine Fahrradreparaturstation sowie Car- und E-Bike-Sharing-Angebote runden das Projekt ab. Auch Flächen für bis zu sechs Büroeinheiten und 59 Arbeitsplätze sind geplant. Eine dreigeschossige Tiefgarage soll Platz für 81 Kfz- und zwei Motorradstellplätze sowie E-Mobilität bieten. Kostenpunkt für einen Einzelstellplatz: 60 000 Euro. Zudem sind insgesamt auch 275 Fahrradparkmöglichkeiten vorgesehen.

Kritik aus den Bezirksausschüssen: „Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum“

Seit November 2020 wird das Bestandsgebäude abgebrochen. Der Rohbau soll im Mai 2021 starten, die Fertigstellung im Spätsommer 2023 erfolgen. Zu den Gesamtkosten des Projekts wollte sich Bauwerk nicht äußern.

Kritische Stimmen

Der Druck nach Wohnraum ist in Schwabing-West hoch – dennoch kritisiert BA-Chefin Gesa Tiedemann (Grüne): „Es werden zurzeit immer mehr Innenhöfe in unserem Viertel zugebaut und natürlich brauchen wir Wohnraum, aber so ein Projekt macht mich gar nicht glücklich. Wir brauchen vor allem Mietwohnungen oder auch sozial geförderten Wohnraum!“ Das sieht auch Svenja Jarchow-Pongratz (Grüne), BA-Chefin der angrenzenden Maxvorstadt, so: „Es gibt schon genug Objekte für Luxuswohnungen. Wir brauchen bezahlbaren Wohnraum.“ Projekte wie an der Infanteriestraße würden lediglich zur Gentrifizierung beitragen. Sie bedauert auch, dass in so einer Lage nicht Projekte für altersgemischtes Wohnen entstehen.

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