„Wir nehmen uns zu ernst“

Münchner Klischees: Regisseur hält der Stadt mit Satire-Film den Spiegel vor

+
Philipp Dettmer zeigt im Film „München 089“ auch die schlechten Seiten der Stadt.

Landschaftsplaner, die nur ans Geld denken, Eltern, die die Gentrifizierung vorantreiben, versnobte Schönheitschirugen... Ist München tatsächlich so schlimm? Filmemacher Philipp Dettmer klärt auf.

München – Langweilig, versnobt, überteuert: was München alles vorgeworfen wird! Auch den Filmemacher Philipp Dettmer stört so manches an seiner Heimatstadt. In seinem neuen Film „München 089 – Big Trouble In Little Munich“ macht er seinem Ärger Luft. 

Versnobte Schönheitschirugen...

In fiktiv-dokumentarischen Szenen erzählen rund 45 Bürger von ihrem Alltag: ein Schönheitschirurg, der zeigen will, wie schön es sich mit Geld leben lässt; eine Mutter, die in die Glockenbach-Suiten eingezogen ist und mit dem Lärm von Bars und Kitas aber gar nicht umgehen kann; Promis, die sich sozial engagieren, nur um besser dazustehen.

Landschaftsplaner, die nur ans Geld denken...

Der Filmemacher legt den Finger in die Wunde, die die Vorurteile über München hinterlassen. „Das kannst du München ja nicht antun“ haben ihn einige gewarnt. „Oh doch, die Stadt braucht das gerade“, antwortete er lässig. „Bei dem, was die Stadt in den letzten Jahren geworden ist.“ Der Film ist aber keine Abrechnung. Sondern ein Weckruf. „Eine richtige Watschn, die aber sagt: Komm, jetzt reißen wir uns mal zusammen“, sagt er.

Heute müssen wir verkrampft Radl-Hauptstadt sein, brauchen ein Filmfest, das besser als alle anderen ist, wir haben das größte portable Riesenrad der Welt.“ Warum? Das Wichtigste hätten wir schon, wenn auch etwas verlernt: bayerische Gemütlichkeit. 

Hippe Eltern, die die Gentrifizierung vorantreiben...

„Am Montag habe ich beobachtet, wie sich zwei am Radweg beschimpften. Wie sind die denn erst am Freitag nach einer harten Arbeitswoche drauf? Ich betrete beim Arzt das Wartezimmer, grüße in die Runde, keiner sagt was.“ 

Momente wie diese stimmen den Filmemacher nachdenklich: „Viele Leute nehmen sich einfach viel zu wichtig. Und zu ernst.“ Was hilft da mehr, als gemeinsam zu lachen? Vielleicht auch mal ein wenig über sich selbst. 

Denn hinter Dettmers Kritik verbirgt sich vor allem eines: seine Liebe zu dieser Stadt und ihren Bewohnern.

Sebastian Obermeir

„München 089“ ist ab Donnerstag, 6. Juni, im Werkstattkino, Fraunhoferstraße 9, zu sehen. Die aktuellen Spielzeiten unter: ­https://­muenchen089.deutsche-­exotik.de

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

200 000 Euro Schaden – S-Bahn fährt bei Rangierfahrt auf stehende S-Bahn
200 000 Euro Schaden – S-Bahn fährt bei Rangierfahrt auf stehende S-Bahn
"CSU und SPD sind Listenplätze wichtiger als politische Überzeugungen"
"CSU und SPD sind Listenplätze wichtiger als politische Überzeugungen"
Feuerwerks-Verbot in München  – Wo Raketen nicht erlaubt und Böller komplett verboten sind
Feuerwerks-Verbot in München  – Wo Raketen nicht erlaubt und Böller komplett verboten sind
Nach Messerattacke am Hauptbahnhof: Polizist operiert - Klinge in Körper abgebrochen
Nach Messerattacke am Hauptbahnhof: Polizist operiert - Klinge in Körper abgebrochen

Kommentare