Kräftig hing’langt

Untermiet-Wahnsinn zur Wiesn: 850 Euro für neun Quadratmeter!?

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Wiesn-Bedienungen verdienen gut, aber kommen sie von außerhalb müssen sie erst investieren – und zwar in eine Unterkunft.

Wer schnell Geld verdienen will, vermietet privat Wiesn-Zimmer oder -Wohnung. 850 Euro Miete für 16 Tage bei neun Quadratmetern Wohnfläche? Hallo hat den Wiesn-Miet-Check gemacht.

München – Konstantin I. aus Giesing wird einmal im Jahr, zum größten Volksfest der Welt, zum Vermieter. Er überlässt anderen seine Wohnung: 40 Quadratmeter, zwei Zimmer, Ausziehcouch und ein Doppelbett. Der Giesinger weiß, was er verlangen kann: „Bei zwei Personen hundert Euro am Tag, bei vier Personen 200.“ 

Er überlässt seine Wohnung nicht zum ersten Mal anderen, hat schon vor Wochen in den Kleinanzeigen inseriert und rund hundert Anfragen notiert. „Die Kaution kommt in bar dazu“, erklärt er, während er die Wohnung zeigt. Gibt es einen Vertrag? „Ich mag keinen Papierkram. Bei der Schlüsselübergabe wird alles gezahlt, am Tag nach dem Oktoberfest ist Übergabe. Ganz einfach.“ 

Ob der Preis für die Wohnung, die auf dem Mietmarkt unter 1000 Euro kostet, fair ist? „Die Wohnung liegt ideal zur Theresienwiese, in 15 Minuten ist man am Sendlinger Tor.“

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Das sagt der Mieterverein

Laut Mieterverein werden zu Wiesn-Zeiten private Zimmer für bis zu 500 Euro pro Nacht vermietet. Zum Vergleich: Ein Drei-Sterne-Hotel verlangt in dieser Zeit pro Nacht rund 350 Euro für ein Doppelzimmer. Frank-Ulrich John vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, schaut genau auf das Angebot privater Mitbewerber, gerade zum Oktoberfest. 

Eng, mit einer Auszieh-Couch ausgestattet, teuer und doch heiß begehrt: Zur Wiesn-Zeit schießen die Preise in die Höhe.

Als Sprecher des Verbandes bemängelt er nicht den Wettbewerb, aber die laschen Regeln: „Alle Anbieter sollten den gleichen Auflagen unterliegen, etwa was Brandschutz, Hygiene und Gewerbesteuer betrifft.“ Bei Privatvermietern würde nichts kontrolliert.

Vermietung unter Auflagen

Zwei Auflagen gelten dennoch: Die Wohnung darf laut Münchner Mieterverein nicht langfristig zweckentfremdet und die Genehmigung des Vermieters muss eingeholt werden. „Sowohl einzelne Zimmer als auch die gesamte Wohnung dürfen dann an Oktoberfest-Besucher vergeben werden“, sagt Geschäftsführer Volker Rastätter. Bis zu acht Wochen, wenn mehr als die Hälfte der Wohnung weitervermietet wird. 

„Die Vermietung eines einzelnen Zimmers hat keine zeitliche Beschränkung. Dafür ist lediglich Voraussetzung, dass die Mieter während des Aufenthalts der Touristen auch in der Wohnung wohnen.“ 

So wie Sabine B. aus Ramersdorf. Sie ist alleinerziehend, sucht Untermieter ab dem 21. September für ihr Gästezimmer, in dem sonst die Oma übernachtet. „Wir haben nur ein Bad, deshalb nehme ich nur weibliche Mitbewohner.“ Was sie mit dem Extra-Geld macht? „Das ist für den Urlaub mit meiner Tochter.“

Marie-Julie Hlawica

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