Zeichen gegen rechts

Pegida knickt ein und sagt Demo ab – Großer Erfolg für "München ist bunt"

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Jetzt doch keine Pegida-Demonstration bei Münchner Ohel-Jakob-Synagoge am Sankt-Jakobs-Platz.

Pegida wollte vor der Ohel-Jakob-Synagoge am Sankt-Jakobs-Platz demonstrieren, doch die Stadt hatte es verboten. Jetzt wurde die Veranstaltung komplett abgesagt.

Update: 10.54 Uhr

München – Die rechtspopulistische Pegida-Bewegung wollte heute eigentlich eine Demonstration zum Thema „Beschneidung von Säuglingen und Kindern verbieten“ vor der Ohel-Jakob-Synagoge am Sankt-Jakobs-Platz abhalten. Doch nach einem Verbot der Stadt musste die Veranstaltung zweihundert Meter entfernt stattfinden. Außerdem hatte die Organisation "München ist bunt" angekündigt eine Gegenveranstaltung zur gleichen Zeit abzuhalten. Diese sollte dann, anstatt der Pegida-Demo, vor der Synagoge stattfinden.

 Pegida hat jetzt die für Freitag geplante Demonstration in der Nähe einer Synagoge in München gegen die Beschneidung von Kindern und Säuglingen abgesagt. Das teilte Johannes Mayer, Sprecher des Kreisverwaltungsreferats München, der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit. Pegida München war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Jetzt haben die verantwortlichen Pegida-Organisatoren die Demonstration komplett abgesagt.

„Weit mehr als 1000 Menschen hatten sich zum Protest gegen Pegida und deren antisemitische Hetze angesagt. Daraufhin hat Heinz Meyer von Pegida heute Nacht seine Kundgebung kurzfristig abgesagt. Ich werte das als einen großen Erfolg der Zivilgesellschaft,“ freut sich Micky Wenngatz, die Vorsitzende des Vereins München ist bunt, der den Gegenprotest organisiert hatte.

Statement von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) zur Absage der Pegida-Demo

„Das ist ein großer Erfolg für das gesellschaftliche Engagement unserer Stadtgesellschaft. Mein besonderer Dank geht an das Bündnis „München ist bunt“, das heute zur großen Gegendemonstration aufgerufen hatte und damit ein klares Zeichen gegen die geplante Kundgebung, gegen Antisemitismus und Menschenfeindlichkeit gesetzt hat. Ich freue mich, dass unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gerade zu Beginn des Schabbats, das tun können, was selbstverständlich sein sollte: ungestört in die Synagoge zu gehen.

Wir alle sind aufgefordert dem zunehmenden Antisemitismus in unserer Gesellschaft mit aller Schärfe entgegen zu treten und uns solidarisch an die Seite unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger zu stellen. München ist und bleibt eine offene, tolerante und demokratische Stadtgesellschaft, dafür trete ich, dafür treten wir alle jeden Tag entschieden ein.“

Die Gegenveranstaltung wird zur Solidaritätsbekundung dennoch stattfinden

„Nachdem sich aber an der Intension von Pegida und dem sich immer weiter ausbreitendem Antisemitismus in unserer Gesellschaft nichts geändert hat, werden wir trotzdem heute ab 16 Uhr unsere Solidarität mit den Jüdinnen und Juden zu Ausdruck bringen“, so Wenngatz weiter. Das ganze fände in kleinerem Rahmen und ohne Reden statt. Einzig eine Lesung mit Auszügen aus dem Tagebuch aus Bergen-Belsen von Hanna Levy-Hass solle es geben.

Erstmeldung: 24. Januar, 09.26 Uhr

München – Die rechtspopulistische Pegida-Bewegung möchte am Freitag (16.00 Uhr) in München gegen die Beschneidung von Kindern und Säuglingen demonstrieren. Nach einem Verbot der Stadt wird die Demo nicht mehr wie von den Organisatoren geplant auf dem Platz vor der Ohel-Jakob-Synagoge stattfinden, sondern rund zweihundert Meter entfernt an einer Straßenkreuzung. Die Stadt begründete dies unter anderem mit der Sorge um die öffentliche Sicherheit und Ordnung. Mit der Verlegung könne man der Gefahr ausreichend begegnen.

Die zum Thema „Beschneidung von Säuglingen und Kindern verbieten“ angemeldete Demonstration hatte umgehend scharfe Kritik hervorgerufen. Im Judentum - wie auch im Islam - ist die Beschneidung von Jungen ein wichtiges Ritual. Nach jüdischer Tradition werden Jungen am 8. Lebenstag beschnitten als Symbol des Bundes, den Gott mit Abraham schloss (Genesis 17,10-27).

Aufruf zur Gegenveranstaltung zur Pegida-Demonstration

„Es kann nicht sein, dass ein so offener Hass und solche volksverhetzenden, die Religionsfreiheit missachtenden Inhalte im Herzen unserer Stadt öffentlich verbreitet werden dürfen“, sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, und sprach sich für ein Verbot der Veranstaltung aus. Knobloch forderte die Münchner zudem zum Besuch von Gegenveranstaltungen auf. „Ich hoffe, dass am Freitag möglichst viele Menschen ein deutliches Zeichen gegen diesen Judenhass setzen. Die Stimmen für das Miteinander, für Toleranz und Respekt müssen jetzt besonders laut sein.“

Ein solches Zeichen möchte die Organisation „München ist bunt“ setzen. Sie ruft zum Protest gegen die Pegida-Aktion auf. „Das ist ein klarer Angriff auf die jüdische Identität, den wir nicht unwidersprochen lassen dürfen!“, schreibt der Verein auf seiner Internetseite. Unter dem Motto „Gegen Antisemitismus - Wir stehen solidarisch zusammen“ möchten sie am Freitag (16.00 Uhr) eine Menschenkette um das jüdische Gemeindezentrum am Sankt-Jakobs-Platz bilden.

Quelle: dpa/lby/jh/München ist bunt

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