Nach Bürgergutachten

Viktualienmarkt: Einigen Standln droht der Abriss

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Nach Elke Fetts Informationen steht unter anderem ein Abriss des Gebäudes, in dem sich Blumen-Rainer und Gut-zum-Leben befinden, zur Debatte.

Altstadt: Behutsam, sanft und liebevoll – mit diesen drei Schlagworten beschreibt die Stadt die geplanten Sanierungsmaßnahmen am Viktualienmarkt. Doch was Markt-Sprecherin Elke Fett nun berichtet, klingt eher nach Abriss.

Marktsprecherin Elke Fett ist außer sich vor Zorn: „Die ganze Zeit hat die Stadt uns versprochen, der Viktualienmarkt werde behutsam, sanft und liebevoll saniert. Und nun erzählt man mir was von Abriss – sanft und behutsam geht anders!“

Was war passiert? Vor wenigen Tagen wurden die ersten Ergebnisse eines Bürgergutachtens zum Zukunftskonzept des Marktes veröffentlicht. Darin heißt es, an der Ecke Rosental und Frauenstraße Ecke Westenriederstraße sehen die Bürger Bedarf für eine Veränderung. Konkret betrifft dies die Abteilungen Zwei und Sechs, darunter fallen einige Standl wie Fisch Witte, Duftschmankerl und Blumen Rainer sowie das Café Nymphenburg und der Karl-Valentin-Brunnen.

„Das Café Nymphenburg soll abgerissen und wieder aufgebaut werden.“

Wie die Veränderungen aussehen, die sich die Stadt vorstellt, erfuhr die Marktsprecherin, als sie nach Veröffentlichung der ersten Ergebnisse mit Kommunalreferent Axel Marquardt und Viktualienmarkt-Architekt Rainer Hofmann gesprochen hat. „Mir wurde erzählt, dass die Planungen in die Richtung gehen, dass die Abteilungen Zwei und Sechs abgerissen werden“, sagt Fett. Für die 73-Jährige ein Schock. Der Grund: „Die Stadt will den Markt unterkellern. Das Café Nymphenburg soll unter anderem abgerissen und wieder aufgebaut werden“, berichtet Fett.

Maria Lechner (39), Pächterin des Café Nymphenburg, will das noch gar nicht glauben: „Wir haben erst vor zwei Jahren komplett saniert. Wir erfüllen den aktuellen Standard, ein Keller ist da. Warum sollte die Stadt uns abreißen wollen?“ Inge Rainer (66) macht sich da mehr Sorgen um ihren Blumenstand: „Ich finde das furchtbar! Wir haben soviel in den Stand investiert. Vor vier Jahren wurde für 30 000 Euro saniert. Wenn wir nun wegen Abriss und Wiederaufbau ein halbes Jahr schließen müssen, war’s das. Dann bin ich in Rente.“

„Wenn wir einen Abriss vorschlagen, haben wir die Bürger hinter uns."

Die Stadt freut sich indes über das Bürgergutachten. „Wir sehen uns durch das Gutachten bestätigt“, sagt Bernd Plank, Kommunalreferats-Sprecher. Man sei wie die Bürger der Meinung, bei Abteilung Zwei und Sechs müsse etwas getan werden.

Man sei froh, dass die Bürger nicht nur konservieren, sondern auch verändern wollen. Mehr noch: „Das Gute ist, wenn wir jetzt einen Abriss vorschlagen, haben wir die Bürger hinter uns. Wir würden natürlich nur dort abreißen, wo es nötig ist“, betont Plank. Er bestätigt, dass Keller saniert werden müssen – welche, stünde nicht fest.

„Jetzt schiebt die Stadt die Bürger vor. Die haben sie bestimmt vorher genügend beeinflusst“, empört sich Elke Fett gegenüber Hallo München. „Aber wir lassen uns nicht abreißen!“ Bei einer Bürgerversammlung am Donnerstag, 7. Dezember (siehe unten), will sie ihre Meinung kundtun.
Laura Felbinger

Bürgerversammlung
Am Donnerstag, 7. Dezember, findet um 19 Uhr eine Bürgerversammlung des Stadtbezirks Altstadt-Lehel im Festsaal im Alten Rathaus, Marienplatz 15, statt. Ein Schwerpunktthema sind die Planungen zum Viktualienmarkt. Alle Besucher, die an den Abstimmungen teilnehmen wollen, sollen ihren amtlichen Lichtbildausweis mitbringen, um sich als Stadtviertel-Bürger ausweisen zu können.


Pflanztröge sollen gegen Anschläge schützen

Endlich bekommt der Viktualienmarkt seine von Standl-Besitzern ersehnten Betonsperren zum Schutz vor Anschlägen durch Lastwagen. Diese wurden nun in Form von Pflanztrögen an den Zufahrten am Rosental und an der Blumenstraße aufgestellt (Foto). 

Bereits Anfang September hatte sich Marktsprecherin Elke Fett mit einer entsprechenden Bitte an die Stadt gewandt. „Nun fühlen wir uns zumindest sicherer“, betont Fett. „Aber es ist schade, dass man erst ernst genommen wird, wenn etwas in der Presse steht.“ Vor ein paar Tagen hatte auch die tz über Fetts Forderung berichtet. „Wir haben dieses Jahr zum ersten Mal an einigen Weihnachtsmärkten Betonsperren“, sagt Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Das Aufstellen der Sperren sei noch nicht abgeschlossen. Eine konkrete Gefährdungslage sei aber nicht vorhanden.

laf

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