Neue konzernübergreifende Maßnahmen

S3/S8: Wegfall der Taktverstärker – Taskforce für S-Bahn München soll es richten

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Pendler, Lokalpolitiker und auch der Mitglieder des Bayerischen Landtags sind stocksauer: Bis voraussichtlich Dezember wird es keinen 10-Minuten-Takt auf den Linien S3 und S8 geben.

Eine Taskforce der Deutschen Bahn nimmt die angespannte Fahrzeugsituation der S-Bahn München in den Fokus.

Update: 16. September, 18.00 Uhr 

In der Debatte um ausfallende Münchner S-Bahnen soll eine Taskforce konzernübergreifend nach Lösungen suchen. 

„Derzeit werden 97 Prozent der vertraglich vereinbarten Verkehrsleistung geliefert“, sagt der bayerische Bahnchef Klaus-Dieter Josel, „nun geht es darum, eine Lösung für die restlichen drei Prozent zu finden – und damit die für die Fahrgäste wichtigen Taktverstärker der S3 und S8 wieder auf die Schiene zu schicken.“ 

Josel koordiniert die Aktivitäten einer Taskforce konzernübergreifend.

So werden deutschlandweit in den DB-Werken Kapazitäten abgerufen, um die Wartung der bestehenden Stammflotte voran zu treiben. Das Personal im Münchner S-Bahn-Werk ist bereits aufgestockt worden. Weitere Kräfte aus dem DB-Verbund sollen folgen. 

„Auch bei der Instandsetzung der älteren S-Bahn Modelle, die als Ersatz-Fahrzeuge eine Art Liberofunktion haben, werden wir noch mehr aufs Tempo drücken“, so Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn München. 

Ein drittes Handlungsfeld seien die Bauarbeiten am S-Bahn-Werk Steinhausen. 

„Die Erweiterung der Abstellanlage samt Neubau des dafür benötigten Stellwerks sind dringend nötig – führen aber wegen der Baumaßnahmen zu Verzögerungen bei der pünktlichen Bereitstellung der mehr als 250 Schienenfahrzeuge, die hier dirigiert werden müssen.“ 

Auch wird der bundesweite DB-Fahrzeugpool auf mögliche freie Kapazitäten geprüft.

Quelle: Deutsche Bahn/dpa//jh

Update: 16. September, 09.15 Uhr

München – Nach Politikern kritisieren nun auch die Schüler in Bayern die Ausfälle bei der Münchner S-Bahn - und denken dabei an die Jüngsten. 

„Gerade zu Beginn des neuen Schuljahres, wenn sich eine große Zahl an Erst- bzw. Fünftklässlern auf einen neuen, sicheren Schulweg einstellen muss, führt der entstehende Engpass im Münchner S-Bahnnetz nur zu Verwirrung und Unsicherheit“, heißt es in einer am Montag verbreiteten Mitteilung des Landesschülerrats Bayern.

„Der Wegfall der Verstärkerzüge zeigt nun einmal wieder, dass bei der S-Bahn München in Bezug auf Leistungen und Fahrgastkomfort deutlicher Handlungsbedarf besteht. 

Es kann nicht sein, dass wir Schülerinnen und Schüler neben den Berufspendlern die Hauptleidtragenden einer kaputt gesparten S-Bahn sind und die hierdurch entstehenden massiven Einschränkungen in der Beförderung ausbaden müssen. 

Ich sehe die bayerische Landesregierung, aber auch die Landeshauptstadt München nun in der Pflicht, eine adäquate Lösung herbeizuführen“, kommentiert der Landesschülersprecher der Gymnasien in Bayern, Joshua Grasmüller, die aktuelle Situation.

Quelle: dpa/Iby/Landesschülerrat Bayern/jh

Update: 13. September, 14.45 Uhr

München – Erneut kommt frischer Wind in die Debatte um den Fahrzeugengpass bei der S-Bahn. Jetzt schaltet sich auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ein.  In der MVV-Verbundratssitzung verdeutlichte er, dass der Ausfall der Taktverstärker so nicht akzeptabel sei.

„Das ist ein nicht hinnehmbarer Vorgang. So kann man mit den Pendlerinnen und Pendlern nicht umspringen. Deshalb habe ich meinen Unmut in der heutigen MVV-Verbundratssitzung deutlich zum Ausdruck gebracht. Ich fordere die Bayerische Staatsregierung auf, sofort zu handeln.“, heißt es in einem offiziellen Schreiben aus dem Büro des Bürgermeisters.

„Die Bahn hat Tatsachen geschaffen und auf zwei vielbefahrenen S-Bahnlinien bis auf weiteres wieder auf einen 20 Minuten-Takt umgestellt. Und das ausgerechnet zu einer Zeit, in der die S-Bahn durch Unzuverlässigkeit und häufige Ausfälle sowieso schon Negativschlagzeilen am laufenden Band macht. “, so heißt es in dem Schreiben weiter. 

Zwar sei nachvollziehbar, dass die Infrastruktur der Bahn erneuert werden müsse, doch die derzeitige Ankündigung ließe eine verantwortungsvolle Planung vermissen. „Das ist schlicht eine nicht zu akzeptierende Zumutung für die sowieso schon leidgeplagten S-Bahn-Pendlerinnen und -Pendler.“

Auch Reiter betont den Aspekt der Verkehrswende: „Wie soll es hier gelingen, die Menschen vom eigenen Auto zum Umsteigen auf den öffentlichen Nahverkehr zu überzeugen? Das ist nicht akzeptabel! Hier muss den Verantwortlichen etwas Besseres einfallen. Und ich hoffe, dass der für die S-Bahn zuständige bayerische Ministerpräsident dafür sorgen wird, dass sich der Zustand schnellstmöglich verbessert.“

Ein weiteres Übel: die ohnehin angespannte Verkehrssituation in der Stadt droht sich vor allem im Münchner Westen noch weiter zu verschärfen. Denn wegen der Bauarbeiten an der 2. Stamsmstrecke wird die Laimer Unterführung von Freitag, 20. September, bis Samstag, 14. Dezember, für den motorisierten Verkehr voll gesperrt. Zugleich startet der Neubau der S-Bahn-Station (Lesen Sie hier den vollständigen Artikel).

Zwar werde es, so KVR-Sprecher Johannes Mayer, Ableitungsbeschilderungen unter anderem in der Landsberger Straße, in der Menzinger Straße, Arnulfstraße, Wotanstraße und am Romanplatz mit Hinweis auf die Sperrung der Laimer Unterführung und die Ableitung über die Wilhelm-Hale-Straße / Friedenheimer Brücke geben, für eine Entspannung auf den Straßen werden diese Meldungen aber wohl nicht sorgen.

Quellen: Landeshauptstadt München/reb

Update: 13. September, 9.00 Uhr

München – Nachdem die Bahn angekündigt hatte, dass wegen massiver Fahrzeugknappheit alle MVV-Taktverstäker der Linien S3 und S8 bis voraussichtlich Dezember aus dem Fahrplan gestrichen werden, prüft die Staatsregierung jetzt Strafen gegen das Unternehmen. 

„Die Bahn muss rasch ein Ersatzkonzept vorlegen. Wir erwarten eine zeitnahe Lösung für die Pendler im Großraum München“, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) dem Münchner Merkur. „Zudem werden wir ernsthaft Vertragsstrafen gegenüber der Bahn prüfen“, so Söder weiter.

Auch Bayerns Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) teilte – bereits am Donnerstag – seine Empörung mit: „Die Situation ist so nicht hinnehmbar. Wir dringen darauf, dass seitens der Bahn die vertraglich vereinbarten Takte eingehalten werden.“ Die S-Bahn müsse umgehend prüfen, wie zusätzliche Fahrzeugkapazitäten geschaffen werden können. 

„Wir erwarten, dass die Bahn angesichts der unhaltbaren, von ihr zu verantwortenden Situation kreative Lösungen anbietet und dabei finanzielle Überlegungen keine Rolle spielen“, so Reichhart weiter.

Grund genug für Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn München, den Standpunkt der Bahn in einem öffentlichen Statement zu verdeutlichen: „Wir können den Unmut verstehen und sind selbst mit der aktuellen Fahrzeugsituation nicht zufrieden.“ 

Laut Büttner arbeite man mit Hochdruck an Lösungen und denke dabei in alle Richtungen. Auch unterstützen zusätzliche Mitarbeiter das Werkstatt-Team.

Update: 12. September, 15.00 Uhr

München – Zunächst bis Dezember entfallen auf den Strecken der S3 und S8 sämtliche Taktverstärker, die in den Hauptverkehrszeiten einen 10-Minuten-Takt gewährleisten. Auch auf den Linien S2 und S20 sollen einzelne Züge entfallen. Grund dafür seien unter anderem fehlende Fahrzeuge und Mitarbeiter, Bauarbeiten auf dem Werksgelände sowie veränderte Wartungsintervalle.

Die Nachricht sei ein „Schlag ins Gesicht“, kommentierte Landrat Christoph Göbel die Pressemeldung der S-Bahn. „Statt der versprochenen Taktverdichtung werden jetzt sogar Züge gestrichen. Das wird den Verkehrskollaps noch weiter verstärken – und zwar auf Schiene und Straße.“ Der Freistaat habe vor knapp einem Jahr jährlich 15 Millionen Euro zusätzlich zugesichert, um auf den Außenästen der S-Bahn einen durchgehenden 20-Minuten-Takt herzustellen. Nun gehe es um eine Verschlechterung.

Der Ärger sei programmiert: In die heute schon übervollen Züge in den Hauptverkehrszeiten werden noch mehr Menschen drängen, befürchtet der Landkreis.

Auch viele Hallo München-Leser haben ihren Unmut bereits geäußert. „Ich zahle genauso viel wie andere S-Bahnnutzer. Bekomme ich nun Geld zurück?“, fragt beispielsweise Katharina Elsner.

Wer kann, werde über kurz oder lang aufs Auto umsteigen – und in einem noch längeren Stau als gewöhnlich stehen, heißt es in einem Schreiben des Landratsamtes. „Ich appelliere mit Nachdruck an S-Bahn und Freistaat, die Situation schnell in den Griff zu bekommen und nicht nur den Status quo wieder herzustellen, sondern sich auch an die Umsetzung der getätigten Zusagen zu machen“, so Göbel weiter. 

„Wir warten dringend auf die Realisierung der von Ilse Aigner als damalige Staatsministerin für Wohnen, Bau und Verkehr gemachten Ankündigung vom vergangenen Oktober, auf den Streckenabschnitten Deisenhofen – Holzkirchen der Linie S3 sowie auf den Streckenabschnitten Höllriegelskreuth – Wolfratshausen und Höhenkirchen – Aying auf der Linie S7 den 20-Minuten-Takt zu realisieren.“

Erstmeldung: 12. September, 9.00 Uhr

München – Rund 840 000 Menschen nutzen täglich die Münchner S-Bahn. Doch immer wieder gibt es Probleme, die die Fahrgäste deutlich zu spüren bekommen. Jetzt kündigt die Bahn monatelange Ausfälle von Verbindungen an. Der Hintergrund: Fahrzeugknappheit. 

„Taktverstärker“ heißen bei der S-Bahn München jene Züge, die in der Hauptverkehrszeit den Fahrplan auf einen 10-Minuten-Takt verdichten. Bei den Linien S3 und S8 werden sie ab sofort zunächst bis Dezember aus dem Fahrplan genommen. Zusätzlich entfallen bei der S2 und der S20 einzelne Züge. 

„Wir haben in den Sommerferien enorme Anstrengungen unternommen, um wieder mehr Fahrzeuge zur Verfügung zu haben. Leider sind aktuell für den Betrieb in Spitzenzeiten zu wenig Züge einsatzbereit“, sagt Heiko Büttner, Vorsitzender der Geschäftsleitung der S-Bahn München. „Mit dem planmäßigen Ausfall der Taktverstärker stellen wir zum einen sicher, dass der Grundtakt zuverlässig gefahren werden kann, zum anderen schaffen wir Verlässlichkeit für die Kunden.“

Bis der Fahrplan vollständig umgestellt ist, informiert der Streckenagent über die Ausfälle. „Wir streben an, auf den betroffenen Linien stark nachgefragte Grundtakt-Züge als Langzüge fahren zu lassen“, so Büttner.

Ursachen seien „vielfältig“

Die Ursachen für die eingeschränkte Fahrzeugverfügbarkeit sind vielfältig. So schränken aktuelle Bauarbeiten auf dem Werkstattgelände in Steinhausen das Rangieren von Zügen ein. Dort entsteht u.a. eine neue Abstellanlage, die für die Wartung und Pflege der Fahrzeugflotte dringend notwendig ist. 

Zudem führen deutlich kürzere Wartungsintervalle bei wichtigen Fahrzeug-Bauteilen in Summe zu häufigeren und längeren Aufenthalten der S-Bahnzüge im Werk. Die dafür erforderlichen neuen Mitarbeiter können erst sukzessive das Werkstatt-Team verstärken. Die S-Bahn München arbeitet mit Hochdruck an Lösungen.

Erschwerend kommt hinzu, dass noch nicht alle Fahrzeuge des Typs ET 420, wie ursprünglich geplant, umgebaut und für den Betrieb einsatzfähig sind. Diese sogenannten Olympia-Züge werden während der Modernisierung der ET 423 benötigt, um die Stärke der Fahrzeugflotte zu halten. Sie müssen unter anderem für die Leit- und Sicherungstechnik der Stammstrecke nachgerüstet werden, damit sie alle Linien bedienen können. 

„Die Instandsetzung der ET420 gestaltet sich deutlich aufwendiger als ursprünglich angenommen. Wir werden aber bei den Qualitätsstandards keine Abstriche machen“, sagt Büttner. Insgesamt sollen 36 Fahrzeuge des Typs ET 420 durch das gesamte Münchner S-Bahn-Netz rollen können. Sie ergänzen die 238 Züge der Baureihe ET 423, die derzeit ein komplettes Redesign erhalten. 

„Unser Ziel ist es, die Auswirkungen des Ausfalls der Taktverstärker so gering wie möglich zu halten. Für die Einschränkungen entschuldigen wir uns.“

Quellen: Landkreis München/MVV/Deutsche Bahn/lit/reb

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