Mehr als nur Fußball

Münchner Amateur-Kicker treten aus dem Schatten der Profis – durch Integrationsarbeit

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Abseits vom Spielfeld setzt sich Tim Frohwein für mehr Anerkennung des Amateurfußballs ein.

Oft steht der Amateurfußball im Schatten der Profi-Mannschaften. Das soll sich mit der Veranstaltung "Mikrokosmos Amateurfußball" jetzt ändern

Tim Frohwein

Keine Duschen, zu wenig Platz in den Kabinen und ramponierter Kunstrasen: Nicht nur die Gegner auf dem Spielfeld machen Münchens Amateurfußballern zu schaffen. Oft steht ihr Sport im Schatten der Profis – ein Umstand, den Tim Frohwein (kl. Foto li.) mit der Veranstaltung „Mikrokosmos Amateurfußball“ nun ändern möchte. Denn der Vereinssport leiste eine wichtige gesellschaftliche Funktion: „Keine andere Sportart in Deutschland bringt so viele unterschiedliche Menschen zusammen“, sagt der Lehrbeauftragte an der Hochschule ­Fresenius München. „Und als Begegnungsort kann Fußball dazu beitragen, Vorurteile abzubauen.“ Die Münchner Amateurfußballvereine sind sehr heterogen, ihre Spieler kommen aus verschiedenen sozialen Schichten und haben eine unterschiedliche ethnische Herkunft. „Gerade in Vierteln, wo schwierige Bedingungen herrschen, stiftet der Verein Identität, schafft Ziele und Perspektiven.“

Bernhard Slawinski

Die positiven Effekte dürfen jedoch nicht über Probleme hinwegtäuschen. Es komme auch zu Spannungen und Konflikten, zudem gebe sich der Amateurfußball oft konservativ, etwa was sexuelle Orientierung oder die Rolle der Frau angeht. Aber gerade weil sich der Amateurfußball hoher Beliebtheit erfreut, biete er die Möglichkeit, gesellschaftspolitischen Anstoß zu geben. In München kicken etwa 25 000 Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren in 1877 Mannschaften, circa 6300 Erwachsene spielen in 417 Mannschaften. Diesen Zulauf würdigt auch die Verwaltung. „Vor vier bis fünf Jahren hat die Stadt nicht genügend gemacht, aber mittlerweile haben wir ein gutes Verhältnis“, sagt Bernhard Slawinski, Kreis-Vorsitzender München des Bayerischen Fußballverbands. „Sie hat noch nie zuvor so viel Geld in die Hand genommen, um den Amateurfußball zu fördern“.

Für 3,38 Millionen Euro wird etwa die Bezirkssportanlage Feldbergstraße saniert. Damit ist ein maroder Platz Geschichte, doch ein Problem bleibt: „Wenn man München in Verbindung mit Fußball bringen will, werden immer erst Vereine wie der FC Bayern und 1860 genannt.“ Die Krux: Gerade die Profis schaffen Idole, die viele zum Amateursport bringen, der sozial auch mal mehr leiste als der Profi-Fußball. Warum also nicht die Allianz-Arena gegen die Bezirkssportanlage eintauschen und den Mikrokosmos Amateurfußball erleben. S. Obermeir 


Mikrokosmos Amateurfußball, Dienstag, 20. Februar, 14 bis 17 Uhr, Hochschule Fresenius, ­Infanteriestraße 11a. Die Teilnahme ist kostenlos, Anmeldung: ­Uta­.­Loehrer@stmbw.bayern.de

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