Allergiker atmen auf 

Pollenzählung: Neue Messtechnik macht Voraussagen präziser

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Was das neue Messsystem für Heuschnupfen-Geplagte bedeutet und warum die klassische Pollenfalle trotzdem nicht ausgedient hat, erklärt Allergie-Expertin Christine Weil in Hallo.

Kaum zu glauben: Bisher wurde der Pollenflug tatsächlich von Hand gemessen – beziehungsweise mühsam am Mikroskop ausgewertet. Das ändert sich jetzt. Dank eines automatischen Messsystems.

München – Das ist weltweit einmalig: In München und sieben anderen bayerischen Standorten werden Pollen ab sofort nicht mehr von Hand, sondern von einem automatischen Messsystem erfasst. Für Heuschnupfen-Geplagte soll das große Verbesserungen mit sich bringen: „So können wir einen viel präziseren Pollenkalender herstellen. Bislang ist dieser für ganz Mitteleuropa gleich“, sagt Carsten Schmidt-Weber, Leiter des Zentrums für Allergie und Umwelt (ZAUM) der TU München. „Wir hoffen, dass wir damit Allergikern in Zukunft sehr helfen können.“ Irgendwann soll der Pollenflug regional vorhergesagt werden wie ein Wetterbericht.

Christine Weil vom Zentrum für Allergie und Umwelt mit einer klassischen Pollenfalle (links) und dem neuem elektronischen Messsystem.

Die Münchner Pollen sammelt nun ein Computer und wertet sie aus. Vorerst steht der Pollenmonitor noch in der Biedersteiner Straße, am ZAUM selbst. In Zukunft soll das System auf das Dach der Klinik in der Thalkirchner Straße umziehen. „Das Gerät am Campus ist zwar leicht zugänglich, aber auf Erdniveau. Das ist für die Pollenmessung nicht optimal“, erklärt Schmidt-Weber.

Der größte Vorteil am elektronischen System: die Schnelligkeit. „Schon drei Stunden nach der Messung sind die Daten da. Jeder kann diese dann online abrufen“, sagt ZAUM-Expertin Christine Weil. Sie hat bislang die mit einer Pollenfalle gesammelten Proben händisch fürs Mikroskop aufbereitet, eingefärbt und untersucht. 

In anderen Orten erledigten das oft nur Ehrenamtliche. Deren und Weils Arbeit wird aber zumindest in Teilen weiter gebraucht. „Das händische System ist notwendig, um neue Pollentypen zu erkennen – das kann das neue Gerät noch nicht. Wir müssen diese händisch erkennen und dann dem Pollenmonitor beibringen“, so Weil.

In München und sieben anderen bayerischen Standorten wird der Pollenflug nun mit einem automatischen Messsystem erfasst. Doch die klassische Pollenfalle ist damit nicht aus dem Spiel.

Dafür werden mit dem neuen System regionale Unterschiede besser sichtbar. „Gerade geht in München der Flug von Gräserpollen los. In Mindelheim haben wir jetzt schon drei Mal so viel“, berichtet Schmidt-Weber von seinen ersten Erfahrungen mit dem System.

Wie fast überall in Bayern fliegen in München im Frühjahr zudem Hasel, Erle, Esche und Birke. „Später in der Saison kommen noch Roggen und Ambrosia“, so der Experte. Besondere Schwerpunkte gibt es in der Stadt nicht: „Birkenpollen wehen zum Beispiel in einem Radius von 30 bis 70 Kilometern.“ Was allerdings verblüfft: Trotz weniger Wald und Wiesen scheinen gerade in Städten Allergien stärker aufzutreten als auf dem Land. „Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass Abgase und Umweltverschmutzung die Allergieentstehung begünstigen“, so der ZAUM-Leiter.

Romy Ebert-Adeikis und Tim Pohl

Beinahe in Echtzeit können Allergiker bayerische Pollendaten ab sofort unter https://epin.lgl.bayern.de/pollenflug-aktuell einsehen.

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