Schmutziger Luxus?

Zwischen Sicherheit und Smog – Zwei Experten über Gefahren und Chancen von Licht

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Im Rahmen der Lichtwoche setzen Künstler Highlights, wie hier am Gärtnerplatz. 

In Zeiten von "Fridays for Future" und einem wachsenden Sicherheitsbedürfnis ist Licht mittlerweile eine kontroverse Angelegenheit. Ist die Münchner Lichtwoche ein Widerspruch?

München – Der Pasinger Marienplatz soll abends mehr Ambiente bekommen – das Mittel der Wahl: Beleuchtung (Hallo berichtete). 

Doch mittlerweile ist Licht zum Politikum geworden: Das erfolgreiche und vom Landtag beschlossene Volksbegehren Artenschutzvielfalt fordert, die Luftverschmutzung zu reduzieren. Am 31. Oktober startet die 5. Münchner Lichtwoche – ein Widerspruch? 

„Licht ist ein Werkzeug des Alltags, an dem ständig weitergeforscht wird“, erklärt Nils-Peter Hey, Sprecher der Lichtwoche München. 

Verschiedene Veranstaltungen befassen sich mit dem Wohlfühlfaktor durch Licht in Innenräumen und wie Licht Sicherheit im öffentlichen Raum geben kann. Forschung sowie Künstler gehe es aber nicht nur um Ästhetik: „Wir haben auch eine Veranstaltung zum Thema Lichtverschmutzung.“ 

Die kurzzeitige Veranstaltung verschlimmere die Smog-Situation in München nicht langfristig, erklärt Christoph Ries, der als Nachtbeobachter am Wendelstein Observatorium arbeitet. Er begrüße zudem, wenn die Menschen über Lichtsmog aufgeklärt werden und sich auch Lichtkünstler mit dem Thema beschäftigen. 

Eine Entwicklung seit dem Volksbegehren sieht Ries noch nicht merklich: „Es bräuchte schon noch mehr Aufklärung, besonders auf kommunaler Ebene, wo über Straßenleuchten und Gebäudebeleuchtung entschieden wird.“ Besonders bei der Nutzung von Licht zu Unterhaltungszwecken sieht er noch Handlungsbedarf. „Man müsste Fassadenbeleuchtung zu Werbezwecken reduzieren und wenn, dann die Lichtquellen von oben nach unten strahlen lassen.“ 

Der Landtag hat gerade beschlossen, Skybeamer und ähnliches zu verbieten. Öffentliche Gebäude, Kirchen und Schlösser werden seit dem neuen Gesetz nur noch bis 23 Uhr angestrahlt. In Pasing soll schon um 22 Uhr Schluss sein. Zudem ist geplant, LEDs einzusetzen. 

Vorteil: Diese Leuchtmittel sind energiesparend. Allerdings ist der Blauanteil ein Nachteil – warmweiß oder gelblich sei eher insektenfreundlich, erklärt Ries. Genau daran forsche man, denn: „Die Nachfrage nach dem Thema ist da und es ist eine innovative Branche“, führt Hey ins Feld. 

Ries ergänzt: „Lichtverschmutzung zu vermeiden bedeutet nicht, dass jetzt alles finster sein soll – sondern dass Beleuchtung mit Maß und Ziel eingesetzt wird.“

sab

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