Vorwurf: "Münchner CSU will Künstler mundtot machen"

Rückfall in die Ära Strauß? Der irre Polit-Streit um die #ausgehetzt-Kundgebung

+
„Mehr denn je, müssen wir uns jetzt für ,Bayern bleibt bunt’ stark machen.“ Deswegen hat Thomas Lechner die Demonstration #ausgehetzt ins Leben gerufen.

München - Die Demonstration #ausgehetzt richtet sich unter anderem gegen die Politik der CSU: Erst schießt diese daraufhin gegen die Kammerspiele, nun schießt jeder gegen jeden - Hallo erklärt den aktuellen Stand der Debatte

„Mehr denn je, müssen wir uns jetzt für ,Bayern bleibt bunt’ stark machen“. Von rund 150 Gruppierungen wird Thomas Lechner, der Initiator der Demonstration #ausgehetzt, unterstützt. Darunter: Die Münchner Kammerspiele. Die ausgehetzt-Debatte mit einem Brief des Musikers Martin Kälberer (Hallo berichtete), der sich wie ein Lauffeuer verbreitete.

Kein Wunder, dass sich bei derartigem Andrang früher oder später die Frage stellen muss, ob sich ein städtisches Theater das Recht herausnehmen darf, einen offiziellen Aufruf für eine Anti-CSU-Demo zu starten. 

Geht es nach CSU-Fraktionschef Pretzl, dann ist die Antwort ein klares NEIN. Per Antrag wollte er die Demonstration, die am Sonntag, den 22. Juli, stattfinden soll, untersagen. Und damit nicht genug: Er forderte außerdem „dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen“ gegen den Intendanten Matthias Lilienthal. 

Auch Bürgermeister Josef Schmid wehrt sich gezielt gegen den Aufruf. Am heutigen Vormittag (18. Juli) versäumte er absichtlich eine Pressekonferenz zur Verlängerung des Vertrags mit dem Volkstheaterchef Christian Stückl. Der Grund: Auch das Volkstheater hat den Demo-Aufruf unterzeichnet, der den Hass und die Ausgrenzung in der Politik kritisiert und sich gezielt gegen Seehofer, Söder, Dobrint und Kollegen richtet.

„Jeder kann als Privatperson seine Meinung frei äußern und beispielsweise an Demonstrationen teilnehmen. Das gilt für Herrn Lilienthal ebenso wie für Herrn Stückl oder auch Herrn Steer“, erklärte Bürgermeister Josef Schmid in einem offiziellen Statement. „Öffentliche Institutionen sind allerdings aus gutem Grund dazu angehalten, sich politisch neutral zu verhalten.“

Für die Unterstützer der Kundgebung ist dieses Verhalten nicht zu tolerieren. „Dass ich mich einmal gezwungen sehen würde, für meine Münchner Kollegen Matthias Lilienthal und Christian Stückl eine Solidaritätserklärung abzugeben, hätte ich noch vor ein paar Jahren nicht gedacht", regten sich Stimmen aus dem Residenztheater. Intendant Martin Kušej zeigt sich solidarisch: „Es kann nicht sein, dass den Kollegen ‚dienstaufsichtsrechtliche Maßnahmen‘ drohen, weil sie eine Demonstration unterstützen, die u. a. die Werte unserer demokratischen Grundordnung stärken möchte.“

Ähnlich sieht das die Stadtratsfraktion der Grünen. Grünen-Fraktionschef Dr. Florian Roth rief die Münchner CSU dazu auf, ihren Feldzug gegen die freie Meinungsäußerung umgehend einzustellen und sich stattdessen um die Probleme der eigenen Partei zu kümmern. Eine Partei die mit einem Grinsen von ‚Asyltourismus‘ (Söder) und einer  ‚Anti-Abschiebe-Industrie‘ (Dobrindt) sprechen könne, solle vielmehr an der Verrohung der eigenen Sprache arbeiten. Künstler aus dem politischen Diskurs auszugrenzen sei eine Unverschämheit. Denn schließlich ist es gerade das, was man von Kunst und Kultur erwartet: Eine Einmischung in die Politik.

Die geforderten ‚ dienstaufsichtsrechtlichen Maßnahmen‘ sind laut Micky Wenngatz, Landtagskandidatin der Münchner SPD, gerade noch ein Grund mehr, am 22. Juli in München auf die Straße zu gehen.

Lilienthal sieht die Forderung vielmehr gelassen: „Die können ja gerne versuchen, mich zum zweiten Mal rauszuschmeißen", scherzt er mit einem Lächeln.

Weitere Informationen zur Demonstration, die am 22. Juli um 13 Uhr an verschiedenen Standorten in der Stadt starten und um 15 Uhr mit der großen Schlusskundgebung am Königsplatz ihren Höhepunkt finden soll, gibt es online unter www.gemeinsam-fuer-menschenrechte-und-demokratie.de.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Billie Zöckler alias "Edda Pfaff"– "Kir Royal" Star ist gestorben
Billie Zöckler alias "Edda Pfaff"– "Kir Royal" Star ist gestorben
Ob Halloween oder Cosplay: Welche Regeln für Kostümierungen gelten
Ob Halloween oder Cosplay: Welche Regeln für Kostümierungen gelten
SUV statt CSU – Greenpeace Verändert Schriftzug an Parteizentrale
SUV statt CSU – Greenpeace Verändert Schriftzug an Parteizentrale

Kommentare