Geister, Hexen und Tote

Das sind Münchens gruseligste Ecken

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Astrid Süßmuth kennt die dunklen Geheimnisse der Stadt.

München - Gequälte Münchner oder umhergeisternde Studenten - die Stadt hat in ihrer dunklen Geschichte schon viel erlebt. Wir waren mit einer Gautingerin auf Gruseltour

Ein bisschen unheimlich kann einem schon werden, wenn man mit Astrid Süßmuth (Foto) durch die Stadt läuft. Beinahe an jeder Ecke bleibt sie stehen und berichtet von dunklen Kapiteln der Münchner Vergangenheit. Kapitel, die sich bis in die Gegenwart auswirken, glaubt man den Spukgeschichten, die sich seitdem um viele Orte ranken. Die 45-Jährige kennt sie alle. Zwei Jahre lang hat sie für ihr Buch „111 Spukorte in und um München“ recherchiert, sich vor Ort umgesehen, Archivare, Kirchenhistoriker und Anwohner befragt. „Es ist überraschend, wie viele Leute selbst schon unheimliche Dinge gesehen haben“, berichtet sie von ihren Gesprächen. Eigentlich war die Heilpraktikerin auf der Suche nach Kraftorten, doch bei ihrer Recherche kamen ihr immer mehr interessante Geschichten über Spukorte unter. An kettenrasselnde Skelette glaubt sie zwar bis heute nicht, aber: „Ich bin schon dazu übergegangen, an Geisterhaftes zu glauben“, gesteht sie. Zu häufig stünden die Geister­erscheinungen in direktem Zusammenhang mit nachweisbaren Ereignissen, und zu groß sei ihre Gänsehaut an manchen dieser Orte gewesen. Die Gautingerin hat Hallo München exklusiv einige ihrer 111 Spukorte – von denen bis auf drei alle im S-Bahn-Bereich liegen – gezeigt und erklärt. Marco Litzlbauer

Jungfernturm

Der Jungfernturm hat eine grausige Geschichte.

Alles, was von der Münchner Stadtmauer geblieben ist, ist die Rückwand des Jungfernturms. Hier soll der berüchtigte „Geheime Ausschuss“ unter dem kurfürstlichen Rat Lippert Todesurteile gefällt haben, die sogleich vollzogen wurden. Tatsächlich fand Stadtbaudirektor von Schedel zu seinem großen Entsetzen 1804 beim Abbruch der Artilleriebastion Unmengen an menschlichen Knochen und Überresten. Bis heute sollen dort Geister ihr Unwesen treiben. Ganz konkret auch der von Franz von Unertl, welcher dort wohl in der Nacht vom 6. auf den 7. Januar 1796 durch die eiserne Jungfrau hingerichtet worden ist. In eben jener Nacht soll man bis heute einen gutaussehenden jungen Mann in blauem Frack und kniehohen Lederstiefeln sehen.

Alter Südfriedhof

„Es ist der einzige Münchner Fried­hof, auf dem es spuken soll“, sagt Süßmuth. Zu den bekanntesten Geistern gehören neun Studenten, die am 18. Februar 1881 bei einem Faschingsball in ihren Eskimokostümen verbrannt sind. Noch immer sollen in dieser Nacht ihre Schmerzensschreie auf dem Friedhof zu hören sein.

Maxtor

Das Maxtor wird nach wie vor von einem dicken Mann besucht.

Noch heute soll zu später Stunde kurz vor oder kurz nach dem Durchqueren des Maxtors am Maximiliansplatz ein „unmäßig dicker Mann“ erscheinen, der den Passanten bis zu ihrer Wohnungstür folgt. „Jeder, der ihn sieht, ist überwältigt vom Gefühl des Erschauderns“, berichtet Süßmuth von ihren Recherchen. Mögliche Erklärung: Das Tor wurde erst 1804 bis 1805 im Bereich des wenige Jahre zuvor aufgelösten und samt Friedhof und Kirche eingeebneten Rochus-Spitals errichtet. Wurde dadurch vielleicht die Totenruhe eines besonders dicken Mannes gestört?

Radlsteg

Früher floss hier der Katzenbach.

Durch den Radlsteg floss bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch der Katzenbach. In ihm wurden überzählige junge Katzen – vor allem wenn sie schwarz waren – ertränkt. Bis heute sollen immer wieder Mädchen und junge Frauen von kleinen Katzen begleitet werden, wenn sie durch die Gasse gehen. Kurios: „Die jungen Kätzchen verschwinden spurlos, sobald man sie streicheln will und begleiten die Damen nur in Richtung Stadtkern – also genau in Fließrichtung des noch immer unterirdisch verlaufenden Baches“, erklärt Süßmuth.

Salvatorplatz

Am Salvatorplatz wurde eine mutmaßliche Hexe erschlagen.

Im 15. Jahrhundert soll eine alte Frau im Alten Peter die geweihte Hostie gestohlen haben, um daraus eine Hexensalbe zu machen. Am heutigen Salvatorplatz konnte die Stadtwache sie einholen und erschlagen. Doch die Hostie war zu Boden gefallen. Eine Gotteslästerung, die nur durch den Bau einer Kirche gesühnt werden konnte. 1494 wurde St. Salvator als Friedhofskirche eingeweiht. Der Friedhof wurde 1789 aus hygienischen Gründen aufgehoben und ein Markt errichtet. Doch niemand wollte dort einkaufen und bis heute sollen sich nicht nur die erschlagene Hexe, sondern auch die Toten in den eingeebneten Gräbern bemerkbar machen. „Tatsächlich versprüht der Ort eine seltsame Atmosphäre und selbst bei schönem Wetter lassen sich auf den einladenden Bänken weder Touristen noch Obdachlose nieder“, sagt Süßmuth.

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