Radverkehr in München

Nach dem Schwerpunkttag: Klischee der Radl-Rambos bestätigt sich

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Mehr Kontrollen und flächendeckende Aufklärung sind das Ziel am Schwerpunkttag „Radverkehr in München“ der Münchner Polizei.

Nach den gestrigen stadtweiten Verkehrskontrollen, wurden heute erste Ergebnisse bekanntgegeben. Die konkreten Zahlen, was die Polizei empfielt...

Update: 9. August

München – Nach dem Schwerpunkttag „Radverkehr in München“, an dem die Münchner Polizei während der Hauptverkehrszeiten im gesamten Stadtbereich vermehrt Kontrollen von Radfahrern durchgeführt hatte (siehe unten), wurden heute erste Ergebnisse bekanntgegeben. 

Steigende Unfallzahlen

Die Stadt wächst – und mit ihr die Zahl der Einwohner, auch die Radfahrer: Tagtäglich bewegen sich rund 300.000 Menschen mit dem Rad fort. Was bedeutet das für die Unfallstatistik: Mehr Radfahrer gleich mehr Unfälle?  

2018 wurden im Stadtgebiet München 2823 Verkehrsunfälle mit Radfahrern verzeichnet, 15% mehr als noch im Vorjahr. Die Zahl der Verkehrstoten habe sich in diesem Kontext beinahe verdoppelt: Während 2017 noch vier Personen ums Leben kamen, waren es 2018 bereits sieben. Hinzu kämen vermehrte Unfälle mit Pkws und E-Bikes. Jeder dritte Verkehrsverletzte sei demnach ein Radfahrer.

Unfallursache Nummer 1: Rechtsabbiegen

„Besonders beim Rechtsabbiegen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen zwischen Pkws, Lkws und Radfahrern, mit noch schweren Folgen für die beteiligten Radfahrer“, bedauert Polizeipräsident Hubertus Andrä. Bei jedem 8. Verkehrsunfall 2018 machten Kraftfahrer dabei einen Fehler und übersahen den in gleicher Richtung fahrenden Radfahrer.

„Firmen wären gut beraten, wenn sie ihre Lastwagen mit entsprechender Abbiegetechnik ausstatten würden“, so Andrä weiter. Dies würde nicht nur verhindern, dass Personen unbemerkt in den Toten Winkel geraten, sondern auch die Fahrer schützen. Schließlich müssten diese die Last eines Personenschadens ihr Leben lang mit sich herumtragen.

Doch auch weitere Faktoren, wie etwa beparkte Radwege, unbedachtes Öffnen von Fahrzeugtüren, Straßenverengungen im Bereich von Baustellen, zu geringe Seitenabstände oder unvorsichtiges Ein- und Ausfahren in Grundstücke oder Straßeneinmündungen provozierten Zusammenstöße. 

Aktuelle Zahlen aus 2019

Mit Fahrradstreifen auf Radwegen im Einsatz: Die Münchner Polizei.

Im Zeitraum Januar bis Juli 2019 wurden bislang 1.523 Fahrradunfälle verzeichnet, was im Vergleich zum Vorjahr (1.703 Fahrradunfälle von Januar bis Juli 2018) ein Minus von 10,6 Prozent bedeutet. In 52,7 Prozent der Fälle waren die Unfallverursacher die jeweiligen Radfahrer.

Während Rechtsabbiegeunfälle überwiegend den Kraftfahrern anzulasten sind, werden andere Zusammenstöße am häufigsten durch Radfahrer verursacht, die verbotswidrig auf dem Gehweg oder entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf Radwegen unterwegs sind. Häufig werden auch rote Ampeln missachtet. 

Im ersten Halbjahr 2019 wurden durch die Polizei insgesamt 1.650 Radfahrer wegen der verbotswidrigen Benutzung eines Mobiltelefons, 910 Radfahrer wegen einer „Rotlichtmissachtung“ und 450 Radfahrer wegen „Geisterradeln“ beanstandet.

Andrä: „Es ist wichtig, den Menschen zu verdeutlichen, dass die Straßenverkehrsordnung (StVO) sich nicht zu einer Verhaltensempfehlung wandelt, sobald man auf dem Sattel sitzt“, mahnt Andrä. „Wünschenswert wäre außerdem eine hohe Quote beim Helmtragen, wie es beim Skifahren mittlerweile üblich ist.“

Die Gesamtbilanz

Im Rahmen des Schwerpunkttages waren insgesamt 195 Beamte in Einsatz, die 1.705 Fahrzeuge kontrollierten:

  • 365 Kraftfahrzeuge (ausgenommen E-Scooter)
  • 1217 Radfahrer
  • 123 E-Scooter

Verstöße wurden dabei bei insgesamt 1.076 Fahrern festgestellt:

  • 943 Radfahrer
  • 109 Kraftfahrer (ausgenommen E-Scooter)
  • 24 E-Scooter

Die häufigsten Verstöße

Kraftfahrzeuge (ausgenommen E-Scooter)

  • verbotswidrig Mobiltelefon benutzt
  • Halten/Parken auf Radweg, Radfahrstreifen, Schutzstreifen für Radverkehr

Radfahrer

  • verbotswidrig Mobiltelefon benutzt (insgesamt 129)
  • Rotlicht missachtet
  • vorschriftswidrig Gehweg benutzt
  • Radweg in nicht zulässiger Richtung befahren (insgesamt 95 sowie 60 entgegen einer Einbahnstraße)
  • vorhandenen Radweg nicht benutzt (insgesamt 195)

E-Scooter

  • verbotswidrig Mobiltelefon benutzt
  • Rotlicht missachtet

Aufklärung sei unabdingbar

Im Rahmen des Schwerpunkttages wurden sowohl während der Kontrollen als auch an einem auf dem Odeonsplatz aufgebauten Infostand Verhaltenstipps für Radfahrer, Kfz-Führer und Fußgänger weitergegeben. Diese sollen einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrssicherheit liefern. 

Aufklärungsarbeit sei zentral für die Verkehrssicherheit, so Andrä. Zwar setze man mit der Jugendverkehrserziehung und dem „Fahrrad-Führerschein“ bereits im Kindesalter an, „die Regeln einzuhalten, fällt aber schwer, wenn die Eltern schon beim nächsten Ausflug etwas anderes vormachen“.

Denn das Verhalten des Einzelnen ginge stets mit dem „subjektiven Sicherheitsgefühl“ einher: Wer dazu neigt, Gefahrensituationen zu unterschätzen, wird sich insgesamt unachtsamer verhalten und droht, sich oder andere zu gefährden.

Welches Fazit zieht die Münchner Polizei aus den gestrigen Maßnahmen? Andrä: „Radfahren ist super, keine Frage. Aber wir alle, Pkw-Fahrer, Fußgänger und Radfahrer, sollten uns darum bemühen, dass es in Zukunft sicherer erfolgt.“

Polizei München/reb

Erstmeldung: 7./8. August – Schwerpunkttag: Polizei führt verstärkte Fahrradkontrollen durch

Beinahe tagtäglich werden schwere Radunfälle vermeldet. Um dem entgegenzuwirken, gibt es heute massive Kontrollen. Hier erfahren Sie die Schwerpunkt-Zeiten...

München –  Am heutigen Donnerstag, 8. August, ist Vorsicht und Aufmerksamkeit im Stadtverkehr geboten. 

Denn die Münchner Polizei führt im gesamten Stadtbereich vermehrte Kontrollen von Radfahrern durch. In erster Linie werden die Hauptverkehrszeiten von 7 bis 10 Uhr sowie von 15 Uhr bis 18 Uhr betroffen sein. 

Zwar werde vordergründig kontrolliert, ob entsprechende Personen über die geltenden Vorschriften informiert sind und diese auch einhalten. Doch auch eine umfassende Verkehrsaufklärung über die verschiedenen Unfallgefahren, denen speziell Radfahrer ausgesetzt sind, ist Ziel des Schwerpunkttages.

Verkehr nimmt stetig zu

Hintergrund der Aktion ist insbesondere die starke Zunahme des Radverkehrs im Stadtgebiet München. Konkret: Während der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen im Jahr 2010 bei 10 Prozent lag, stieg er im Jahr 2017 auf 18 Prozent. 

Doch auch weitere Faktoren beeinflussen die zunehmende Unfallgefahr im Straßenverkehr. So werden etwa immer mehr Kraftfahrzeuge auf Straßen und Radwegen zugelassen, welche für zusätzliche Belastung sorgen.

Das aktuellste Beispiel: E-Scooter (Hallo berichtete). Neue Verkehrsmittel wie diese, stellen alle Verkehrsteilnehmer vor neue Herausforderungen. Seit 15.06.2019 sind sie für den Verkehr zugelassen. Bis zum 06.08.2019 ereigneten sich 25 Verkehrsunfälle mit E-Scootern (14 mal mit Personenschaden, zweimal Alkoholunfall, einmal Alkohol- und Drogenunfall), zudem fuhren 436 unter Alkoholeinfluss und 34 unter Drogeneinfluss.

Schwere Radunfälle häufen sich

Mehr Radfahrer gleich mehr Unfälle? Die Zahl der schweren Zusammenstöße scheint zuzunehmen...

Doch sicherlich auch die zahlreichen – und teils schwerwiegenden – Verkehrsunfälle der letzten Tage und Wochen, dürften maßgeblichen Einfluss auf die Durchführung des Schwerpunkttages gehabt haben.

Erst gestern hatte ein 86-jähriger Autofahrer in Freimann eine 76-jährige Radfahrerin beim Abbiegen übersehen (Hallo berichtete). Auch in den Tagen zuvor wurden mehrere Personen bei ähnlichen Fahrmanövern im Innenstadtbereich schwer verletzt (Hallo berichtete).

Ende Juli hatte sich an einer Feldmochinger Kreuzung ebenfalls ein schwerer Zusammenstoß zwischen einer Pkw-Fahrerin und einem Radfahrer ereignet (Hallo berichtete) – nur wenige Wochen, nachdem eine Pkw-Fahrerin am Frankfurter Ring einen Pedelec-Fahrer übersah und ihn anschließend ohne anzuhalten einfach am Unfallort liegen ließ (Hallo berichtete). 

Einen ähnlichen Fall vermeldete die Münchner Polizei nur wenige Tage später, diesmal in Pasing (Hallo berichtete).

Und die Auflistung nimmt kein Ende: Kurz zuvor, Mitte Juni, übersah ein AWM Müllwagen einen Radfahrer Sendlinger-Tor-Platz. Der Mann hatte keine Chance und war unter den beiden Achsen des Fahrzeugs zum Liegen gekommen (Hallo berichtete).

Zwar haben sich die betroffenen Radfahrer in den meisten Fällen korrekt verhalten, doch waghalsige Abbiege- und Straßenquerungsmanöver werden vielen Verkehrsteilnehmern tagtäglich zum Verhängnis.

Worauf Fahrradfahrer achten sollten

Nachdem Hallo-Leser verraten haben in welchen Stadtteilen, an welchen Kreuzungen und vor welchen Einmündungen es zwickt, erklärt Andreas Groh, ADFC-Experte, die Lage und schlägt Verbesserungen vor.

Polizei München/reb

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