Hundsgemein!

Tierheim schlägt Alarm: Immer mehr Vierbeiner werden gestohlen

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Wieder zuhause! Boston Terrier Caspar war verschwunden – nun hat Herrchen Thomas Forkel ihn wieder.

München - Sie sind des Menschen bester Freund, tollen glücklich durch den Rasen - und sind auf einmal weg. Warum das so ist und was gefordert wird

Eveline Kosenbach

Stadt der Hundediebe? „Es werden immer mehr Hunde gestohlen“, schlägt Eveline Kosenbach (Foto), Leiterin der Vermisstenstelle im Tierheim, Alarm. Bei der Polizei liegen zwar keine Anzeigen vor. Aber: Alleine in diesem Jahr wurden bei Kosenbach 2000 Hunde und Katzen als vermisst gemeldet – „zehn Prozent davon sind gestohlen“, sagt sie. Diese Zahl schätzt sie, da sie oft vermisste Tiere bei Ebay findet, die zum Kauf angeboten werden. „Sind die Hunde zurück beim Besitzer, wollen die Herrchen keine Anzeige machen, weil sie froh sind, das Tier wieder zu haben“, erzählt sie. Neben Kosenbach warnt auch die Facebook-Gruppe „Entlaufene und vermisste Hunde München“: „Passt auf eure kleinen Hunde auf. Die sind beliebt und kann man so schnell klauen.“

Traurig, aber wahr: In München leben immer mehr Menschen am Existenzminimum. Und der Verkauf von Hunden ist lukrativ: „Es gibt Münchner, die davon leben“, so Kosenbach. Erst kürzlich war Chihuahua Bella weg. Durch Suchplakate erkannte ein Polizist das Tier, als er zwei Männer am Hauptbahnhof kontrollierte, die den Hund bei sich hatten. Es handelte sich tatsächlich um Bella, die wieder bei ihrem Frauchen ist.

Caspar (rechts) war auch weg. Der Boston Terrier entwischte aus der Garage. Herrchen Thomas Forkel hinterher. Aber Caspar war unauffindbar. Der Neuhauser informierte Eveline Kosenbach, hängte Plakate auf, postete es auf Facebook. Obendrein informierte er das Unternehmen „Suchhundezentrum K-9“. Zwei Spürhunde suchten Caspar – beide verloren die Spur auf einem Parkplatz. Der Verdacht liegt nahe, dass der Hund dort in ein Auto gezerrt wurde. Drei Tage später erhielt Forkel einen Anruf von einem Mann, der den Hund am U-Bahnhof Goetheplatz gefunden hat. Für Eveline Kosenbach ist klar: „Durch den medialen Druck wurde es dem Dieb zu heiß.“

Zu ihr kommen immer öfter Hundebesitzer, deren Tier verschwunden ist. „Besonders beliebt sind Rassehunde, die bringen Geld“ – Caspar hat 1600 Euro gekostet. Anzeichen dafür, dass ein Tier gestohlen wurde ist, „dass sich nach Such-Plakaten niemand meldet, weil keiner den Hund gesehen hat“. Dank Kosenbachs akribischer Suche, bekommen aber rund 90 Prozent der Hundebesitzer ihren Liebling wieder.Ines Weinzierl

Das fordert der Tierschutz

Kosenbach fordert ein Online-Verkaufs-Verbot von Tieren für Privatleute – in Österreich gibt es das bereits. Man soll auch nur ein Tier kaufen, wenn Papiere vorliegen. Bei Welpen sollte man die Mutter sehen – andernfalls könnte es sich um kranke, ausländische Welpen handeln.

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