Das Finanzamt langt kräftig zu

Münchner Mietwahnsinn: Kein Spielraum für faire Vermieter

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Dr. Wolfgang Donhärl würde seine Wohnungen gerne zu einem fairen Preis vermieten. Doch er muss selbst dafür bezahlen.

München – Frust und Erschütterung prägten der sechsten Mieterstammtisch der Stadt – Hallo erklärt, warum es fast unmöglich ist, sich in diesen Zeiten Spekulationen zu verweigern

München Angst vor dem Rauswurf, schlaflose Nächte wegen explodierender Mieten – beim 6. Mieterstammtisch (Hallo berichtete über den ersten Stammtisch) wurde einmal mehr deutlich, wie groß die Existenzsorgen der Münchner Mieter sind.

Beim 6. Mieterstammtisch machten nicht nur Mieter, sondern auch Vermieter ihrem Ärger Luft.

Mehr als 60 waren gekommen. Und längst nicht nur Mieter: Auch Vermieter Dr. Wolfgang Donhärl aus der Aurbacherstraße war vor Ort. Sein Fall zeigt, warum es aktuell keine Verbesserung des Miet-Wahnsinns geben kann. Der Haidhauser verlangt nur moderaten Mieten – wird dafür aber vom Finanzamt kräftig zur Kasse gebeten.

„Ich habe vor einem Jahr mit meiner Schwester von meiner Mutter ein Mietshaus in der Aurbacherstraße geerbt. Wir haben 13 Wohneinheiten, wohnen auch selbst darin. Also haben wir nicht nur Mieter sondern auch Nachbarn.“ Deshalb gehen seine Mieten bei 5,50 Euro je Quadratmeter los. Obwohl das Haus bereits Baujahr 1901 ist, ein mehr als fairer Preis. Das Finanzamt kennt aber keinen Spielraum für faire Vermieter.

Denn die Erbschaftssteuer bemisst sich am Wohn-Richtwert. „Da in Haidhausen darunter auch viele Spekulationsobjekte fallen, geht dieser Wert seit zehn Jahren durch die Decke.“ In Zahlen bedeutet das für Donhärl nach eigener Auskunft: „Wir haben rund eine Million Euro Steuern zu zahlen – verdienen an unserem Haus im Jahr aber nur 125 000 Euro.“

Dr. Florian Schorner vom bayerischen Landesamt für Steuern erklärt: „Der Wohn-Richtwert wird alle zwei Jahre von dem Gutachterausschuss München nach sorgfältiger Prüfung festgesetzt. Das Finanzamt muss sich dann an die Werte des Ausschusses halten und die Steuer anpassen.“

Da der Gutachterausschuss also den Spekulationsmarkt miteinberechne, sieht Wolfgang Donhärl nur zwei Möglichkeiten: „Entweder ich gehe mit den Mieten hoch, oder ich verkaufe die Bude.“ Leidtragende seien in beiden Fällen die Mieter. 

Julia Langhof

Im Unklaren gelassen

Jens van Rooij leidet unter der ständigen Ungewissheit um die Zukunft seiner Wohnung.

Die ehemalige Bundeswehrwohnung von Jens van Rooij in der Schleißheimer Straße wurde aufgekauft, seitdem herrscht in der Siedlung Ungewissheit. „Still und heimlich wurde übernommen. Seitdem werden wir im Unklaren gelassen.“

In Angst wegen Abriss

Ernesto Lukschik befürchtet den Abriss mehrerer Häuser in seiner Straße.

Ernesto Lukschik lebt in der Hochstraße 71. Er hat Sorge, dass die Häuser nach einem Verkauf zum Abriss freigegeben werden, denn auf dem Grundstück sollen 200 Luxus-Wohnungen entstehen. „Wir Mieter wissen noch nichts Genaues. Ich schlafe schlecht und habe Angst vor der Zukunft.“

Mehr Miete, weniger Spaß

Simone Hoffmann beklagt die steigenden Mietkosten.

Simone Hoffmann wohnt an der Adams-Lehmann­-Straße– seit Jahren erhöhe die GBW ihre Miete. „Es ist traurig, wenn die Kinder nicht das Gleiche wie ihre Freunde kriegen, weil über die Hälfte des Gehalts für Miete draufgeht.“

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