Attacke auf Schwan

Augenzeuge berichtet: Schwan wurde von fünf Bootsfahrern mit Paddeln geschlagen

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Stammen seine Verletzungen aus Menschenhand?

Kaum vorstellbar, welche Schmerzen dieses Tier erleiden musste: Wie er, wurden wohl auch andere Wildtiere durch Menschen verletzt. 

München – Die Schwanzfedern sind halbiert, als hätte man sie in der Mitte abgeschnitten, der Rücken sieht merkwürdig bucklig aus. Schief hängt der Schwan auf der Wasseroberfläche des Isarkanals. Für Klaus G. steht fest: Diese Verletzungen stammen aus Menschenhand.

Seit 20 Jahren kümmert sich der 79-Jährige um die Wildtiere, pflückt Löwenzahn, besucht und füttert sie. Jetzt der Schock: „Ich habe beobachtet, wie fünf Kajakfahrer eine regelrechte Jagd auf den Schwan betrieben und ihn in die Ecke gedrängt und mit einem Paddel geschlagen haben!“ Jetzt sei der Schwan total deformiert. „Ich glaube nicht, dass er noch fliegen kann“, wettert der Rentner. 

Das traurige Schicksal des verletzten Schwans: Tierschützer Erika S. und Klaus G. berichten, wie Wildtiere misshandelt werden.

Seit Jahren, berichtet Klaus G. wütend, gebe es solche Quälereien: Kinder werfen Steine auf die Schwäne, andere jagen oder schlagen sie. Auch Wildtiere mit Angelhaken im Unterkiefer habe er bereits gefunden. Er ist davon überzeugt, dass die fünf Bootsfahrer, die er beobachtet hat, vom „Club Münchner Kajakfahrer“ (CMK) waren. Mit dem Club hatten er und seine Mitstreiterin Erika S. schon einmal ein Krisengespräch.

CMK will Mitglieder weiter sensibilisieren

Dem CMK-Vorsitzenden Markus Schmid sind die Anschuldigungen bekannt. „Ich kann mir aber beim besten Willen nicht vorstellen, dass eines unserer Mitglieder gezielt einen Schwan schlägt.“ Er habe eine Rundmail an benachbarten Vereine geschrieben, um die Mitglieder erneut zu sensibilisieren. 

„Wir haben auf der Insel extra einen Bereich eingezäunt, damit die Schwäne in Ruhe brüten können. Wir sind ein naturverbundener Sport und haben auch Bienen und Bieber auf der Insel“, betont er.

Weitere Fälle von Tierquälerei bekannt

Deformierte Schwanzfedern: Was diesem Schwan wiederfahren ist, muss schmerzhaft gewesen sein.

Doch die Fälle von Tierquälerei sind nichts Neues – in der Vergangenheit sind bereits Schwäne zu Tode gequält worden. Das Veterinäramt bestätigt: Auch hier sind Meldungen eingegangen, dass Bootsfahrer Schwäne mit dem Paddel schlagen. Die Krux: Personalien oder Beweis­aufnahmen hat es nie gegeben. Einzig Heinz Sedlmeier, dem Chef vom hiesigen Landesbund für Vogelschutz, ist es einmal gelungen, einen Übertäter ausfindig zu machen.

2013 hat er gesehen, wie ein Kanufahrer versuchte, Enten mit dem Paddel zu schlagen – er war aber zu langsam. Damals hat Sedlmeier den Dachverband der Kanufahrer kontaktiert. „Der Vorfall wurde aufgeklärt. Die Vereine waren sehr entgegenkommend“, berichtet der Vogelschützer.

Hanni Kinadeter

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