München

Plötzlich katholisch: Drei Erwachseneerzählen, wieso sie sich taufen lassen

Nicht alles an der Kirche findet sie toll: Als sie ihre Tauf-Entscheidung der Familie verkündete, hat sie erst mal eine Überraschung erlebt: „Plötzlich erfuhr ich, dass mein Vater früher mal evangelisch war“, erzählt Eva-Maria Bachmeier. Dabei habe Religion in ihrem Elternhaus nie eine Rolle gespielt, „so war das da halt normal“, sagt Bachmeier über ihre Heimat Chemnitz. Doch schon als Kind in Sachsen ist Bachmeier mit dem Glauben in Kontakt gekommen: „Obwohl ich bekenntnislos war, bin ich immer zum Religionsunterricht gegangen – ich hatte keine Lust auf Freistunden“, berichtet die 22-jährige Bankkauffrau, die mittlerweile in Neuhausen wohnt. Und zwar zusammen mit ihrem Mann Florian, einem Katholiken – seinetwegen hat sie sich zur Taufe entschlossen. „Ich habe einfach gespürt, dass es so sein soll. Auch, weil ich so fundamentale Glaubenssätze wie die Zehn Gebote so grundsätzlich richtig finde.“ An die halten sich aber doch auch Protestanten? „Ja, aber ich habe die innere Sicherheit, dass ich katholisch sein will.“Auch, wenn sie nicht alles daran bejubelnswert finde, die Rolle der Frau etwa. „Aber wenn mir was nicht passt, dann versuche ich, das anders zu gestalten“, kündigt Bachmeier an. Sie will in der Kirche künftig mehr tun, als sich jetzt nur einmal kurz an ihre Taufkerze – ein Geschenk der Schwieger-Oma – zu klammern. Denn passiv sein, das sei nichts für sie. Was sie ja früher schon mit ihrem Freistunden-Boykott bewiesen hat.
1 von 3
Nicht alles an der Kirche findet sie toll: Als sie ihre Tauf-Entscheidung der Familie verkündete, hat sie erst mal eine Überraschung erlebt: „Plötzlich erfuhr ich, dass mein Vater früher mal evangelisch war“, erzählt Eva-Maria Bachmeier. Dabei habe Religion in ihrem Elternhaus nie eine Rolle gespielt, „so war das da halt normal“, sagt Bachmeier über ihre Heimat Chemnitz. Doch schon als Kind in Sachsen ist Bachmeier mit dem Glauben in Kontakt gekommen: „Obwohl ich bekenntnislos war, bin ich immer zum Religionsunterricht gegangen – ich hatte keine Lust auf Freistunden“, berichtet die 22-jährige Bankkauffrau, die mittlerweile in Neuhausen wohnt. Und zwar zusammen mit ihrem Mann Florian, einem Katholiken – seinetwegen hat sie sich zur Taufe entschlossen. „Ich habe einfach gespürt, dass es so sein soll. Auch, weil ich so fundamentale Glaubenssätze wie die Zehn Gebote so grundsätzlich richtig finde.“ An die halten sich aber doch auch Protestanten? „Ja, aber ich habe die innere Sicherheit, dass ich katholisch sein will.“Auch, wenn sie nicht alles daran bejubelnswert finde, die Rolle der Frau etwa. „Aber wenn mir was nicht passt, dann versuche ich, das anders zu gestalten“, kündigt Bachmeier an. Sie will in der Kirche künftig mehr tun, als sich jetzt nur einmal kurz an ihre Taufkerze – ein Geschenk der Schwieger-Oma – zu klammern. Denn passiv sein, das sei nichts für sie. Was sie ja früher schon mit ihrem Freistun­den-Boykott bewiesen hat.
Wie der Glaube ihn verwandelt hat: Er freut sich zwar, seine Taufe als Erwachsener bewusst genießen zu können. „Aber rückblickend hätte ich den Glauben gern schon als Kind gehabt“, sagt Robin D’Aversa. „Denn diesen Halt, den er gibt, hätte ich früher öfter brauchen können, etwa, als ich die Schule wechselte und keinen kannte“, erzählt der 27-jährige Fachinformatiker, der heute in Schwabing lebt. Aufgewachsen ist er im Münchner Umland, dort also, wo Kirche eine Größe ist. „Aber meine Eltern sind beide ausgetreten, Religion war bei uns daheim nie ein Thema“, berichtet D’Aversa. Das änderte sich für ihn, als er seine Freundin kennenlernte, die seit kurzem seine Frau ist. „Sie stammt aus einer katholischen Familie. Immer wieder habe ich sie und ihre Verwandten zu Messen begleitet – eben, weil es für die eben dazugehört.“ Und dabei wuchs in D’Aversa der Wunsch, auch dazuzugehören – zu den Katholiken. „Als ich mir überlegte, meiner Freundin einen Antrag zu machen, habe ich auch beschlossen, mich taufen zu lassen. Damit wir als künftige Familie mit einer Stimme sprechen.“Seine Stimme übrigens, die klingt bedächtig. Das passt zu der Wandlung, die D’Aversa an sich festgestellt hat: „Seitdem ich mich mit dem Christentum befasse, bin ich weicher geworden, weniger streng gegenüber anderen.“ Mild beurteilt er auch die Entscheidung seiner Eltern, nicht zur Taufe zu kommen: „So, wie ich frei bin, mir eine Religion zu wählen, sind auch sie frei, damit nichts am Hut haben zu wollen.“ D’Aversas Schwiegereltern indes, die feiern die Taufe nicht nur mit, die sind dafür essentiell: „Meine Schwiegermutter hat meine Taufkerze gebastelt und mein Schwiegervater ist mein Pate.“
2 von 3
Wie der Glaube ihn verwandelt hat: Er freut sich zwar, seine Taufe als Erwachsener bewusst genießen zu können. „Aber rückblickend hätte ich den Glauben gern schon als Kind gehabt“, sagt Robin D’Aversa. „Denn diesen Halt, den er gibt, hätte ich früher öfter brauchen können, etwa, als ich die Schule wechselte und keinen kannte“, erzählt der 27-jährige Fachinformatiker, der heute in Schwabing lebt. Aufgewachsen ist er im Münchner Umland, dort also, wo Kirche eine Größe ist. „Aber meine Eltern sind beide ausgetreten, Religion war bei uns daheim nie ein Thema“, berichtet D’Aversa. Das änderte sich für ihn, als er seine Freundin kennenlernte, die seit kurzem seine Frau ist. „Sie stammt aus einer katholischen Familie. Immer wieder habe ich sie und ihre Verwandten zu Messen begleitet – eben, weil es für die eben dazugehört.“ Und dabei wuchs in D’Aversa der Wunsch, auch dazuzugehören – zu den Katholiken. „Als ich mir überlegte, meiner Freundin einen Antrag zu machen, habe ich auch beschlossen, mich taufen zu lassen. Damit wir als künftige Familie mit einer Stimme sprechen.“Seine Stimme übrigens, die klingt bedächtig. Das passt zu der Wandlung, die D’Aversa an sich festgestellt hat: „Seitdem ich mich mit dem Christentum befasse, bin ich weicher geworden, weniger streng gegenüber anderen.“ Mild beurteilt er auch die Entscheidung seiner Eltern, nicht zur Taufe zu kommen: „So, wie ich frei bin, mir eine Religion zu wählen, sind auch sie frei, damit nichts am Hut haben zu wollen.“ D’Aversas Schwiegereltern indes, die feiern die Taufe nicht nur mit, die sind dafür essentiell: „Meine Schwiegermutter hat meine Taufkerze gebastelt und mein Schwiegervater ist mein Pate.“
Die Frau mit den zwei neuen Namen: Fast wäre sie bei einer anderen Religion gelandet: „Nachdem ich länger in Israel gelebt habe, überlegte ich, jüdisch zu werden“, erzählt Katja di Trani (40). Doch nun lässt sich die Gröbenzellerin, die als Sport- und Gesundheitswissenschaftlerin arbeitet, katholisch taufen. Wie kommt’s?„Obwohl ich aus Thüringen komme, wo Religion ja eher einen schweren Stand hat, habe ich schon lange eine spirituelle Sehnsucht verspürt.“ Als sie dann vor einiger Zeit eine holprige Phase durchmachte, samt Scheidung, da sei sie eben nicht mehr in Israel gewesen, sondern in Gröbenzell und dort daher oft in die Kirche gegangen. „Der Tauf-Kurs war dann die logische Folge, weil es mir durch meine Kirchenbesuche immer besser ging. Weil ich mich immer mehr gerufen fühlte.“ Gerufen von Gott, der für di Trani heute das Wichtigste überhaupt ist. Im Rückblick sagt sie über ihre Findungsphase: „Die dunkelste Stunde ist die vor dem Sonnenaufgang.“Und als Sonne versteht sich di Trani nun gewissermaßen selbst, jedenfalls strahlt sie ununterbrochen. „Ich genieße das Licht Gottes.“ Nicht nur die Helligkeit hat in di Tranis Leben zugenommen – auch die Länge ihres Namens: „Ab meiner Taufe heiße ich nicht mehr nur Katja, sondern auch noch Ava Elisabeth.“ Elisabeth zur Erinnerung an eine Großtante und Ava, da das so viel wie Liebe auf Hebräisch bedeutet. Ein Stücklein Judentum also, das hat di Trani sich dann doch bewahrt.
3 von 3
Die Frau mit den zwei neuen Namen: Fast wäre sie bei einer anderen Religion gelandet: „Nachdem ich länger in Israel gelebt habe, überlegte ich, jüdisch zu werden“, erzählt Katja di Trani (40). Doch nun lässt sich die Gröbenzellerin, die als Sport- und Gesundheitswissenschaftlerin arbeitet, katholisch taufen. Wie kommt’s?„Obwohl ich aus Thüringen komme, wo Religion ja eher einen schweren Stand hat, habe ich schon lange eine spirituelle Sehnsucht verspürt.“ Als sie dann vor einiger Zeit eine holprige Phase durchmachte, samt Scheidung, da sei sie eben nicht mehr in Israel gewesen, sondern in Gröbenzell und dort daher oft in die Kirche gegangen. „Der Tauf-Kurs war dann die logische Folge, weil es mir durch meine Kirchenbesuche immer besser ging. Weil ich mich immer mehr gerufen fühlte.“ Gerufen von Gott, der für di Trani heute das Wichtigste überhaupt ist. Im Rückblick sagt sie über ihre Findungsphase: „Die dunkelste Stunde ist die vor dem Sonnenaufgang.“Und als Sonne versteht sich di Trani nun gewissermaßen selbst, jedenfalls strahlt sie ununterbrochen. „Ich genieße das Licht Gottes.“ Nicht nur die Helligkeit hat in di Tranis Leben zugenommen – auch die Länge ihres Namens: „Ab meiner Taufe heiße ich nicht mehr nur Katja, sondern auch noch Ava Elisabeth.“ Elisabeth zur Erinnerung an eine Großtante und Ava, da das so viel wie Liebe auf Hebräisch bedeutet. Ein Stücklein Judentum also, das hat di Trani sich dann doch bewahrt.

München: Eva-Maria Bachmeier aus Neuhausen lässt sich in der Osternacht taufen – nur eine von 55 Erwachsenen, die jetzt in der Frauenkirche ihr Glaubensbekenntnis ablegen.

Die meisten Katholiken dürften daran nicht einen Funken Erinnerung besitzen: an ihre eigene Taufe. Denn für gewöhnlich findet die ja im Säuglingsalter statt. Nicht so bei den drei Menschen, die wir auf dieser Seite vorstellen. Sie zählen zu jenen 55 Personen, die sich in der Osternacht im Münchner Liebfrauendom von Reinhard Kardinal Marx in die Kirche aufnehmen lassen – als Erwachsene. Neben der Taufe bekommen sie nach einem mehrmonatigen Vorbereitungskurs auch gleich Erstkommunion und Firmung. Diese „Spät-Berufenen“ sind klar in der Minderheit: So gab es 2015 insgesamt 3473 katholische Taufen in der Stadt, davon waren bloß 54 Erwachsenentaufen. Demgegenüber standen damals übrigens 8048 Austritte. Sich bewusst für die Kirche zu entscheiden, das ist also alles andere als ein Trend. Vielmehr ist es ein Schritt, der mitunter – wie im Falle Robin D’Aversas – auf Unverständnis in der eigenen Familie stößt… Christopher Beschnitt

Auch interessant:

Kommentare