250 000 Euro für ein Pool-Wandgemälde?

Schwimmt dieser Friseur bald in Geld?

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Das Pool-Bild schmückte 2012 Wilhelms Friseursalon – wie schon 30 Jahre vorher „LeCoup“ von Gerhard Meir.

München – Wegen seines emotionalen Werts rettete ein Maxvorstädter Friseur ein Wandgemälde vor der Sanierung – jetzt soll dieses Pool-Bild plötzlich  250 000 Euro wert sein

Es ist eine Geschichte wie sie die Kunst schreibt, der Ruhm und das Leben. Im Mittelpunkt: Ein vergessenes Gemälde. Die Protagonisten: Friseur Andreas Wilhelm und Star-Figaro Gerhard Meir, der 1978 seinen ersten Laden „LeCoup“ in der Adalbertstraße zu etwas ganz Besonderem machen wollte. Deswegen kaufte er von den US-Künstlern Michael Cotten & Prairie Prince das Bild „Swimmingpool“ für 4000 Dollar und ließ das ungefähr fünf auf drei Meter große Bild an die Wand kleben.

Friseur Andreas Wilhelm, der mittlerweile Besitzer des Salons „Temple of Hair“ in der Arcisstraße ist, rettete das Poolbild eigentlich wegen seines emotionalen Werts.

Dort sah es dann der 19-jährige Andreas Wilhelm als er bei der Nachfolgerin Meirs arbeitete, die den Laden übernommen hatte. 2012 hatte er dann die Chance, das Geschäft zu übernehmen. „Als erstes ließ ich das Bild säubern – unter anderem von den Nikotinresten, anfangs wurde in dem Laden noch geraucht“, erinnert sich Wilhelm, der den Laden auch sonst wie zu Mairs Zeiten herrichten ließ. Doch 2014 verkaufte er ihn wieder, um sich ganz auf seinen ursprünglichen „Temple of Hair“ in der Arcisstraße zu konzentrieren, den er heute noch betreibt. Sein Nachfolger in der Adalbertstraße wollte den Laden umbauen, den „Swimmingpool“ weghaben. „Wir wollten den Swimmingpool retten, zu dritt haben wir einen Tag an dem Bild gesessen und es mit Rasierklingen von der Wand gekratzt“, erinnert sich Wilhelm. „Für mich war es ein Stück Zeitgeschichte, ein emotionaler Wert.“

Daraus könnte jetzt ein monetärer werden. In einem gerade erschienenen Artikel im Spiegel sagte Meir dem Magazin, das Bild, das er damals in seinem alten Laden vergessen hatte, sei heute 250 000 Euro wert. Eine Tatsache, von der Wilhelm wie er sagt „überrollt und überrascht“ wurde. „Wir wissen nicht, ob es tatsächlich so viel wert ist – es wurde nie geschätzt“, betont er. „Aber meine Lebensgefährtin hat jetzt die Künstler, die mittlerweile getrennt arbeiten, angeschrieben, um mehr über die Entstehungsgeschichte des Bilds zu erfahren.“ Ursprünglich wollten die beiden es 2014 in ihrer Wohnung in der Maxvorstadt aufhängen, doch es war zu groß. Also ließ es Wilhelm restaurieren und lagerte es in der Nähe von Augsburg ein. Von Gerhard Meir hat er noch nichts gehört. „Er kann sich gerne bei mir melden, aber verschenken werde ich es nicht.“

Maren Kowitz

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