München leuchtet bunt

Straßenparade zum Christopher Street Day: Make-up für Akzeptanz & Toleranz

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Das Kostüm „Schminktisch“ entwarf Frank Kipfelsberger für den CSD 2013.

Altstadt - Tausende Münchner – egal welcher sexuellen Orientierung – ziehen am Samstag, 14. Juli, durch die Altstadt, um im Rahmen des Christopher Street Days für Toleranz und Weltoffenheit zu werben

Da glänzen seine Augen, wenn Frank Kipfelsberger alias Franka sein neues Kunstwerk für den diesjährigen Christopher Street Day (CSD) stolz präsentiert. Das Motto des Kostüms: VW Käfer Cabrio. „Mehr wird im Vorfeld aber nicht verraten – das ist noch streng geheim. In diesem Jahr ist das Kostüm eine Anspielung auf die Dieselaffäre“, sagt Kipfelsberger augenzwinkernd. 

Frank Kipfelsbergers Kostüme sind seit vielen Jahren echte Hingucker.

Jedes der 100 Kostüme des Friseurs hat ein Motto und dieses wurde bis ins kleinste Detail Monate im Vorfeld schon geplant. „Ich liebe die Inszenierung und das Gefühl, einen Tag der große Star zu sein. Dafür investiere ich auch gerne meine komplette Freizeit für die Kostümherstellung“, betont der Milbertshofener freudestrahlend. Er ist Münchens schillerndste Dragqueen und der Star der CSD-Parade. Im Gespräch ist er witzig, charmant und dem ersten Anschein nach eher ruhig. Fragt man ihn nach seinem Alter, lacht er schelmisch: „Alter ist relativ.“ 

Frank Kipfelsbergers Kostüme sind seit vielen Jahren echte Hingucker.

München sei seine absolute Traumstadt und auch Wahlstadt. Der gelernte Friseur kommt ursprünglich aus der Nähe von Ingolstadt. „Rückwirkend war meine Homosexualität wohl angeboren. Ich merkte schnell, dass ich lieber mit meinen Schwestern verkleiden spielte, als mit meinen Brüdern Fußball“, so Kipfelsberger. Negative Erfahrungen habe er weder bei seinem Coming-Out noch durch seine zweite Persönlichkeit als Dragqueen erfahren. Aber Kipfelsberger hat auch Sorgen: „Es ist schon ein gewisser gesellschaftlicher Rückschritt zu bemerken. Die Menschen sind Homosexuellen gegenüber nicht mehr so offen, wie noch vor ein paar Jahren“, sagt er. „Das ist schade, wo wir doch seit Jahren für mehr Akzeptanz kämpfen.“

Das diesjährige Motto des CSD „Bunt ist das neue Weiß-Blau“ greift Kipfelsbergers Bedenken auf. Mit dem Motto sollen auch politische Akzente gegen Rechts gesetzt werden. Man freute sich sehr über den Meilenstein der Eheöffnung im letzten Jahr, betont Thomas Niederbühl, politischer Sprecher des CSD München. Aber politische und rechtliche Akzeptanz nütze wenig, wenn sie gesellschaftlich nicht in den Köpfen ankomme. Daher gelte heuer besonders: „Köpfe und Herzen müssen bewegt werden“, sagt Niederbühl.

Frank Kipfelsbergers Kostüme sind seit vielen Jahren echte Hingucker.

Damit das funktioniert, erwartet München in diesem Jahr die größte Straßenparade in der Geschichte des CSD: Es werden insgesamt 134 Startpositionen vertreten sein. Die Parade startet am Samstag, 14. Juli, um 12 Uhr am Marienplatz, wandert dann weiter über den Stachus und durch das Glockenbach-Viertel, um gegen 15 Uhr wieder am Marienplatz anzukommen.

Der CSD ist wie jedes Jahr der Höhepunkt der Prideweek, die vom 7. bis 15. Juli an verschieden Standorten in München stattfindet. Mittendrin ist selbstverständlich Frank Kipfelsberger – dann aber perfekt inszeniert und geschminkt als Franka. Wenn man ihn fragt, wie lange er denn noch teilnehmen werde, antwortet er Franka-like belustigt: „So lange mich die Beine auf den High Heels tragen!“ S. Estermaier

Pride Week in der Ludwigsvorstadt

Veranstaltung

Veranstaltungszeit und- ort

Queergottesdienst

Sonntag, 8. Juli, um 18.45 Uhr in der Kirche St. Paul, St.-Pauls-Platz 11

Vortrag „Lesbische Liebe im 20. Jahrhundert – unterdrückt?“

Montag, 9. Juli, um 19 Uhr im EineWeltHaus, Schwanthalerstraße 80, Rückgebäude

Führung durch das Archiv des Forums Homosexualität

Dienstag, 10. Juli, um 18 Uhr, Bayerstraße 77a, Rückgebäude

Gesprächsabend unter dem Motto „Stop Phobia“

Dienstag, 10. Juli, um 19 Uhr im Café Regenbogen, Lindwurmstraße 71

Vernissage der Kunstausstellung „We are Part of Culture“

Donnerstag, 12. Juli, um 19 Uhr, im Hauptbahnhof

Lesbisches Film-Event „Verrückt nach Cécile“

Freitag, 20. Juli, um 20 Uhr, im Mathäser, Bayerstraße 3-5

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