War es Suizid oder doch Mord? 

Sein Uropa zog den toten Kini aus dem Starnberger See

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Ade Huber, hier neben dem Bild von seinem Uropa, der Ludwig II. aus dem Starnberger See fischte, erzählt Kurioses im neuen Kini-Film.

Königsmord und Suizid? Im neuem Film werfen erstmals die Nachfahren von Zeitzeugen Fragen zum Tod von Ludwig II. auf

Der mysteriöse Tod des bayerischen Königs Ludwig II. fesselt die Menschen noch heute. Erstmals zeigt Filmemacher Klaus Bichlmeier nun ein ungekürztes Interview mit dem letzten lebenden „Zeitzeugen“ Willy Beyhl (96) der Öffentlichkeit. Auch Ade Huber (85), der Urenkel des Schlossverwalters Leonhard Huber, der die Leiche vom Kini aus dem See zog, kommt zu Wort in der neuen Filmversion. Diese feiert bei einer Show am Sonntag, 17. Juni, 15 Uhr im Gasteig Premiere.

„Das ist der Urknall in der Ludwigsforschung“, sagt zumindest Bichlmeier selbst. 

Auch Willy Beyhl (links) hat dem Filmemacher Klaus Bichlmeier (rechts) Pikantes über die Geschichte verraten.

Denn: Willy Beyhl, der im Schloss Nymphenburg lebte, erzählt im Film, er sei selbst dabei gewesen, als 1961 ein gewisser Kunze – Chauffeur der Wittelsbacher – klingelte, um eilig in der Waschküche des Schlosses den Nachlass von Ludwig II. zu verbrennen. Was Willy Beyhl und sein Vater dabei beobachtet haben wollen: „Der Mantel hatte zwei Einschusslöcher“, erzählt Bichlmeier.

Ein Indiz dafür, dass der Kini ermordet wurde? „Ich halte Beyhl jedenfalls für absolut glaubwürdig“, sagt Bichlmeier. „Ich habe ihm etliche Fangfragen gestellt. Er ist auf keine hereingefallen, er lügt nicht. Ob es Mord war, kann ich aber nicht sagen.“ Bis heute halten sich hartnäckig die Theorien, dass Ludwig II. nicht Selbstmord begangen hatte, sondern ermordet wurde. Offiziell gilt die Erklärung von 1886, laut welcher der Kini zuerst seinen Leibarzt Bernhard von Gudden ertränkt und dann Selbstmord begangen haben soll.

Ade Huber, der Enkel eines „Kronzeugens“, zeigt außerdem eine Urkunde im Film, die besagt, dass sein Uropa – kurz nachdem er die Leiche des Königs aus dem See gefischt hatte – plötzlich Gratis-Wohnrecht für das Schloss Nymphenburg bekam. Zufall? „Nein – eine Belohnung fürs Schweigen“, ist Bichlmeier überzeugt.

Das König Ludwig Kreuz im Starnberger See.

Hanni Kinadeter

"Ludwigs tragisches Ende war unausweichlich"

Christine Tauber

Eine tragische Figur, die gescheitert ist – so beschreibt Christine Tauber (50), Professorin an der LMU und am Zentralinstitut für Kunstgeschichte, den König von Bayern. Seit Jahren beschäftigt sie sich mit der Ludwigforschung und hat 2013 das Werk „Ludwig II. Das phantastische Leben des Königs von Bayern“ veröffentlicht. Was Tauber (Foto) von den Theorien über den mysteriösen Tod hält, verrät sie im Interview. hki

Frau Professor Tauber, was glauben Sie: Wie ist der Kini gestorben?

Ich will mich an Spekulationen darüber nicht beteiligen – ich halte das für eine Art Mystifizierung, die nicht viel über die Person von Ludwig II. aussagt, der eine äußerst tragische Figur war. Sein tragisches Ende war unausweichlich und ich halte es für pietätlos, da noch herumzuwühlen.

Woran machen Sie fest, dass sein Ende unausweichlich war?

In den Schriften, die es von Ludwig II. gibt, war schon lange vorher die Rede von Abdankung und Suizid. Ich glaube, dass man da keine Verschwörungstheorie dazu stricken muss.

Was macht ihn zu einer so tragischen Figur?

Ludwig II. wollte ein absoluter Monarch sein – in einer Zeit, in der das nicht mehr möglich war. Er hatte regelrechte Allmachtsfantasien, sein Umgang mit Untergebenen war zum Teil erschreckend. Wenn es einer wagte, ihm in die Augen zu sehen, musste er sich zu Boden werfen. Er bestrafte seine Dienerschaft auch – etwa durfte ein Diener dann acht Tage lang nur Milch trinken und keinen Kaffee. Ludwig II. hat irgendwann seine eigene Welt erschaffen, in der er lebte.

Inwiefern?

Er hat sich immer mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Dass er psychische Probleme hatte, ist unbestreitbar. Seine Art des Denkens spiegelt sich in der Architektur seiner Schlösser wider.

Wo zum Beispiel?

Neuschwanstein ist trotz Alpennähe nicht auf Aussicht ausgerichtet. Im Gegenteil, vor den Fenstern gibt es schwere Volants. Im Obergeschoss hat Ludwig II. eine Grotte geschaffen ohne natürliches Licht, in der er sich ganz von der Außenwelt abschotten konnte.

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