Die Sehnsucht nach antiker Kunst

Sanierung der Glyptothek am Königsplatz: Hallo München auf exklusivem Baustellenrundgang

Noch ist die Glyptothek am Münchner Königsplatz eingerüstet.
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Noch ist die Glyptothek am Münchner Königsplatz eingerüstet.

Die Sanierung der Glyptothek am Königsplatz ist bald fertig. Warum sie im Vergleich günstig war und die Skulpturen während den Arbeiten an ihrem Platz blieben...

Gerüste verhüllen derzeit noch ihre Fassade, Bauarbeiter gehen täglich ein und aus – doch im Januar ist es so weit: Die Glyptothek am Königsplatz öffnet ihre Türen wieder für Besucher.

Der leitende Sammlungsdirektor Florian Knauß kann es kaum erwarten: „Ich freue mich schon darauf, dass ich bald wieder jeden Tag durch die Sammlung gehen kann“, berichtet er Hallo bei einer exklusiven Führung durch die Baustelle.

Direktor Florian Knauß freut sich schon auf die neue Fassade.

Gespannt ist er vor allem auf das neue Erscheinungsbild von außen, das er so selbst noch nicht gesehen hat.

Bedeutet: Die Außenwände werden gemäß der Planung Leo von Klenzes saniert. Die Fassaden der Glyptothek wurden in der Nachkriegszeit nämlich nur notdürftig repariert. Jetzt wird die ursprüngliche Mehrfarbigkeit wiederhergestellt. Zudem werden fehlende Skulpturen auf dem Pediment durch entsprechende Kopien ersetzt.

Seit dieser Woche werden die Platten, die den Boden vor Schäden geschützt haben, entfernt. „Zug um Zug packen wir dann auch die Skulpturen wieder aus“, so Knauß. Das Pflaster im Innenhof wird im Laufe des Novembers fertig verlegt sein und am 27. Januar eröffnet das Museum mit einer Sonderausstellung (siehe Kasten).

Die Arbeiten an der südlichen, westlichen und östlichen Außenfassade dauern noch bis zum Sommer 2021 und werden bei laufendem Betrieb fertiggestellt.

Im Untergeschoss entsteht ein Bereich mit Schließfächern.

Im Untergeschoss entstehen neue Sanitäranlagen, Schließfächer für die Besucher, Aufenthalts- und Umkleideräume für die Angestellten sowie eine neue Küche für das Café. Im Innenbereich freut sich Knauß vor allem über die neuen Fenstergläser. „Hierdurch haben wir eine deutliche Verbesserung der Lichtsituation – gerade jetzt im Herbst.“

Am Raumeindruck wird sich hingegen wenig ändern: Wände und Fußboden bleiben wie zuvor. „Es gibt nur ein paar Risse im Mauerwerk, die jetzt ausgebessert werden.“ Die Skulpturen kommen dann zu etwa 95 Prozent wieder an dieselben Stellen zurück. „Es hat den Münchnern so gefallen und das soll auch so bleiben.“

Knauß hofft sogar darauf, dass regelmäßige Besucher sich fragen, was überhaupt gemacht wurde: „Dann wäre es uns gelungen, nur die notwendigen Sachen so behutsam zu sanieren, dass es den Eindruck nicht stört.“ Denn für den Sammlungsdirektor steht fest: „Die ganze Glyptothek ist ein Kunstwerk, das Gebäude und auch das, was drinnen ist.“

Deshalb kostet es so wenig 

Rund 17 Millionen Euro soll die Sanierung der Glyptothek insgesamt kosten. Zum Vergleich: Der Umbau der Neuen Pinakothek kostet über 200 Millionen Euro. Warum die Kosten am Königsplatz so niedrig geblieben sind, kann Sammlungsdirektor Knauß erklären: „Die Skulpturen sind bei uns im Haus geblieben.“ Das habe einige Kosten gespart.

Während der Sanierung sind die Kunstwerke in der Glyptothek geblieben.

Doch das Geld war nicht der Hauptgrund, warum die Kunstwerke nicht in ein externes Lager gebracht wurden. „Der Transport wäre gefährlicher gewesen, als sie einfach hier zu behalten“, so Knauß. Kurzerhand hat man die antiken Skulpturen eingewickelt und Kästen drumherum gebaut. 

Rote Rosen und rollstuhlfreundlich – der neue Innenhof 

Auch im Innenhof tut sich etwas: Die Treppen in den Hof werden verbreitert, für Rollstuhlfahrende gibt es künftig statt einer Rampe einen Aufzug, der selbst betätigt werden kann.

Anstatt der drei Eschen, die krankheitsbedingt weichen mussten, werden japanische Schnurrbäume gepflanzt. „Die Bäume werden noch im November mit einem Kran reingehoben“, berichtet Knauß.

Efeu und weißer Wein, der an den Mauern nach oben wächst, wird es künftig jedoch nicht mehr geben. „Dadurch konnte man nichts mehr von der Architektur sehen“, so der Sammlungsdirektor. Stattdessen sollen rote Rosen im Innenhof blühen.

Der Innenhof der Glyptothek während der Sanierung.

Das Pflaster wird wiederhergestellt – allerdings mit dem Zusatz, dass die Fugen so gefüllt werden, dass der Bereich künftig barrierefrei ist. Wie zuvor wird dort dann wieder das Museumscafé hungrige und durstige Gäste bewirten. 

Sonderausstellung zur Eröffnung 

Anlässlich des 250. Geburtstages des dänischen Bildhauers Bertel Thorvaldsen öffnet die Glyptothek am Mittwoch, 27. Januar, mit der Sonderausstellung „Bertel Thorvaldsen und Ludwig I. – Der dänische Bildhauer im bayerischen Auftrag“. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der vielschichtigen Verbindung zwischen den beiden Männern.

Mit der Glyptothek ist Thorvaldsen auf mehreren Ebenen verbunden: Noch als Kronprinz hatte Ludwig ihm die Restaurierung der Agineten (1816-18) übertragen. Diese früh-griechischen Giebelfiguren vom Aphaiatempel auf der Insel Ägina sind der größte Schatz des Museums. Die Ausstellung läuft bis 30. Mai 2021.  

 

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