Altstadt

Wolfgang Fischer (55), Geschäftsführer des Vereins „City Partner“, von A bis Z

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Altstadt: Er kämpft für eine offenere Stadt: Wolfgang Fischer spricht für Unternehmen der Münchner Innenstadt – was er für die City fordert, erfahren Sie hier.

Die neuesten Zahlen aus der Fußgängerzone: 15 248 Passanten pro Stunde in der Neuhauser Straße, 14 816 in der Kaufingerstraße und 8388 in der Sendlinger Straße. Nirgendwo sonst ist München so frequentiert. Das freut auch Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Innenstadt-Unternehmens-Vereins „City Partner“. Gleichzeitig macht ihm eine Entwicklung Sorgen. „Der härteste Wettbewerber ist der Onlinehandel – deshalb sind für den stationären Handel Shoppingnächte oder verkaufsoffene Sonntage so wichtig“, erklärt der 55-Jährige. Doch gerade musste der Verein eine große Niederlage einstecken: Ihr Antrag auf geöffnete Läden in der ganzen City während des Stadtgründungsfests scheiterte. „Besonders ärgert uns die unterschiedliche Auslegung der Kommunen – wie und was genehmigt wird, ist bayernweit ein hanebüchener Flickerlteppich und widerspricht der Gleichbehandlung“, betont Fischer. Was er sonst von Ladenöffnungszeiten, Freischankflächen und den Rekord-Baustellen in der City hält, lesen Sie hier von A bis Z. Maren Kowitz

Alte Akademie: Bei allen Diskussionen um den Denkmalschutz muss man eines festhalten: Früher war das Gebäude für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, aufgrund der Sensibilität der Daten des Landesamtes für Statistik ein Hochsicherheitstrakt. Es war das einzige Gebäude der Fußgängerzone, das nachts nicht beleuchtet war und die Fassade bröckelte langsam ab. Ein Schandfleck für die Innenstadt. Künftig werden die Bürger sogar die Innenhöfe nutzen können.

Baustellen: Seit Beginn des Jahres hatten wir rund 25 Infoveranstaltungen für Anlieger von Baustellen. So eine intensive Bauphase in der Innenstadt hatten wir noch nie: Odeonsplatz, Marienplatz, Marienhof, Sendlinger Tor, Thomas-Wimmer-Ring, Bayerstraße, Altstadtring... Alles notwendige Projekte, aber man muss darauf achten, dass die Erreichbarkeit gewährleistet bleibt und die Baustellen möglichst vertäglich ablaufen.

City Partner wurde 2004 gegründet und ist der einzige Innenstadt-Unternehmens-Verein bundesweit, der nur von den Beiträgen der Unternehmen getragen wird. Wir vertreten rund 200 Händler, Gastronomen, Hotels, Immobilienbesitzer, Kanzleien etc., also alle, die ein Interesse an einer guten Entwicklung der Münchner Innenstadt haben.

Draußen: Wir begrüßen die Novellierung der Sondernutzungsrichtlinien. Vieles wird vereinfacht und weniger reguliert. Bis jetzt war es beispielsweise so, dass die Pflanze im Blumenkübel nicht höher als 1,40 Meter hoch sein durfte – aber die Natur berücksichtigt halt nicht die Münchner Sondernutzungsrichtlinien. Und Freischankflächen sind mit ein Grund, warum München die nördlichste Stadt Italiens heißt. Ein Bestandteil des Münchner Lebensgefühls.

Einheimisch: Natürlich kann eine so große Innenstadt nicht alleine von den Bewohnern der Stadt leben. München hat jährlich 14 Millionen Übernachtungsgäste und 100 Millionen Tagesbesucher, die meisten davon schauen sich die Innenstadt an. Doch ein Münchner Institut für Marktforschung hat ermittelt, dass über 70 Prozent der Münchner in den letzten drei Monaten die Innenstadt besucht haben.

Fußgängerzone: Eine Ausweitung in das Tal oder die Brienner Straße, wie manchmal gefordert, würde nicht funktionieren. Die dienen zur wichtigen Verkehrserschließung von Hotels und Läden, z.B. auch für die Ver- und Entsorgung des Rathauses.

Gesetz: Im Zuge der Föderalismusreform ist das Ladenschlussgesetz in die Kompetenz der Länder übergegangen. Bayern ist das einzige Land, das kein neues erlassen hat. Deshalb gilt bei uns noch das alte von 1961.

Hip: Früher war in der Innenstadt tote Hose, nachdem die Läden zugemacht haben. Jetzt brummt es dort auch nachts. Die jungen Leuten treffen sich am Stachus, feiern entlang der Sonnenstraße und müssen nicht mehr in Blechkisten-Diskos in irgendwelche Gewerbegebiete.

Internet: Der Onlinehandel ist der härteste Wettbewerber, den es vor zehn Jahren noch nicht in dieser Form gab. Für ihn gibt es keine Ladenöffnungszeiten-Debatten. Deshalb sind für den stationären Handel die Shoppingnächte oder verkaufsoffene Sonntage so wichtig. Da haben die Läden die Möglichkeit sich und die einmalige Angebotsvielfalt der Münchner Innenstadt zu präsentieren.

Jahresverlauf: Januar und Februar sind die umsatzschwächsten Monate, generell ist das zweite Halbjahr im Handel bedeutender als das erste, die Weihnachtszeit entscheidend. Aber in München hat sich das ein bisschen ausgeglichen. Dank des Tourismus ist nun auch der Sommer umsatzstark. Wenn er vernieselt ist, kommen ganz besonders viele Gäste aus den Ferienregionen bis aus Garmisch. . Kurz gesagt: Sonne ist dann gut fürs Gemüt und a bisserl nieseln gut fürs Geschäft.

Ketten: Die Zunahme von Ketten beobachten wir intensiv. Einerseits erwarten Besucher von einer Großstadt bestimmte Marken. Es gibt Läden, die sind für die Gesamtattraktivität der Münchner Innenstadt superpositiv – zum Beispiel der Apple Store. Auf der anderen Seite empfinden die Menschen Standorte, die nur mit internationalen Filialen besetzt werden, als fad und beliebig. Aber München hat noch eine herausragende Mischung: Traditionshäuser, die Hoflieferanten, kleine Manufakturen und kleinteilige, bunt gemischte Geschäfte und tolle Münchner Gasthäuser.

Lobbyarbeit: Unser Hauptanliegen ist die Attraktivität der Innenstadt zu erhalten und weiter zu steigern. Dafür wesentlich ist besonders die Erreichbarkeit. Unsere Anliegen besprechen wir regelmäßig mit den Bürgermeistern, den Stadträten, dem Bezirksausschuss oder auch der Polizei.

Mieten: Die Sensations-Mieten haben sich derzeit abgekühlt, das war auch nicht unendlich weiter steigerbar. Die Mieten variieren extrem kleinteilig, innerhalb von 50 Metern, das kommt auf die Lage, die Größe des Geschäfts und das Alter des Mietvertrags an. Dementsprechend reicht sie von günstig bis zu über 400 Euro pro Quadratmeter.

Neu: Der Verkehrsversuch Fußgängerzone in der Sendlinger Straße ist aus unserer Sicht gelungen. Das zeigen die Ergebnisse der aufwändigen Evaluierung. Wir hoffen, dass das Provisorium bald endgültig umgebaut wird. Denn von der Atmosphäre ist das Potential noch nicht ausgeschöpft, momentan ist es halt noch eine Fahrbahn auf der man laufen kann. Richtig Flair hat der Bereich noch nicht.

Oeffnungszeiten: Baden-Württemberg hat an Werktagen das Ladenschlussgesetz komplett abgeschafft. Jeder Laden kann öffnen, wie er will. Das Resultat: Der Kaufhof in Stuttgart macht genauso um 20 Uhr zu wie der Kaufhof in München. Kein Laden öffnet, wenn es keine Kundennachfrage gibt. Das einzige, was passiert ist: In den Wohngebieten der Großstädte haben die Supermärkte bis 22 Uhr offen. Das wird sensationell angenommen.

Parkhaus am Färbergraben ist eines der höchstfrequentierten der City. Es ist unbestritten, dass eine Hochgarage in Bestlage nicht sinnvoll ist. Wir befürworten den Abriss und den Neubau eines Geschäftshauses mit Tiefgarage und die Gesamtplanung mit dem Sattlerplatz, aber fordern an dieser Stelle weiternin auch öffentliche Stellpätze. Aber wir sind schon froh, dass der Vertrag mit dem Parkhaus noch bis Ende 2018 verlängert wurde – als klar wurde, dass sich die Neuplanung verzögert.

Querelen: Letztes Jahr ist Pegida jeden Montag vom Odeonsplatz durch die Innenstadt gezogen, hat täglich eine Mahnwache am Marienplatz gehalten. Das hatte nichts mehr mit freier Meinungsfreiheit zu tun, das war pure Provokation. Wir sind stolz, dass unsere Initiative dazu führte, dass die Genehmigungsrichtlinien verschärft wurden und das Gericht erstmals die Bedürfnisse der Anlieger über eine Einschränkungen der Dauerdemonstrationen stellte.

Reinigung: 2016 wurde von der Stadt eine Klasse plus für die Fußgängerzone eingeführt, jetzt wird zwei Mal am Tag gereinigt. Das zahlen die Anlieger analog zur Größe ihrer Immobilie. Und es ist wichtig, denn Sauberkeit und Sicherheit sind mit die größten Münchner Standortvorteile. München ist zweifellos die sauberste und sicherste Großstadt Europas.

Sicherheit: Von schwarzen Sheriffs oder privaten Sicherheitswachten sind wir nicht überzeugt. München hat ein sehr gutes, professionelles Polizeipräsidium. Nach den schrecklichen Vorfällen im letzten Jahr haben wir uns öfter mit der Polizei zusammengesetzt und Anregungen besprochen, wie man beispielsweise bei Veranstaltungen noch mehr Sicherheit gewährleisten kann.

Touristen: Die zweite Jahreshälfte 2016 war schwierig für uns, nach dem Amoklauf gab es einen heftigen Besuchereinbruch. Doch die neuesten Tourismuszahlen vom Februar sind sehr erfreulich. Gerade in den Märkten die im letzten Jahr so eingebrochen sind, China und Russland, sogar 30 Prozent plus.

Umgriff: Wir grenzen die Innenstadt nicht nach rechter oder linker Straßenseite ab. Hauptsächlich als den Bereich innerhalb des Altstadtrings und vom Stachus hin zum Hauptbahnhof.

Verkaufsoffener Sonntag: Haben wir 2015 mit riesiger Resonanz anlässlich des Stadtgründungsfests veranstaltet. 2016 hat ihn das Gericht kassiert. 2017 wäre es nur im direkten Umfeld der Stände und Bühnen möglich gewesen zu öffnen. Unter den Umständen völlig unmöglich. . Die Vielzahl unserer Münchner Unternehmen wären außen vor gewesen. Und auch die Besucher hätten sich veräppelt gefühlt.

Wettbewerb wird im Handel immer stärker. Zum Glück hat man in München vorsichtig geplant, in Berlin gibt es die Fehlentwicklung, dass es über 30 Shopping-Center - an jeder Ecke eines – gibt und die Innenstadt zu kämpfen hat. .

Xundheit: Ein Problem der Diskussion um die Luftreinhaltung: Wenn man sachliche Argumente z.B. gegen ein Diesel-Einfahrverbot bringt, wird es so ausgespielt, als wäre man gegen die Gesundheit der Bevölkerung. Und das sind wir wahrlich nicht. Wir engagieren uns für zielorientierte, aber auch machbare Lösungen für die Bürgerinnen und Bürger und die Stadt.

Yen: Im Durchschnitt machen Touristen bis zu einem Drittel des Umsatzes aus.

Zweite Stammstrecke: Jedem ist klar, dass die S-Bahn unsere Achillesferse ist und wir dringend eine zweite Stammstrecke brauchen. Einige Innenstadt-Unternehmen haben den Klageweg beschritten, nicht gegen die S-Bahn, sondern damit die Baustelle verträglicher gestaltet wird. Mittlerweile ist einiges passiert. Und wir haben einen runden Tisch der Anlieger am Marienhof zusammen mit der Bahn gegründet.

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