150 Kilometer fürs Grundeinkommen

Protestmarsch nach München

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Gabi Grundl wandert vom Städtchen Deggendorf, das sie auf dem Foto gerade verlässt, bis nach München.

München - Gabi Grundl hat alles in ihrem Leben gegeben, aber lebt jetzt von Hartz IV. Jetzt wandert sie von Deggendorf nach München, um ein Zeichen zu setzen

Gabi Grundl (59) aus Tattenberg bei Deggendorf hat acht Kinder großgezogen, sich um ihren schwerbehinderten Enkel gekümmert, ein Leben lang gearbeitet – teilweise in drei Jobs gleichzeitig. Doch was bleibt ist Hartz IV. Seit Monaten wartet sie darauf, dass ihre Rente genehmigt wird. Nun hat sie die Nase voll. Um sich für bedinungsloses Grundeinkommen einzusetzen, legt sie einen Gewaltmarsch hin – vom niederbayerischen Deggendorf bis nach München. Ihr Ziel: der Marienplatz.

Übernachtungsmöglichkeiten hat die auf dem Weg ausgemacht  

„Ich werde zwei bis drei Tage dort sein und mit Passanten sprechen. Auf den Marienplatz schaut jeder“, sagt Grundl. Übernachten wird sie in München bei ihren Kindern – vier davon, im Alter von 21 bis 41, leben in der Landeshauptstadt. „Meine Kinder sind stolz auf mich, aber natürlich machen sie sich auch ein bisschen Sorgen, weil ich einen so langen Weg alleine zurücklege. Jeden Tag muss ich ihnen am Telefon Bericht erstatten“, erzählt die 59-Jährige von unterwegs. „Im Moment geht es mir ganz gut. Meine Füße tun ein bisschen weh. Das Wetter spielt zum Glück ganz gut mit,“ berichtet sie, als sie kurz vor Landshut ist. Ihre Wanderung führt sie entlang des Radwegs an der Isar. Übernachtungsmöglichkeiten hat sie sich bei Freunden und Bekannten auf dem Weg ausgemacht.

Ihre Forderung: Bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland

Voraussichtlich am Samstag, 14. April, will die Achtfach-Mama nach neun Tagen Wanderung in München ankommen. Bei ihrem Fußmarsch gehe es ihr darum, ein Zeichen zu setzen. Sie fordert bedingungsloses Grundeinkommen für alle Menschen in Deutschland. Jeder bekäme die gleiche, gesetzlich festgelegte Summe Geld vom Staat, die die Existenz sichern soll. Man kann arbeiten und so viel Geld dazu verdienen wie man will oder auch nicht. Die Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP in Schleswig-Holstein diskutiert aktuell über einen Modellversuch.

Vor Erschöpfung brach sie vor drei Jahren zusammen

Die 59-Jährige hat ihr Leben lang gearbeitet. Nach ihrer Scheidung waren es bis zu drei Jobs, teilweise hat sie in der Gastronomie auch nachts noch gearbeitet und am Wochenende zusätzlich geputzt. Als dann vor drei Jahren der Zusammenbruch kam, arbeitete sie gerade als Filialleiterin in einer Bäckerei. „Irgendwann ist mir alles zu viel geworden. Ich habe meinen Job und meine Wohnung gekündigt. Ich wusste nicht mehr weiter“, erzählt sie. Mittlerweile lebt Grundl mehr schlecht als recht von Hartz IV in einer Doppelhaushälfte in Tattenberg neben einer ihrer Töchter und ihrem Enkel.

„Ausschlaggebend für meine Wanderung ist meine Erfahrung mit dem Jobcenter. Dort wurde ich sehr unfreundlich und respektlos behandelt“, sagt sie. Generell sei es eine Schande, dass die Armen, die Kinder, die Alten, Alleinerziehende und Asylanten keine Fürsprecher hätten. 

Laura Felbinger

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