Kleine Betriebe sehen schwarz

Münchner Kinos: Zwei Traditionshäuser schließen – Zwei weitere stehen auf der Kippe

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Das Ende der kleinen Kinos: Das Gabriel in der Dachauer Straße ist seit April diesen Jahres geschlossen.

Ein schwarzes Jahr für Filmfans. Welche Lichtspielhäuser nach dem Gabriel und den Kinos Münchner Freiheit noch um ihren Fortbestand kämpfen – und warum die Stadt sich in der Kritik sieht...

München – Das Kinosterben in München greift um sich. Erst im April traf es nach 112 Jahren Münchens ältestes Kino, das Neue Gabriel am Hauptbahnhof (Hallo berichtete). Im Brief, den Betreiber Walter Büche an der Dachauer Straße ausgehängt hat, macht er seiner Enttäuschung Luft: „Ich wollt’ noch nicht in Rente gehen. Der Stadtrat sagt, es würd’ nichts nützen...“ 

Wie Büche fühlt sich Thomas Kuchenreuther von der Stadt allein gelassen. Der Kinobetreiber muss seine drei Säle an der Münchner Freiheit nach 25 Jahren schließen. Der Stadtrat hatte einer geplanten Nutzungsänderung zugestimmt, eine hundertprozentige Mieterhöhung zum Pachtvertrag stand im Raum. 

Ein weiterer Tiefschlag: die Kinos an der Münchner Freiheit schließen bald.

Kuchenreuther traf letztlich die schwere Entscheidung: „Wir haben einen Eigeninsolvenzantrag gestellt.“ Karstadt übernimmt 2020 die Räumlichkeiten. Im Herbst, spätestens im nächsten Frühjahr, machen die Kinos dicht.

Man hoffe auf Neugründungen

SPD-Pressesprecher Christian Pfaffinger zur Entwicklung: „Wir haben versucht, das Gabriel-Kino zu retten und bedauern, dass wir diese beiden Kinos nicht erhalten konnten.“ Man hoffe auf neue Projekte in den Stadtvierteln, habe deshalb die Prämien der sechs jährlich zu vergebenden Kino-Programmpreise von je 5000 auf 7500 Euro erhöht. Außerdem wolle die Stadt künftig bei Neugründungen oder Übernahmen von Programmkinos helfen. Jährlich 20 000 Euro stehen dafür zur Verfügung.

Auch Filmtheater am Sendlinger Tor betroffen

Die Zukunft des Filmtheaters am Sendlinger Tor bleibt ungewiss.

Ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn es um steigende Mieten geht, wie im Falle des Filmtheaters am Sendlinger Tor. Das besteht bereits seit 106 Jahren. Aber wie lange schafft es Pächter Christoph Preßmar, den Traditionsbetrieb noch weiterzuführen? 

Nachdem zuletzt vor fünf Jahren die Verlängerung des Pachtvertrags bis 2020 umstritten war, verhandeln Preßmar und Verpächter Birte und Alfred Winkelmann eben erneut um eine Verlängerung. Wie die Dinge stehen, dazu wollte sich keiner der Beteiligten gegenüber Hallo äußern. Doch soll auch hier bald eine Entscheidung fallen.

Rio Filmpalast mit unsicherer Zukunft

Auch das Rio am Rosenheimer Platz könnte bald vom Kinosterben in München betroffen sein.

Für ein weiteres, inhabergeführtes Münchner Traditionskino scheint die Zukunft ebenfalls ungewiss. Das liegt aber an einem persönlichen Schicksalsschlag. Familie und Mitarbeiter des Rio Filmpalasts an der Rosenheimer Straße wurden im April vom plötzlichen Tod von Elisabeth Kuonen-Reich erschüttert. Die 58-Jährige hatte in den 90er-Jahren die zwei Kinosäle von ihren Eltern übernommen, das Rio mit viel Herz und Liebe als Institution in Haidhausen fortgeführt. 

Ob und wie Daniel Kuonen ohne seine Frau mit dem Haidhauser Kino weitermacht – dazu wollte der Witwer auf Hallo-Anfrage keine Stellung nehmen.

Marie-Julie Hlawica

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