Gesucht: Initiativen, die Obdach in Not vermitteln

Münchner Herbergssuche – diese Orte bieten einen Platz

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Die Initiative „Mein Papa kommt“ bietet Vätern ein Zuhause auf Zeit.

München – Vor den Feiertagen hat sich Hallo auf die Suche nach Initiativen gemacht, die Obdach in Not vermitteln – und ist dabei auf jede Menge Weihnachtszauber gestoßen

„Das Kind braucht den Papa.“ Das steht für Annette Habert (58) fest. Gemeinsam mit Jobst Münderlein leitet sie das Projekt „Mein Papa kommt“. Gegründet wurde es vor 10 Jahren – Auslöser war der neunjährige Sven. Auf dem Parkplatz einer Milbertshofener Schule kam er auf die Religionspädagogin zu und bat sie um Hilfe. „Wenn mich mein Papa besucht, dann schläft er im Auto. Deshalb kommt er nur im Sommer.“ Habert berührte diese Geschichte, fragte Freunde und Verwandte, die sofort bereit waren Svens Papa aufzunehmen. „Ich war überrascht, wie offen die Menschen dafür waren.“ Die Geburtstunde eines in Deutschland einmaligen Netzwerkes mit aktuell rund 1400 Gastgebern, in München sind es 82.

Annette Habert (58) bietet Vätern in München ein Zuhause auf Zeit.

„Jedes Jahr bekommen wir kurz vor Weihnachten einen Anruf für eine Herberge an den Feiertagen – bisher immer mit Erfolg.“ Innerhalb von wenigen Tagen klappt die Vermittlung von Gastgebern. Maximal drei Wochen Vorlauf braucht es, „damit man beim nächsten Papa-Wochenende eine Unterkunft hat“. Aber die Nachfrage steigt rasant. Das Angebot richtet sich nicht nur an Väter. Doch das Verhältnis ist klar: 90 Prozent der Herbergsuchenden sind Männer. Wenn ein Gastgeber gefunden ist, entsteht über die Jahre eine enge Bindung. Und so lud ein Papa, der seit Jahren zu Gast bei einem älteren Ehepaar gewesen war, den mittlerweile verwitweten Gastgeber zu Weihnachten zu sich ein.

Damit das Netzwerk noch mehr von den rund 140 000 Kindern, die allein von Scheidungen jedes Jahr betroffen sind, helfen kann, wurde bei der Stadt eine Regelförderung beantragt. Bisher stützten private Spender das Projekt, sowie der Mitgliedsbeitrag von monatlich zwölf Euro.

Neben Unterkünften werden auch „Kinderzimmer auf Zeit“ gesucht. „Elternliebe braucht Privatsphäre“, erklärt Habert. Ein Vater wandte sich an sie, da er Sonntags ein paar Stunden Umgang mit seinem Neugeborenen hatte – und nicht wusste wohin. Kurzerhand ging er mit dem Baby in einen Waschsalon. Nun wendet sich Flechtwerk – wie die 2012 gegründete Gesellschaft hinter „Mein Papa kommt“ heißt – an Kindergärten, Elterninitiativen und Kirchengruppen. „Es braucht nicht viel: ein Dach über dem Kopf, eine Toilette oder Wickeltisch und eine kleine Spielecke.“ Jede Geschichte ist eine andere, daher gibt es das pädagogische Eltern-Coaching, um die beste Lösung für das Kind zu finden. 

Habert war selbst alleinerziehende Mutter von zwei Kindern und einem Pflegekind. Dabei hat sie deutlich gemerkt: „Ich kann als Alleinerziehende das Geld für die Familie verdienen, eine Bohrmaschine bedienen, den Haushalt alleine schultern, aber ich kann nicht den Papa ersetzen.“ Wie wichtig die Elternbindung ist, hat sie als Kind bei ihrem eigenen Vater erlebt. Der wuchs im Waisenhaus auf und fand als Erwachsener seinen leiblichen Vater. „Diese tiefe Sehnsucht nach den Eltern kennt jeder.“ Besonders zu Weihnachten.

sab/so

Hilfe für Wohnungs- und Obdachlose

Im „Adolf Mathes Haus“ gibt es 60 Wohnplätze, die als Unterkünfte für Obdachlose fungieren.

9000 Menschen sind in München wohnungslos gemeldet. Etwa 550 Menschen leben obdachlos auf der Straße. Die Stadt erweitert die Bayernkaserne, um dort in Zukunft mehr Unterkünfte bieten zu können. Auch der Katholische Männerfürsorgeverein bietet Unterstützung: In Übergangs- und Eingliederungshäusern bietet er Raum für Wohnungslose und Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Im „Adolf Mathes Haus“ gibt es zum Beispiel 60 Wohnplätze, die bis zu 18 Monate und bei Bedarf auch länger genutzt werden können.

#offenetueren

So geht Hilfsbereitschaft im Computerzeitalter: In den dramatischen Stunden um den Amoklauf am Olympiaeinkaufszentrum 2016 boten Internet-User in den Sozialen Medien ihre Hilfe an: Sie verwendeten die Hashtags #opendoors und #­offenetueren, um anderen zu zeigen, dass sie bei ihnen zu Hause unterkommen können. Bereits bei den Anschlägen in Paris 2015 konnten Schutzsuchende so Unterschlupf finden.

Wohin bei Evakuierung?

Während der Entschärfung der Fliegerbomben, die Anfang Dezember bei Bauarbeiten gefunden wurden, wurden die evakuierten Personen in der Hochschule München untergebracht.

Gleich zwei Fliegerbomben wurden Anfang Dezember in München bei Bauarbeiten gefunden (Hallo berichtete). Während Experten die Bombe in der Infanteriestraße entschärften, kamen die Anwohner in der Hochschule München unter. „Wir haben das Foyer und Hörsäle bereitgestellt“, erzählt Gebäudemanager Gerhard Fritz. „Um 15 Uhr kam der Einsatzleiter, um 18 Uhr war alles bereit.“ Übernachtungen waren zwar nicht erforderlich, da die Anwohner gegen 22 Uhr zurück nach Hause konnten. Auf den Ernstfall wären Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste und Hochschule vorbereitet gewesen: Feldbetten, weitere Räume, Verpflegung waren auf Abruf bereit.

Pflegefamilien

Sie bieten in Notsituationen den Kleinsten eine neue Heimat: Pflegeeltern. Bei der Kurzzeitpflege werden Kinder für maximal sechs Monaten betreut, zum Beispiel, wenn die Eltern im Krankenhaus sind. Kinder bis zu sechs Jahren, die kurzfristig vom Jugendamt aus der Familie genommen werden müssen, können bei Bereitschaftspflegefamilien für rund sechs Monate unterkommen. Da diese Kinder häufig mit Problemen zu kämpfen haben, müssen die Pflegeeltern eine pädagogische Ausbildung haben. Für Kinder, deren Eltern auf Dauer nicht in der Lage sind, sich um sie zu kümmern, gibt es die unbefristete Vollzeitpflege.

Unterkunft: Couch

Im Internet schließen sich Rucksacktouristen – auch bekannt als „Couchsurfer“ – zusammen, um sich auf Reisen zu treffen und sich gegenseitig Schlafplätze zu bieten.

Beim Reisen lernt man Land und Leute kennen – umso besser, wenn man während des Aufenthalts bei ihnen wohnt. „Couchsurfer“ wissen das. Im Internet schließen sich die Rucksacktouristen zunächst zusammen, um sich auf Reisen zu treffen und gegenseitig Schlafplätze anzubieten. Auf diese Weise lernt man Einheimische kennen und erhält so einen tiefen Einblick vor Ort. In München gibt es laut Unternehmenswebsite derzeit 48 730 Gastgeber. 2004 wurde die Website „Couchsurfing“ gegründet, heute nutzen Millionen User den Service.

Weihnachten im Ronald McDonald Haus München am Deutschen Herzzentrum

Im Ronald McDonald Haus München finden Familien mit schwer kranken Kindern ein Zuhause auf Zeit – und können somit vereint Weihnachten feiern.

Das Ronald McDonald Haus München am Deutschen Herzzentrum bietet Familien schwer kranker Kinder ein Zuhause auf Zeit. Seit 1995 können hier die Angehörigen der jungen Herzpatienten in der Zeit der Behandlung wohnen. Besonders an Weihnachten versucht das Team um Leiterin Tanja Forderer-Barlag ihr Bestes, um den Familien den Aufenthalt angenehm zu machen. Und als Dank ereignet sich auch mal eine Weihnachtsgeschichte mit Happy-End: Am 24. Dezember 2012 wird im Oberland ein Kind geboren, mit dem Hubschrauber das Neugeborene in die Klinik gebracht. Dann kam der Anruf im Ronald McDonald Haus: Der Vater braucht eine Unterkunft. Bis heute pflegt Forderer-Barlag den Kontakt zur Familie – „besonders an Weihnachten schreiben wir uns und denken aneinander.“ Heute geht es dem Buben prächtig. „Uns verbindet etwas ganz Besonderes“, sagt die Leiterin Forderer-Barlag. Heuer werden dort etwa 20 Familien Weihnachten feiern – dabei treffen oft Kulturen aufeinandern. Wir haben mit einem Vater aus dem Oman gefeiert, der ist heute ein glühender Weihnachtsfan!“ Dieses Jahr sich eine russische Familie angekündigt. „Sie sind schon gespannt auf die deutschen Bräuche!“

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