Mehr Platz im Sommer

Parklets: Retten diese Pilotprojekte Münchner Cafés vor dem Ruin?

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Vorbild aus dem Norden: In Oslo gibt es bereits mehrere Parklets, die zum Verweilen einlanden.

So schön die warme Jahreszeit auch ist, für viele Innenstadt-Cafés bedeutet sie Minus in den Kassen. Parklets für kommerzielle Nutzer könnten die Lösung sein. Kann das System funktionieren?

„Noch so einen Sommer wie letztes Jahr überstehen wir nicht“, klagt Chokri Ayari, Geschäftsführer des Café Mozart in der Pettenkoferstraße. Wenn die Sonne scheint, wird es finanziell eng für den Café-Chef. Denn: Gutes Wetter bedeutet Umsatzeinbußen. 

Die markierte Freischankfläche ist so gering, dass zwar Stühle darauf passen, sobald allerdings Gäste darauf sitzen, sind Teile des Gehwegs blockiert. Die Folge: Im Sommer, wenn die Münchner gerne draußen sitzen, macht das Café Minus.

Chokri Ayari, Geschäftsführer des Café Mozart in der Pettenkoferstraße.

Die Rettung könnten Parklets sein, die in den Sommermonaten auf Parkplätzen zusätzliche Flächen schaffen. Die Stadt berät über zwei Pilotprojekte, die erst einmal keine kommerzielle Nutzung der gewonnenen Fläche vorsehen. 

Aber: Auf Hallo-Anfrage erklärten die Stadtratsfraktionen der CSU, SPD und Grünen, dass sie sich grundsätzlich auch Parklets für die Gastronomie vorstellen könnten. Wie genau, dafür müsse man die Pilotprojekte abwarten und das Gespräch mit den Anwohner suchen.

Chokri hofft darauf, denn die Gefahr, mit einem Stuhl oder Fuß die Grenze der mit Punkten markierten Freischankfläche zu überschreiten, ist groß. „Wir müssen immer unsere Gäste bitten, reinzurutschen.“ Unangenehm für den 54-Jährigen. 

Grenz­überschreitungen wie diese bleiben nicht folgenlos: Letzten Sommer trudelten deswegen einige Bußgeldbescheide des KVR ein. Sein jüngster Antrag für eine größere Freischankfläche – erneut abgewiesen. Diese darf nur auf dem Gehsteig vor dem eigenen Gebäude sein und von diesem mindestens 1,60 Meter Restbreite freilassen. An einem Nadelöhr wie der Pettenkoferstraße kurz vorm Sendlinger Tor eine Millimeterentscheidung. 

„Ich versuche es trotzdem, um zumindest zwei kleine Tische mehr zu haben.“ Eine richtige Terrasse würde die ganze Straße aufwerten. „Und die Stadt würde daran verdienen.“ 

Sabina Kläsener

Parklets – so sieht es in anderen Städten aus

Temporäre Erholungsmöglichkeiten auf Parkplätzen. Könnten Parklets die Zukunft in der Münchner Innenstadt sein?

Blumenkästen, Sitzbänke, Liegen oder Spielflächen für Kinder: Parklets können vielseitig gestaltet werden. Vorreiter war San Francisco, wo 2013 das erste sogenannte Stadtmöbel auf einer ehemaligen Parkplatzfläche aufgebaut wurde. Städte wie London, Stuttgart und Berlin folgten. 

Im Berliner Bezirk Kreuzberg wurden entlang der Bergmannstraße 15 Parklets aufgebaut – die Resonanz fiel gemischt aus. Zwei Parklets mussten wegen Witterung und Vandalismus abgebaut werden. In einem Bürgerdialog haben nun Anwohner und Politik darüber gesprochen, wie das Projekt fortgesetzt werden kann.

Pilotprojekte

Zwei Pilotprojekte sollen den Straßenraum temporär umnutzen. An der Einmündung der Parkstraße in die Schwanthalerstraße im Westend könnten acht Parklets entstehen. Aus Mangel an Erfahrung soll die Verkehrssicherheit täglich geprüft werden. Auch Reinigung und die Bewässerung von Pflanzen ist eingeplant. 

In Giesing soll am Alpenplatz eine saisonale Fußgängerzone entstehen. Dafür würden 21 Parkplätze wegfallen. Die Entscheidung, ob diese Projekte und ein weiteres in der Westenriederstraße realisiert werden, fällt der Stadtrat Ende Juni in der Vollversammlung.

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