„Sehbehindert – aber Richtig“

Die eigenen Erfahrungen teilen –Hier lernen Blinde Tipps und Tricks

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Vanesssa Manders (links) und Daniel Musizza (rechts) im neuen Vereinsraum von „Sehbehindert – aber Richtig“

Daniel Musizza und Vanessa Manders wollen ihre Erfahrungen als Sehbehinderte an andere weitergeben. Wie sie das machen und was sie für Tricks kennen...

Schwabing – Daniel Musizza und Vanessa Manders leben seit der Geburt mit einer Sehbehinderung. Er ist auf dem rechten Auge blind, auf dem Linken sieht er etwa zehn Prozent. Sie sieht auf dem einen Auge drei, auf dem anderen 15 Prozent. Durch den Verein „Sehbehindert – aber Richtig“ versuchen sie anderen Menschen mit einer Sehbehinderung unterschiedliche Möglichkeiten zu zeigen, wie man erfolgreich mit der eigenen Behinderung umgehen kann. 

Bald nutzen sie dafür auch den neuen Vereinsraum in Schwabing. „Wenn man von Geburt an sehbehindert ist, hat man eine andere Form der Wahrnehmung, da man es nicht anders kennt“, sagt Manders. Deshalb sei eine verstärkte kognitive Leistung und Orientierungen anhand Farben, Formen oder markanten Punkten normal. Man entwickele außerdem Strategien im Alltag. „Das passiert ganz automatisch, da denkt man gar nicht drüber nach“, sagt Musizza. 

Fährt er beispielsweise mit der U3, orientiert er sich folgendermaßen: „Das kürzere Wort bedeutet, es geht Richtung Moosach und nicht nach Fürstenried West.“ Manders verrät einen anderen Trick: „Ich zücke das Handy, mache ein Foto und zoome heran.“ Die Idee, eigene Erfahrungen an Jüngere weiterzugeben, hatte Musizza vor zehn Jahren mit einem alten Schulkameraden. Inzwischen ist der Verein deutschlandweit mit Schulen vernetzt. 

Der gebürtige Münchner erklärt: „Beim Wechsel von einer Förderschule in den normalen Ausbildungsmarkt muss man sich viel erklären und braucht einige Skills.“ Er selbst hat nach einer Ausbildung im Einzelhandel und zehn Jahren im Beruf Soziale Arbeit studiert. Auch Manders ist eine studierte Sozialpädagogin. Die zwei wissen genau, wie sie mit den jungen Menschen umgehen müssen. 

Im Vordergrund der Workshops stehen Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Behinderungsbewältigung, das Hervorheben von eigenen Stärken oder Ausgleichsstrategien im Alltag. Musizza: „Wir diskutieren auch die Vor- und Nachteile, seine Behinderung zu zeigen.“ 

Eine Sache ist dabei immer zentral: „Es ist mindestens ein sehbehinderter oder blinder Referent dabei“, erklärt er. „Damit kommen wir viel besser an die Jugendlichen ran.“ Dennoch betont Manders: „Wir sagen nie, was richtig oder falsch ist. Jeder soll den richtigen Umgang für sich selbst finden.“ 

kf

Mehr über den Verein

2009 entstand „Sehbehindert – aber Richtig“ als Initiative, 2013 wurde daraus ein gemeinnütziger Verein. Bislang haben die Ehrenamtlichen hauptsächlich Workshops und Vorträge an Schulen für Blinde und Sehbehinderte veranstaltet, um die Jugendlichen auf die Arbeitswelt vorzubereiten. Zudem bieten sie Fortbildungen für Lehrkräfte. 

Neu ist jetzt der Vereinsraum in Schwabing, Schleißheimer Straße 278, in dem es bald auch Workshops für Erwachsene gibt.

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