Ärger wegen nackter Haut

Tabledance-Bars und Trinkgelage – Wie viel Vergnügen darf es in Wohnvierteln geben?

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Eine Tabledance-Bar wirbt nachts mit einer Frau in sexy Pose  – zum starken Missfallen von Anwohnern der Karlstraße . 

Tabledance-Bars, Spielhalle und Wettbüros – oft keine Traumnachbarn für die Anwohner. In der Karlstraße gibt es jetzt Stunk wegen sexy Werbung und Trinkgelagen auf offener Straße.  

MAXVORSTADT Eine leicht bekleidete Frau rekelt sich kopfüber an einer Stange – hiermit wirbt die neue Tabledance-Bar in der Karlstraße abends auf Bildschirmen, die Richtung Straße zeigen. „Das Zimmer meiner kleinen Tochter zeigt in die Richtung der Bar. Ich möchte nicht, dass sie das sieht“, empört sich Melanie W. über die Bildschirme. Vor allem die Angst, was dort womöglich sonst noch gezeigt wird, plagt die junge Mutter. 

In der Karlstraße zeigen jetzt sogar Reklamebildschirme mit leicht bekleideten Tänzerinnen in Richtung der Straße.

„Die Bezirksinspektion könnte bei einer vorliegenden Jugendgefährdung die Nutzung der Bildschirme jederzeit unterbinden. Bislang liegen aber keine Beschwerden vor“, erklärt Johannes Mayer vom KVR. Dennoch sei die Betreiberin bereits instruiert worden, die Bildschirme erst ab 22 Uhr in Betrieb zu nehmen und keinerlei pornographisches oder jugendgefährdendes Bildmaterial auszustrahlen. Dies habe die Betreiberin der Bezirksinspektion auch zugesagt. 

Direkt neben der Tabledance-Bar befindet sich eine Spielhalle, gegenüber außerdem ein Wettbüro. „Es kommt zu einer Häufung solcher Lokalitäten. Ein Mischgebiet wird dadurch zum reinen Vergnügungsviertel“, findet W. Für Spielhallen gilt derzeit ein Mindestabstand von 500 Metern, weshalb Mayer nicht von einer Zunahme von Spielhallen ausgeht. 

Im Bereich der Wettbüros sieht die rechtliche Lage jedoch anders aus

Mayer: „Es gilt rechtlich kein Mindestabstand. Daher werden derzeit alle Sportwettbetriebe durch die Genehmigungsbehörde faktisch geduldet.“ Der BA Maxvorstadt hofft diesbezüglich auf eine baldige Veränderung und verabschiedete einstimmig einen Antrag der SPD. Dieser fordert die Stadt nämlich auf, Genehmigungsverfahren für Einrichtungen von Wettbüros, Wettannahmestellen und Tabledance-Bars in Wohngebieten restriktiver zu begleiten. 

Mögliche Ansätze könnten neue städtische Satzungen und Verordnungen sein, die analog zum Genehmigungsgverfahren von Spielhallen funktionieren, wenn sich mehrere dieser Betriebe in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander befinden. 

Trinkgelage auf dem Weg zur Kita

Auf ein weiteres Problem in der Nachbarschaft verweist Eva S.: Regelmäßig komme es an Bänken bei der Trambahnhaltestelle „Karlstraße“ zu Trinkgelagen. „Egal zu welcher Uhrzeit, dort ist immer Party“, schildert sie. 

Auf diesen Bänken an der Haltestation "Karlstraße" wird regelmäßig über den Durst getrunken.

Vor allem wegen ihren kleinen Kinder sorgt sich die Mutter: „Sogar morgens auf dem Weg zur Kita ist es dort laut. Außerdem wird alles zugemüllt.“ Manchmal komme es sogar dazu, dass auf die Straße uriniert werde. „Ich weiß nicht, wie ich das meinen Kindern erklären soll“, sagt die Anwohnerin.

Eva S. sorgt sich wegen den Trinkgelagen in der Karlstraße um ihre Kinder.

Das Problem sieht S. vor allem im Alkoholverbot am Bahnhof, wodurch es zu einem Verdrängungseffekt komme. „Das Instrument ist grundsätzlich gut, aber es wurde nicht an die Folgen gedacht.“ Sven Müller, Sprecher der Polizei, erklärt: „Die Verdrängungssituation ist aus polizeilicher Sicht bekannt, aber nicht so, dass es Einsätze verursacht hat.“ Eine erhöhte Kontrollsituation gäbe es allerdings an der Ecke Dachauer Straße/ Luisenstraße. 

kf

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