„Die Gier der Investoren ist groß“

München: Angst ums Literatenhaus - Wohnraum schützen durch neue Erhaltungssatzung?

Aktuell steht das Literatenhaus an der Agnesstraße 48 leer. Das Gebäude steht seit 2019 unter Denkmalschutz.
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Aktuell steht das Literatenhaus an der Agnesstraße 48 leer. Das Gebäude steht seit 2019 unter Denkmalschutz.

Literatenhaus weiterhin in Gefahr? Der Bezirksausschuss Schwabing-West fordert jetzt ein neues Erhaltungssatzungsgebiet im Viertel - auch zum Schutz des historischen Gebäudes.

  • Für einen noch ungeschützten Teil von Schwabing-West fordert der BA jetzt eine neue Erhaltungssatzung.
  • Dadurch soll es künftig mehr Schutz vor ungewollten Abrissen oder Luxussanierungen geben.
  • Davon betroffen wäre auch das Literatenhaus an der Agnesstraße 48.

Schwabing-West - Genau ein Jahr ist es her, dass das Literatenhaus an der Agnesstraße 48 quasi über Nacht unter Denkmalschutz gestellt und so vor dem Abriss gerettet wurde (Hallo berichtete). Doch die Angst um das Jugendstilgebäude bleibt: Anwohner haben noch immer ein waches Auge auf das Eckhaus zur Zentnerstraße, das 1912 errichtet wurde. Der Bezirksausschuss fordert jetzt für das Haus sowie seine Umgebung eine Erhaltungssatzung.

München: Bezirksausschuss fordert neues Erhaltungssatzungsgebiet in Schwabing-West

Heute steht das Gebäude an der Agnesstraße leer, drumherum ein Bauzaun. „Es kümmert sich kein Mensch um das Haus, dort leben Marder und andere Tiere und immer wieder steht auch ein Fenster offen“, berichtet Gabriella Meros von der Anwohnergruppe „Rettet Agnes 48“, die damals gemeinsam mit der Bürger­initiative „Pro-Schwabing“ den Denkmalschutz beantragt hatte. Auch Stuck sei schon von einem Jugendstilbalkon auf den Gehsteig gefallen. Meros glaubt: „Man versucht hier mit allen Mitteln, das Haus verfallen zu lassen.“ Für sie steht fest: „Der Investor hat nicht verstanden, was für ein Juwel er da hat.“

Anwohner und der benachbarte Kindergarten haben 2019 um das Literatenhaus gekämpft - mit Erfolg: Inzwischen steht es unter Denkmalschutz.

Literatenhaus an der Agnesstraße: Das plant der Investor

Stefan Mayr, Geschäftsführer vom Eigentümer „M-Concept Real Estate“ entgegnet: „Wegen des Denkmalschutzes können jegliche Arbeiten nicht einfach starten.“ Seit acht Monaten stehe man deshalb in engem Kontakt mit dem zuständigen Amt. Corona-bedingt komme es jedoch zu Verzögerungen. „Wir hoffen aber, bis Jahresende ein konkretes Planungsergebnis vorweisen und die Planung dann auch zeitnah umsetzen zu können“, so Mayr.

Im Inneren des Literatenhauses an der Agnesstraße 48 befindet sich ein Treppenhaus mit Original-Parkett und geschnitztem Holzgeländer.

Für das Gebäude liegt bereits seit Mai 2018 ein überwiegend positiver Vorbescheid zur Aufstockung und zum Anbau von Balkonen vor, so Thorsten Vogel, Sprecher des Planungsreferats. Bei einem entsprechenden Bauantrag prüfe die LBK allerdings ganz genau, ob dieser aufgrund des inzwischen geltenden Denkmalschutzes womöglich anders zu bewerten ist. Ein weiterer Schutz für das Haus – sowie vor Verdrängung, Leerstand, Bodenspekulation und dem Bau von Luxuswohnungen – wäre außerdem eine Erhaltungssatzung (siehe Infobox). Deshalb fordert der Bezirksausschuss jetzt auf Initiative der Linken ein neues Erhaltungssatzungsgebiet für den Bereich der Agnes-, Elisabeth- und Schleißheimer Straße. Auch die Anwohner um Meros arbeiten an einem entsprechenden Antrag.

Ein Bild aus den 50ern zeigt: Den Zweiten Weltkrieg hat das Gebäude an der Agnesstraße 48 unversehrt überlebt.

Erhaltungssatzungsgebiete in München - nur der Stadtrat kann darüber entscheiden

In München gibt es insgesamt 28 Erhaltungssatzungsgebiete – zwei davon in Schwabing-West. Rund um das neu geforderte Gebiet gelten bereits Erhaltungssatzungen: im Norden das Gebiet Hohenzollernstraße sowie Pündter-/Bonner Platz, im Süden das Gebiet Josephsplatz. Dazwischen: ein innerstädtischer Bereich, der ungeschützt ist. „In den noch fehlenden Straßen gibt es noch viele wunderschöne Häuser aus der Gründerzeit – da ist die Gier der Investoren groß“, so Rudi Knauss (Linke), einer der Antragssteller, auf Hallo-Nachfrage.

Nur der Stadtrat kann über neue Erhaltungssatzungen abstimmen. Zuvor erfolgen entsprechende Untersuchungen und die Verwaltung erarbeitet einen Vorschlag. Bis also tatsächlich eine neue Erhaltungssatzung in Kraft treten kann, dauere es in der Regel neun bis zwölf Monate, so das Planungsreferat.

Schutz für Wohnraum

Wo eine Erhaltungssatzung gilt, hat die Stadt ein besonderes Mitspracherecht. Heißt: Bauliche Veränderungen oder Umwandlungen in Eigentum werden nur in speziellen Fällen genehmigt. Außerdem hat die Stadt bei Grundstücken ein Vorkaufsrecht. Das Sozialreferat überprüft dabei auch, dass Modernisierungen nicht zu einem überdurchschnittlichen Standard der Wohnungen führen. Genehmigungspflichtig ist in Erhaltungssatzungsgebieten neben baulichen Änderungen und Nutzungsänderungen auch der Abbruch von Wohnraum.

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