Architekt Bernhard Winkler im Gespräch

Der Vater der Fußgängerzone

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Der Architekt Bernhard Winkler, mit dem Plan, den er 1972 für die Fußgängerzone entworfen hatte.

Er hat den Plan - 1972 und heute: Architekt Bernhard Winkler plante 1972 die Münchner Fußgängerzone. Jetzt soll er mit 88 Jahren wieder ran, wenn es um die Sanierung geht

hm verdankt München die Fußgängerzone: dem Entwickler und heutigen Professor Bernhard Winkler. Nun soll der Architekt mit 88 Jahren nochmal ran. Die Stadt plant die Fußgängerzone im Bereich Löwengrube und Augustinerstraße zu sanieren – zusätzlich zu den aktuellen Erweiterungsmaßnahmen (siehe Kasten). Dazu hat er einige Vorschläge gemacht, über die er allerdings vor der Diskussion im Stadtrat noch nicht sprechen möchte. Lieber erinnert er sich an die Entstehung seines Lebenswerkes vor 50 Jahren: „Es war damals ein harter Kampf, Auto gegen Mensch. Der Umbruch in der Stadt war überall zu spüren: die rasante Entwicklung durch die Teilnahme an den Olympischen Spielen, der S- und U-Bahnbau, der fertig gestellt werden musste.“ Der Stadtrat beschloss, die offene S-Bahn-Baustelle entlang der Kaufingerstraße für immer zu schließen, um eine reine Fußgängerzone zu gründen. „Die Gegner befürchteten die Verödung der Innenstadt“, so Winkler. Sie irrten sich. Bereits am Tag der Eröffnung vor 46 Jahren strömten die Massen durch die Neuhauser Straße. Heute drängen sich dort 100 000 Menschen am Tag. Doch der Druck, der Ende der sechziger Jahre auf Winkler lastete, war groß. „Ich hatte quasi die Hoheit über die ganze Fußgängerzone. Drei Jahre schlief ich kaum!“

Der Plan: Ein geschmückter Weg vom Karlstor bis zum Rathaus

Schließlich hatte der junge Architekt allein seine Entwürfe für die 900 Meter lange und bis zu 30 Meter breite Fläche ohne Autoverkehr eingereicht, damit den Stadtrat überzeugt und den deutschlandweiten Wettbewerb gewonnen. Vier neu geschaffene Brunnen, über zwei dutzend Bäume, viele Pflanztröge und mobile Sitzgelegenheiten sollten den Weg vom Karlstor bis zum Rathaus schmücken. „Ziel war, die starre Linie der geraden Strecke optisch zu durchbrechen. Zu den Zementplatten wählte ich Kopfsteinpflaster, das in waagerechten Linien den direkten Weg in Abschnitte unterteilte.“ Am Rindermarkt holte er sich Inspiration für seine Brunnen: „Ich sah: Die Menschen wollen am Brunnen sitzen. Also schuf ich Brunnen mit Sitzgelegenheiten – wie die Natursteine im Rund um den Stachusbrunnen, die ich formen ließ, vor der Frauenkirche wollte ich um die Quelle einen Raum der Besinnung schaffen.“ Als Materialien für die Fußgängerzone wählte der Starnberger Natursteine wie Granit im Farbspiel mit modernem Asphalt, Metallstühle, dazu Blumen. Die Auflagen der Stadt machten seine Arbeit schwer: Der Wiesn-Umzug führte damals mit den Kutschen durch die Kaufingerstraße – der Stachusbrunnen musste also über- und durchfahrbar sein!“ Auch die Augustinerstraße sollte als Straßendurchbruch erhalten werden – und ein geschlossener Platz am Marienplatz wurde ihm verwehrt. Erst vor kurzem wurde beschlossen, auch dieses Stück zur Fußgängerzone zu erklären. Da schmunzelt der Vater der Fußgängerzone: „Das habe ich vorhergesagt.“ Marie-Julie Hlawica

So wächst Münchens beliebteste Meile

Gerade sind die Arbeiten für die Erweiterung der Fußgängerzone wieder gestartet. Münchens zentrale Einkaufsmeile wächst vom Marienplatz nach Norden über die Dienerstraße bis zur Landschaftsstraße, im Osten bis zum Tal und im Süden bis zum Rindermarkt. Abschnittsweise werden die Fahrbahnen zurückgebaut. Dabei werden die typischen Beläge aus Münchner Gehwegplatten mit dunklen Natursteinbändern verlegt. Die Arbeiten am Rindermarkt beginnen am 5. März, an der Dienerstraße am 19. März. Die Durchfahrten unter dem Alten Rathaus sowie vom Marienplatz in die Burgstraße sind für den Rad- und den Anlieferverkehr zwischen 19. Februar und 19. März gesperrt.

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