Vor dem 60-jährigen Jubiläum

Sie sind die Wächter von Münchens Straßen: Ein Blick in die Verkehrszentrale

Auf einem riesigen Bildschirm sind Aufnahmen von Münchens Straßen zu sehen. Stefan Hoigt und sein Team vom KVR überwachen die Tunnel.
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Auf einem riesigen Bildschirm sind Aufnahmen von Münchens Straßen zu sehen. Stefan Hoigt und sein Team vom KVR überwachen die Tunnel.
Joachim Stiegler ist Chef des Baureferat-Teams der Verkehrszentrale.
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Joachim Stiegler ist Chef des Baureferat-Teams der Verkehrszentrale.
Polizeihauptkommissar Herbert Baumann und seine Kollegen melden unter anderem Staus.
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Polizeihauptkommissar Herbert Baumann und seine Kollegen melden unter anderem Staus.
Auf einer großen Karte wird angezeigt, wo es Probleme mit der Straßenbeleuchtung gibt.
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Auf einer großen Karte wird angezeigt, wo es Probleme mit der Straßenbeleuchtung gibt.
Mit rund 800 solcher Kameras wird der Münchner Straßenverkehr überwacht.
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Mit rund 800 solcher Kameras wird der Münchner Straßenverkehr überwacht.
Auf einer 17 Meter langen Multimediawand flimmern über 300 Fotos von Straßenszenen.
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Auf einer 17 Meter langen Multimediawand flimmern über 300 Fotos von Straßenszenen.
An ihren Arbeitsplätzen können die Mitarbeiter eingreifen, um den Verkehr zu regeln.
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An ihren Arbeitsplätzen können die Mitarbeiter eingreifen, um den Verkehr zu regeln.
Auf einer 17 Meter langen Multimediawand flimmern über 300 Fotos von Straßenszenen.
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Auf einer 17 Meter langen Multimediawand flimmern über 300 Fotos von Straßenszenen.

München: Hier pulsiert Münchens Verkehr: Die Mitarbeiter der  Verkehrszentrale in der Schragenhofstraße sorgen rund um die Uhr dafür, dass der Stadtverkehr sicher ist. Ein Blick hinter die Kulissen.

Über 200 Bilder von Straßen, Tunneln und Kreuzungen flimmern auf der 17 Meter langen Multimediawand in der Verkehrszentrale in der Schrangenhofstraße in Moosach: Es ist das Herzstück, wo der Münchner Verkehr pulsiert. Ein Team aus Mitarbeitern des Kreisverwaltungsreferats (KVR), des Baureferats und der Polizei überwacht hier rund um die Uhr die Straßen. 

Auf einer 17 Meter langen Multimediawand flimmern über 300 Fotos von Straßenszenen.

2018 feiert die Verkehrszentrale 60-jähriges Bestehen. 1958 wurden mit Hilfe eines zehn Quadratmeter großen Stadtplans und eines Kommandopults 80 der 120 Ampeln der Stadt gesteuert. Seitdem hat sich einiges verändert.

Das KVR überwacht die Tunnel

Auf einem riesigen Bildschirm sind Aufnahmen von Münchens Straßen zu sehen. Stefan Hoigt und sein Team vom KVR überwachen die Tunnel.

Heute haben Mitarbeiter des KVR Zugriff auf 1100 Ampeln im Stadtgebiet. „Wir können sie bei Bedarf manuell schalten“, erklärt Stefan Hoigt, KVR-Chef der Verkehrszentrale. Es ist 9 Uhr morgens, Hoigt sitzt vor mehreren Bildschirmen mit Videos und Grafiken. Plötzlich taucht eine rote Meldung auf: „Stehendes Fahrzeug im Luise-Kiesselbach-Tunnel.“ Für Hoigt Routine. „Eine typische Morgen-Berufsverkehrssituation“, sagt er, während er auf die Monitore blickt, auf denen sich die Autos stauen.

In solchen Fällen überprüfen die Mitarbeiter, ob die Geschwindigkeit reduziert werden muss. „Es geht immer zuerst um die Sicherheit und dann um die Leichtigkeit des Verkehrs“, betont Hoigt. Die KVR-Operatoren bekommen auch Meldungen, ob ausreichend Sauerstoff in der Röhre ist, ob Lüftung und Licht richtig eingestellt sind und ob es Anzeichen für einen Brand gibt. Dann muss es schnell gehen. „Je früher ich den Tunnel sperre, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass Leute zu schaden kommen“, erklärt Hoigt. „Man hat fünf Minuten, um aus dem Gefahrenbereich zu kommen.“ Alle 60 Meter sind in den Tunnels deshalb Kameras installiert. Derzeit werden so der

Petueltunnel, der Effnertunnel, der Richard-Strauss-Tunnel, der Leuchtenbergring-Tunnel, der Candidtunnel, der Brudermühltunnel, der Tunnel Heckenstallerstraße, der Luise-Kiesselbach-Tunnel und der Trappentreutunnel überwacht. Weitere sollen folgen – ein paar Plätze sind auf der großen Wand dafür noch frei.

Baureferat behebt im Jahr 35 000 Störungen

Joachim Stiegler ist Chef des Baureferat-Teams der Verkehrszentrale.

Über eine Million Straßenschilder, 125 000 Lichter, 1100 Ampelanlagen, rund 800 Kameras, die den Straßenverkehr überwachen, – da kann einiges kaputt gehen.

Darum kümmern sich rund um die Uhr mindestens drei Mitarbeiter des Baureferats in der Verkehrszentrale. „Wir sind für die Entstörung und Verfügbarkeit der Verkehrsanlagen zuständig“, erklärt Leiter Joachim Stiegler, „und versuchen, innerhalb von 48 Stunden alles wieder in Ordnung zu bringen.“ Egal, ob eine Glühbirne kaputt geht, eine Ampel ausfällt oder ein Straßenschild bei einem Unfall umgefahren wird. 35 000 Störungen kommen so pro Jahr zusammen.

Bürger können defekte Geräte melden

Die Mitarbeiter der Verkehrszentrale nehmen dazu Anrufe des Bürgertelefons entgegen, bei dem Münchner Probleme melden können. Außerdem sprechen sie sich mit den anderen Abteilungen der Zen­trale ab und auch Außendienstmitarbeiter kontrollieren, ob alles läuft. Alle acht Monate wird jede Ampel in München gewartet, alle vier Jahren jede Leuchte. Dazu geben viele Geräte automatisch Meldungen ab. Eine Kamera überprüft zum Beispiel alle zehn Sekunden, ob bei ihr alles funktioniert.

Bei vielen Problemen kommt es auf Schnelligkeit an. „Wir arbeiten immer am offenen Herzen“, sagt Joachim Stiegler. „Weil München kurz vor dem verkehrlichen Infarkt ist, wird es den Bürgern immer auffallen, wenn zum Beispiel eine Ampel nicht richtig läuft.“ Dazu käme, dass die Technik immer komplexer wird: „Dadurch kann natürlich auch mehr kaputt gehen“, sagt Stiegler.

Polizisten melden immer mehr Staus

Polizeihauptkommissar Herbert Baumann und seine Kollegen melden unter anderem Staus.

„Achtung, seien Sie vorsichtig, Ihnen kommt ein Falschfahrer entgegen“ – wenn im Radio oder Navigationssystem diese Meldung für München aufkommt, stecken die Polizisten der Verkehrszentrale dahinter. „Wir schreiben diese Meldungen“, erklärt Polizeihauptkommissar Herbert Baumann (Foto). Er und weitere acht Kollegen arbeiten rund um die Uhr im Schichtdienst. Mindestens zwei Kollegen sind immer vor Ort, um Gefahren zu melden und Auffälligkeiten, besonders Staus weiterzugeben.

So kommen die Staumeldungen ins Navigationssystem

Baumann zeigt eine Karte, ähnlich wie Google Maps. Hier markieren die Polizisten die Straßen, wo es sich gerade in München staut. Die Informationen dazu bekommen sie von den Kollegen auf Streife oder von den anderen Teams in der Verkehrszentrale. Sie können alle Polizeieinsätze, die gerade in München laufen, verfolgen. „Die Meldung geht zuerst an die Landesmeldestelle und wird von dort weitergeleitet“, sagt Baumann. Bei besonders gefährlichen Fällen wie Geisterfahrern oder Steinewerfern entfällt diese Zwischenstation. „Dann geht die Meldung ungefiltert ohne Zeitverzögerung sofort raus“, sagt Baumann. „Da geht es um Sekunden.“

Im Jahr 2016 haben die Polizisten 8843 Meldungen abgegeben. Den Eindruck vieler Bürger, dass es immer mehr Stau gibt, kann er bestätigen. „Wir haben sowieso schon zähfließenden Verkehr“, sagt er. „Wenn dann auch nur eine Kleinigkeit anders ist, steht alles, und ein Stau baut sich wahnsinnig schnell auf.“

Hier können Sie gewinnen:

Hallo verlost zehn Mal zwei Karten für eine exklusive Führung durch die Verkehrszentrale, Schragenhofstraße 6, am Donnerstag, 1. Februar, um 17 Uhr. Um zu gewinnen schicken Sie bis zum 20. Dezember eine E-Mail an aktion@hallo-muenchen.de oder eine Postkarte an die Redaktion. Stichwort: Verkehrszentrale
Claudia Schuri

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