Die schönsten Verse

So talentiert ist München: Hallo hat Poeten besucht und stellt ihre Geschichte vor

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Kaum überkam sie die Inspiration, sprudelten die Worte schon so aus ihnen hinaus: 12 Dichter wurden jetzt für einen Poesie-Kalender auserkohren.

Das Giesinger Poesiemuseum veröffentlicht in Kürze einen ganz besonderen Kalender: Hallo hat drei der zwölf auserwählten Dichter vorab besucht.

Der wohl jüngste Dichter Münchens

Der zehnjährige Numa mit seinem treuen Gefährten Benni.

München – Numa, zehn Jahre alt, dunkle Locken, lange Wimpern, liebt seinen Hund Benni. Und Pumuckl, der so schön reimt – er ist ein echtes Vorbild für den Jungen. Also hat der Fünft­klässler seinem Hund auch ein Gedicht gewidmet und damit gleich einen Treffer gelandet: Seine Zeilen wurden zum Gedicht des Monats Juni gekürt und erscheinen nächstes Jahr in einem Kalender.

Katharina Schweissguth, die das Mini-Poesiemuseum in der Tegernseer Landstraße ins Leben gerufen hat, hat dafür die schönsten Gedichte, die im Poesie­briefkasten gelandet sind, mit einer Jury ausgewählt. Mehr als 300 Menschen aus München und Umgebung haben ihr Verse eingeschickt – der Ansturm ist enorm. Am 23. Oktober stellen sich die Dichter des Kalenders in der Bibliothek vor, wo ihre Gedichte auch ausgestellt sind (s. unten). Darauf ist Numa jetzt schon stolz. „Als ich das Gedicht geschrieben habe, hatten wir Benni erst ein paar Wochen“, erzählt er. Die Familie hatte den Hund aus dem Tierheim geholt.

Heute, ein Jahr später, verehrt er seinen Hund immer noch. „Er freut sich ganz doll, wenn ich aus der Schule komme – wirklich jeden Tag“, sagt er und schüttelt den Kopf: „Ich verstehe nicht, wie man sich jeden Tag so freuen kann. Aber wenn Benni sich freut, freue ich mich auch.“ Obwohl er mit seinem Reim prompt begeistern konnte, will Numa kein Schriftsteller werden, wenn er groß ist. Sondern Elektroingenieur – „wie mein Papa.“

Hanni Kinadeter

Ihr Reim auf 95 Jahre: Uroma & Poetin aus Leidenschaft

Eva-Maria Birnhäupel-Hoppe aus der Maxvorstadt taucht gerne in die Welt der Lyrik ab.

München – Dankbarkeit ist das große Thema von Eva-Maria Birnhäupel-Hoppes Gedicht. „Wenn man so ein langes Leben hat und man immer noch in einem so guten Zustand ist, dann sollte man dankbar sein“, so die 95-Jährige. Denn in der heutigen Zeit sei für die meisten Menschen alles selbstverständlich. 

Die Idee zum Gedicht kam der ehemaligen Schauspielerin eines Morgens, als sie die Jalousie hochzog: „Da ist mir das einfach rausgerutscht“, erinnert sie sich zurück.

Lange Zeit stand Birnhäupel-Hoppe selbst auf der Bühne, inzwischen schreibt sie Kurzgeschichten oder Gedichte und trägt diese in Altenclubs vor. „Ganz loslassen kann man einfach nicht“, so die Künstlerin, die trotz ihres stolzen Alters nicht ans Aufhören denkt. „Eine alte Uroma vor der Glotze bin ich Gott sei Dank nicht.“ 

Familie hat dennoch einen hohen Stellenwert für die Künstlerin, die sogar schon Urenkel hat. Doch Birnhäupel-Hoppe ist eine Frau, die ihr Leben in vollen Zügen genießt, ob durch das Reisen, das Klavier spielen oder die große Leidenschaft für Literatur. 

Ihren Haushalt führt die 95-Jährige immer noch selbständig, sie kocht leidenschaftlich gerne, geht viel weg und einmal im Monat schickt sie eben etwas an den Poesiebriefkasten.

Kassandra Fischer

Politische Lyrik

Thomas Fleckenstein wurde durch eine Sendung mit tragischem Inhalt inspiriert.

München – Nachdenkliche Zeilen hat Thomas Fleckenstein verfasst. „Mich hat eine Sendung inspiriert“, erzählt der Leiter des Friedhofs am Perlacher Forst. 

In der Sendung, die kurz vor Weihnachten ausgestrahlt wurde, berichtete ein Mann von den Grauen, die er in einem Krankenhaus im Kriegsgebiet Jemen erlebt hat. „Da lief es mir kalt den Rücken runter. Ich musste meine Gefühle, Worte und Gedanken in einem Gedicht bündeln“, erzählt Fleckenstein. 

Das gesellschaftskritische Gedicht ist nicht das einzige politische, das der 57-Jährige zu Blatt gebracht hat. Sein erstes Gedicht allerdings war seiner Freundin zu Studienzeiten gewidmet – ein Liebesbrief.

Hanni Kinadeter

Briefkasten für Gedichte

München – Katharina Schweissguth, die das Mini-Poesiemuseum in der Tegernseer Landstraße ins Leben gerufen hat, hat die schönsten Gedichte, die im Poesie­briefkasten, ebenfalls in der Tegenseer Landstraße, gelandet sind, mit einer Jury ausgewählt.

Mehr als 300 Menschen aus München und Umgebung haben ihr Verse eingeschickt – der Ansturm ist enorm. 

Am 23. Oktober um 18.30 Uhr stellen sich die Dichter des Kalenders in der Bibliothek Giesing, Deisenhofener Straße 20, vor, wo ihre Gedichte auch ausgestellt sind.

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