„Wir sind kein Geheimbund, wie es oft kolportiert wird“

„Verschwiegene Brüder“: Das sind die Werke der Freimaurer

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Eine Anstecknadel mit Winkel und Zirkel – Das Zeichen der Freimaurer. Rund rund 600 von ihnen leben in München.

München – Um die „Verschwiegenen Brüder“ ranken sich viele mysteriöse Gerüchte – doch sie helfen auch in München – Hallo hat nachgehakt

Er trägt eine Anstecknadel mit Winkel und Zirkel – Joachim Oberhoff versteckt nicht, dass er einer der rund 600 Freimaurer in München ist. Selbstverständlich ist das nicht. „Viele kommunizieren ihre Mitgliedschaft nicht offen, weil die Fraumaurerei immer noch von einigen Weltverschwörungstheorien behaftet ist.“ Dass es zum Beispiel das allsehende Auge, das in vielen Logen über dem Stuhl des Meisters leuchtet, auf die amerikanische Ein-Dollar-Note geschafft hat, ist für viele ein Zeichen, wie die weltweit agierende Organisation Regierungen, Unternehmen und Banken beeinflusst.

Dass das Geheimnisvolle, das die Freimaurerei umgibt, weit weniger spektakulär ist, versucht Oberhoff zu erklären: „Viele Männer kommen zu uns, weil sie auf der Suche sind und sich fragen: ,Ist das alles gewesen in meinem Leben?‘“ Sie wollen sich weiterentwickeln und weiterbilden. „Unser Ziel ist es, gute Menschen besser zu machen – für uns sind drei sehr wichtige Eigenschaften Menschenliebe, Toleranz und Brüderlichkeit.“

In diesem Sinne vergeben die Freimaurer in München und Südbayern auch seit 2002 alle zwei Jahre ihren Humanitären Preis.

15.000 Euro an die Mittelschule in Moosach

Der Vorsitzende einer Loge wird „Meister vom Stuhl“ genannt. Dort verrichten die Freimaurer ihre „Arbeit“.

Gerade ging der mit 15 000 Euro dotierte Preis an die Mittelschule Moosach. „Die Mittelschule an der Leipziger Straße haben wir ausgezeichnet, weil sie die Jugendlichen zur Eigenverantwortung erzieht“, betont Oberhoff. „Sie haben gemeinsam zahlreiche Verhaltensregeln entwickelt und viele Arbeitsgemeinschaften, die von aktiven und pensionierten Lehrkräften wie auch Handwerkern unterstützt werden.“ Andere Preisträger waren beispielsweise Pflege-Experte Claus Fussek, die Freiwilligenagentur Tatendrang, das Kinder- und Jugendtelefon Infofon, die Essenshilfe München und die Bayerische Polizei-Stiftung.

So gemischt wie die Institutionen, die sie unterstützen, ist auch die Gesellschaft selbst. „Wir sind Handelsvertreter, Handwerker, Akademiker, praktisch alle Berufe – jeder, der als Mensch dazu passt, bereichert die Gruppe“, so Oberhoff. Frauen werden in den meisten Logen allerdings nicht aufgenommen. „Mit Frauen verhält man sich anders, da redet man auch anders. Deswegen bleiben wir bei unseren Abenden unter uns.“

Einmal die Woche gibt es in den einzelnen Logen – derzeit sind es in München 15 – einen Bruderabend mit einem Vortrag, genannt Zeichnung, wo über ein meist gesellschaftsrelevantes oder philosophisches Thema referiert wird. Einmal im Monat gibt es die so genannte „Tempelarbeit“. Was konkret dort passiert, tragen die Mitglieder nicht nach außen. Trotzdem betont Obernhoff: „Wir sind kein Geheimbund, wie es oft kolportiert wird. Mittlerweile kann man die meisten Rituale sogar im Internet nachlesen.“ Dennoch: „Wir sind eine verschwiegene Gesellschaft. Es gibt Zeichen, Worte und Griffe, die geheim sind. Mit denen sich Freimaurer untereinander erkennen.“

Um Freimaurer zu werden, muss man sich als „Suchender“ an eine Loge wenden. Nach einem Vorgespräch und einigen Gästeabenden kommt es zur so genannten Kugelung, einer speziellen Art der Abstimmung über den Kandidaten. Dann bekommt jeder anwesende Bruder eine weiße und eine schwarze Kugel, von denen er eine – weiß bei Zustimmung, schwarz bei Ablehnung – in einen Behälter wirft.

Dann beginnt der Weg des Freimaurers, der nach historischem Vorbild vom Lehrling über den Gesellen zum Meister führt – aber vor allem zur persönlichen Weiterentwicklung.

Maren Kowitz

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