„Er wollte mich töten“

Nach Angriffen: Feuerwehr startet Respekt-Kampagne

Reinhold Zitzlsperger ist seit 31 Jahren bei der Berufsfeuerwehr in München. Er wurde schon mehrfach angegriffen.

München: Die Attacken auf Einsatzkräfte steigen an. Ein Feuerwehrmann berichtet nun von einem brutalem Angriff.

Es ist ein Einsatz, den Reinhold Zitzlsperger nie vergessen wird – auch wenn er schon eine Zeit lang her ist. Der Feuerwehrmann kommt mit einem Notarzt an, ein bewusstloser Mann kommt gerade wieder zu sich, befühlt seine Nase, spürt das Blut, öffnet die Augen, sieht Reinhold Zitzlsperger an und sagt: „Das warst du. Ich werde dich töten.“

Noch heute läuft dem 56-Jährigen ein Schauer über den Rücken, wenn er an den Einsatz im Münchner Norden denkt. Mit Fäusten, Fußtritten und Kopfnüssen ist der Betrunkene auf ihn und den Notarzt losgegangen. „Wir hatten Glück, dass wir ausweichen konnten – der Notarzt war Amateurboxer.“ Doch der Mann meinte es ernst, er nahm schließlich eine Keramikschale und versuchte sie zu brechen, um den Brand­inspektor mit den Scherben zu töten. Noch Wochen später hat der Feuerwehrmann ein mulmiges Gefühl, wenn er zum Einsatz fährt. „Wenn man einmal erlebt hat, dass es so etwas gibt, ist das etwas anderes“, erzählt er.

Zitzlsperger ist kein Einzelfall: Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt zu – und nicht nur bei der Feuerwehr (siehe unten). Deswegen startet die Feuerwehrgewerkschaft jetzt eine Kampagne, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren. Unter anderem ist in einigen Münchner Kinos ab sofort ein Imagefilm (kl. Foto) zu sehen. „Die Attacken und Angriffe sind definitiv mehr geworden“, sagt Siegfried Maier, Landesvorsitzender in Bayern von der Deutschen Feuerwehrgewerkschaft. Beschimpfungen, Anspucken oder körperliche Angriffe – für die Feuerwehrmänner leider Alltag. „Frustrierend ist das vor allem für die vielen Freiwilligen“, sagt Siegfried Maier. „Da wollen sie helfen, bringen ihr Leben in Gefahr – und dann werden sie angegriffen.“ Auch das sei ein Grund, warum die Feuerwehr immer weniger Nachwuchskräfte findet. „Schlimm ist auch die Selfie-Manie“, sagt er. Immer häufiger stören lästige und aufdringliche Gaffer und verhindern im schlimmsten Fall sogar, dass die Einsatzkräfte ihre Arbeit machen können. 

Reinhold Zitzlsperger hat vor allem eines geholfen: „Nicht nur ich habe den Betrunkenen angezeigt, sondern auch mein Arbeitgeber.“ Da habe er gemerkt, dass sein Chef hinter ihm steht. Nach dem Vorfall gab es außerdem ein Jahr lang Schulungen für die Mitarbeiter in der Feuerwache 7, bei dem die Feuerwehrmänner lernten, wie sie deeskalierend eingreifen können. „Das war sehr gut“, lobt Zitzlsperger.

Doch ein solches Training bekommen längst nicht alle Einsatzkräfte: „In München bekommen in diesem Jahr alle Führungkräfte eine Schulung“, sagt Siegfried Maier und kritisiert: „Das reicht aber nicht. So etwas müsste es flächendeckend geben.“

Heute hat Zitzlsperger das Ganze abgehakt. „Ich liebe meinen Beruf“, sagt er selbstbewusst. „Das lasse ich mir von niemandem verderben.“
Hanni Kinadeter

Der neue Imagefilm

Eine Minute lang dauert der Imagefilm, der ab Mittwoch, 10. Januar, in einigen Münchner Kinos zu sehen ist. Zu Wort kommen betroffene Einsatzkräfte, die Gewalt am eigenen Leib erfahren haben, aber beispielsweise auch der bayerische Innenminister Joachim Herrmann. Sie alle plädieren für mehr Respekt den Rettungskräften gegenüber – immerhin riskieren diese häufig ihr eigenes Leben für das Wohl anderer.

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