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Sowas von unter der Gürtellinie

„Up-Skirting“: Handlung gilt bisher nicht als Straftat – Diese Münchnerin will das ändern

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Auf Fotos ist es Ida Marie Sassenberg wichtig, dass man die Entschlossenheit in ihren Augen sieht. „Es geht um ein wichtiges Thema“, sagt die 25-jährige Münchnerin.

Kaum zu glauben, aber wahr: Wer Frauen unter den Rock fotografiert, kann aktuell nur über Umwege belangt werden. Die Münchnerin Ida Sassenberg will das jetzt ändern und kämpft für ein neues Gesetz.

München – Mit 13 Jahren wurde Hanna Seidel von einem Lehrer auf der Klassenfahrt unter den Rock fotografiert – ob das Foto noch existiert oder auf welchen Plattformen es möglicherweise gelandet sein könnte, weiß niemand. Jetzt kämpft die Ludwigsburgerin zusammen mit der Münchnerin Ida Marie Sassenberg (25) für eine Änderung des deutschen Strafrechts – und vor allem dafür, dass Opfer des sogenannten „Up-Skirtings“ wissen, dass sie nicht alleine sind.

„Hinter uns stehen im Moment über 30 000 Menschen“, betont Sassenberg stolz. Genauer gesagt 31 940 – Tendenz steigend. Sie alle haben ihre virtuelle Signatur unter die Online-Petition („Verbietet #Upskirting in Deutschland!“) gesetzt. Kennengelernt haben sich Sassenberg und Seidel im Studium. Die beiden fordern: Das ungefragte Fotografieren unter einen Rock oder ein Kleid muss auch in Deutschland unter Strafe gestellt werden. Bisher existiert dazu kein entsprechender Straftatbestand.

Bis zu zwei Jahre Haft drohen in Großbritannien bei Up-Skirting

In Großbritannien wird „Up-Skirting“ seit Anfang 2019 mit bis zu zwei Jahren Freiheitsstrafe geahndet. Den Anstoß zur Gesetzesänderung gab eine junge Britin, die eine Kampagne startete. „Die Strafe müsste auf jeden Fall auch in Deutschland hoch genug sein, um abzuschrecken. Und was schreckt mehr ab als eine mögliche Inhaftierung?“, fragt Sassenberg.

Mädchen seien selbst schuld, weil sie zu kurze Röcke trugen

Vor Kurzem habe der Haidhauserin eine 14-Jährige geschrieben, auf deren Schule „Up-Skirting“ regelmäßig passieren würde. Jungs machten sich aus den Aktionen einen Spaß. Konsequenzen? Keine. Der Lehrer gab den Mädchen die Schuld, weil sie zu kurze Röcke getragen hätten. 

„Ich verstehe den Reflex der Schuldzuweisung, weil es die einfachste Lösung ist. Einen kurzen Rock zu tragen, ist aber kein Grund, dass dir jemand darunter fotografieren darf“, empört sich Sassenberg. An einem Ort funktioniere diese Schuldzuweisung gar nicht: „Man stelle sich vor, dass alle Frauen auf der Wiesn kein Dirndl mehr anziehen würden. Wie schnell hätten die feinen bayerischen Herren dann ein Gesetz durchgeboxt, das Up-Skirting verbietet?“

Online-Petition wird nicht nur positiv aufgenommen

Neben vielen positiven Reaktionen, erhält Sassenberg auch negative Kommentare: hauptsächlich von Männern. Das ist ihr aber egal – den Fokus legt die Journalistin auf das Wichtige: „Wir wissen, dass die Online-Petition allein nichts bringt. Aber wir wissen auch, dass ohne öffentlichen Druck in der Politik gar nichts passiert.“ Die beiden Aktivistinnen haben sich 100 000 Unterschriften als Ziel gesetzt. Damit wollen sie an die Bundespolitik herantreten. Bisher gab es auf ihre Petition noch keine einzige politische Reaktion – weder auf Bundes- noch auf Landesebene.

Sophia Oberhuber

Das sagt die Polizei

„In den Monaten von Mai bis Oktober sind uns etwa zwei bis drei Fälle pro Monat bekannt. Die Dunkelziffer kann höher sein. Grundsätzlich werden viele Verfahren eingestellt und es läuft auf eine Ordnungswidrigkeit hinaus. Ein eigener Straftatbestand für Up-Skirting ist zu befürworten, weil die Ahndung dann leichter wäre“, so Ronny Ledwoch, Sprecher der Polizei München.

Das sagt die Staatsanwaltschaft

„Auch wenn uns das Phänomen Up-Skirting natürlich bekannt ist, erreichen uns hierzu selten Ermittlungsverfahren der Polizei oder Strafanzeigen von Geschädigten, da die Strafbarkeit in diesen Fällen leider meistens ausgeschlossen ist. Fälle, in denen das Opfer das Fotografieren mitbekommt, sofort die Polizei informiert und der Täter festgehalten wird, können wir bei entsprechenden Begleitumständen als Beleidigung verfolgen. Wenn eine derartige Handlung mit einer Berührung verbunden wäre, würden wir bei der Staatsanwaltschaft München I schon dazu neigen, in solchen Fällen das Vorliegen einer sexuellen Belästigung anzunehmen. Solche Fälle hatten wir aber bislang noch nicht. Manchmal behelfen wir uns mit einer Verfolgung als Ordnungswidrigkeit“, so Oberstaatsanwältin Anne Leiding.

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