Am 8. März ist Tag der ausgefallenen Namen

Das sind die ungewöhnlichsten Vornamen Münchens

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Dixie Elsässer ist eine von rund 54000 Münchnern, deren Namen absolut einzigartig ist.

Poppy, Macarena oder Dixie: Wir haben mit einer Münchnerin gesprochen, die mit einem ungewöhnlichen Vornamen durchs Leben geht

Rund 85 000 verschiedene Vornamen gibt es dem Statistikamt zufolge in München. Erstaunlich: Weit mehr als die Hälfte davon – rund 54 000 – kommen in der Stadt nur ein einziges Mal vor (Beispiele siehe Kasten). Einer davon ist Dixie. Dixie Elsässer lebt in Trudering und ist 29. Ihre Eltern waren große USA-Fans und wollten einen außergewöhnlichen Namen für ihre Tochter – „keine Kathrin oder Katharina“. Deswegen wählten sie den klassischen Südstaaten-Namen, der hauptsächlich als Jazz-Stilrichtung bekannt ist. „Ich bin superglücklich mit Dixie – aber ich werde immer darauf angesprochen“, erklärt sie. „Wenn jemand blöd fragt: ,Wie das Klo?‘, denke ich mir nur: ,Wie kreativ!‘ und beende das Gespräch bald.“ Im Kindergarten hat sie aber keine schlechten Erfahrungen gemacht: „Wenn Kinder einen hänseln wollen, können sie das mit jedem Namen. Bei uns hatten sie es eher auf die Kathrins abgesehen...“ Trotzdem würde sie für ihre eigenen Kinder nicht ganz so ausgefallene Namen wählen. 

Prinzipiell stehen ihr alle Möglichkeiten offen: Abgelehnt werden in München Namen nur selten. 2017 gab es laut Kreisverwaltungsreferat nicht einen einzigen Vornamen, den man nicht billigen konnte. Die Münchner Standesbeamten orientieren sich dafür an Bundesstandards, in der Satzung der Stadt heißt es konkret: „Im Interesse des Kindes sind unpassende, lächerliche, groteske oder verunglimpfende Namen nicht erlaubt.“ 

Vornamensberaterin Frauke Rüdebusch von der Gesellschaft für deutsche Sprache (siehe auch Interview) hätte keine Einwände gegen den Namen „Dixie“ – gibt aber zu Bedenken: „Dixie ist nicht optimal, wenn das Kind später Bankdirektorin wird. Es klingt so niedlich – Eltern würden wir empfehlen, einen zweiten Namen anzuhängen, damit das Kind die Möglichkeit hat, später zu wählen.“ Ihren zweiten Namen gebraucht Dixie tatsächlich ab und zu. „Wenn ich früher ins Bars und Clubs unterwegs war, habe ich mich immer als Lena vorgestellt – weil es mir zu mühsam war, bei dem Lärm erklären zu müssen, woher mein Name kommt.“ mak/rea

Einzigartig in der Stadt

A = Anakin 

B = Brooklyn 

C = Chanel-Ceca 

D = Derrick 

E = Esperanza 

F = Fidel 

G = Gherda 

H = Hai 

I = Ippokratis 

J = Jawad-Prince 

K = Keifi 

L = Lolina 

M = Macarena

N = Norelhuda 

O = Ohne 

P = Poppy 

Q = Quadratullah 

R = Rivera 

S = Shalom 

T = Tuna 

U = Urania 

V = Vidal 

W = Willow-Sophie 

X = Xi 

Y = Yigit 

Z = Zazou

"Luzifer ist ein hartes Los für ein Kind" - Interview mit Vornamenberaterin Frauke Rüdebusch

Frauke Rüdebusch

Frauke Rüdebusch (35, Foto) ist Vornamenberaterin bei der Gesellschaft für Deutsche Sprache in Wiesbaden.

Frau Rüdebusch, in welchen Fällen entscheiden Sie darüber, ob ein Vorname zulässig ist? 

Die Standesämter haben die juristische Entscheidungsgewalt. Bei Vornamen, bei denen sie zweifeln, ob sie zulässig sind, wenden sie sich an uns. Wir sprechen dann eine Empfehlung aus, an die sie sich in der Regel halten.

Wie oft kommt es vor, dass Sie Namen ablehnen? 

2016 sollten wir über 600 Namen beurteilen. Rund 60 davon haben wir abgelehnt.   

Zum Beispiel? 

Luzifer. Dieser Name ist sehr negativ belegt. 

Das ist ein hartes Los für ein Kind. Welche Eltern wollen ihr Kind denn Luzifer nennen? 

Anscheinend mochten sie die Serie, in der die Hauptfigur so heißt. Aber der Großteil denkt doch nur an den Teufel.

Bei welchen Namen haben Sie noch Ihr Veto eingelegt?

Westend. Oder Ulme. Vornamen müssen eindeutig als solche identifizierbar sein, keine Ortsnamen oder Sachnamen sein.

Aber es gibt ja Fälle, in denen Kinder „Apple“, nach Gwyneth Paltrows Tochter, oder „Brooklyn“, nach den Sohn der Beckhams, genannt wurden... 

Brooklyn wurde in Deutschland tatsächlich schon über 100 Mal in den letzten Jahren vergeben, „Apple“ sechsmal. Mit „Apfel“ hingegen hätten wir Probleme.  Aber Fälle, in denen man sich auf andere Personen beziehen kann, sind kaum zu verbieten. Deswegen wird es immer schwieriger Namen abzulehnen. In den USA kann man seinem Kind beinahe jeden Vornamen geben. 

Wird man auch in Deutschland immer individueller? 

Definitiv. Die Vornamen-Vielfalt hat stark zugenommen. 2016 wurden rund eine Million Vornamen vergeben, die sich auf 60 000 verschiedene Vornamen aufgeteilt haben. 

Zwei Drittel dieser Namen sind in diesem Jahr deutschlandweit nur ein einziges Mal vergeben worden. Woran liegt das? 

Das ist schwer zu sagen. Aber Eltern betonen immer wieder, dass man sich abheben will. Deswegen wählen sie auch bei gängigeren Namen eben nicht die übliche Schreibweise.

Wie stehen Sie zu sehr auffälligen Namen? 

Die Frage, die wir uns stellen, ist, ob das Kind damit umgehen kann. Haben wir Zweifel, können aber nicht ablehnen, empfehlen wir zumindest einen zweiten Vornamen, damit das Kind später selbst noch eine Alternative hat. Maren Kowitz

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